Anina Erasmus-Semester in Französisch an Université Paris Nanterre; große Freiheit bei Kurswahl

Auf Französisch studieren, international wachsen: Aninas Erasmus-Semester in Paris

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Auf Französisch studieren, international wachsen: Aninas Erasmus-Semester in Paris

Studieren in einer der spannendsten Metropolen Europas, Seminare auf Französisch, Diskussionen über Foucault und nach der Vorlesung noch schnell ins Museum oder Theater: Für Anina gehört ihr Erasmus-Semester an der Université Paris Nanterre in diesem Sommer bereits jetzt zu einer ihrer schönsten Erfahrungen, die noch lange nachwirkt – fachlich, persönlich und durch Freundschaften, die bis heute bestehen. Anina hat sich für das letzte Semester ihres Bachelor-Studiums der Sozialwissenschaften und Literaturwissenschaft bewusst für ein Erasmus-Austauschsemester in Paris entschieden. Zum einen wollte sie ihre Französischkenntnisse im Studienalltag anwenden und zum anderen die Chance nutzen, sich stärker mit Ideen des Poststrukturalismus und Dekonstruktivismus auseinandersetzen, die die französische Sozial- und Kulturtheorie bis heute prägen. An der Université Paris Nanterre wird ausschließlich auf Französisch gelehrt, entsprechend textintensiv und anspruchsvoll war das Studium für Anina. Besonders die formalen Anforderungen französischer „Commentaires“ und einer „Dissertation“ haben sich deutlich vom Studium in Deutschland unterschieden. „Ausreichend Zeit für die Auseinandersetzung mit dem Aufbau der jeweiligen Textform sollten Studierende sich nehmen“, sagt sie. Auch wenn es herausfordernde Monate waren, hat die Studentin gerade diese Erfahrung als große Bereicherung empfunden. Unterstützung fand sie bei französischen Kommilitoninnen, die auch mal ihre Mitschriften mit ihr teilten. Überhaupt musste sich Anina erst einmal an das „Schreibgewitter“ der anderen Studierenden gewöhnen, die möglichst viel von dem mitschrieben, was die Dozentinnen sagten. Zum Bestehen der Klausuren sei eine gut angelegte Argumentation allerdings entscheidender als die bloße Reproduktion der Kursinhalte. Ein großer Pluspunkt für Anina sei die große Freiheit bei ihrer Kurswahl gewesen. Neben Veranstaltungen aus Soziologie, Politikwissenschaften und Literaturwissenschaft belegte sie auch Seminare in Ethnologie, Anthropologie, Theaterwissenschaft, Philosophie und Kunstgeschichte, die sie sich an der Uni Erfurt im Studium Fundamentale anrechnen lassen konnte. Besonders beeindruckt habe sie dabei die intensive Diskussionskultur in vielen Seminaren und die Möglichkeit, auch Perspektiven aus Fächern, die im Studium in Erfurt so nicht angeboten werden, kennenzulernen. Als Geheimtipp empfiehlt sie den Kurs „Vie Culturelle“. Gemeinsam mit anderen Studierenden plante und besuchte sie Ausstellungen, historische Sehenswürdigkeiten und kulturelle Veranstaltungen. Die Exkursionen waren nicht nur kostenlos, sondern eröffneten durch den Dozenten, der selbst in der Stadt aufwuchs, auch einen besonderen Blick auf Paris – abseits der klassischen Tourismus-Highlights.

Ein Campus mit vielen Möglichkeiten Die 1964 gegründete Université Paris Nanterre war ein wichtiges Zentrum der Studierendenbewegung von 1968 und ist bis heute von deren kritisch-intellektueller Tradition geprägt. Mit rund 30.000 Studierenden zählt die Universität zu den größten Hochschulen Frankreichs. Ihre Größe wirkte auf Anina zunächst etwas einschüchternd. Aufgrund der strengen Anwesenheitspflicht und des Wegfallens des akademischen Viertels war sie sogar gezwungen, ihren ursprünglichen Stundenplan anzupassen, weil sie es sonst nicht rechtzeitig von der einen in die andere Veranstaltung geschafft hätte.

Aber die Ausdehnung des Campus macht sich auch durchaus positiv bemerkbar: Neben mehreren Bibliotheken, Sportanlagen, einem Theater und zahlreichen weiteren kulturellen Angeboten bietet er viele Gelegenheiten, andere Studierende kennenzulernen: „Da es eine Campus-Universität ähnlich wie in Erfurt ist, habe ich häufig Leute getroffen, mit denen ich auch spontan einen Kaffee trinken gehen konnte“, erinnert sich Anina.

Während der Vorlesungszeit war sie oft den ganzen Tag an der Uni. Für einen Spaziergang zwischendrin war aber auch mal Zeit. Und es lohnt sich, Nanterre-Ville ein wenig zu erkunden: Ein Buchladen beispielsweise hat vergünstigte Preise für Studierende und viele Brasserien öffnen schon gegen 7 Uhr – Kaffee und Croissant vor der Uni gehören definitiv zu den schönen kleinen Paris-Momenten in Aninas Erasmus-Semester. Wohnen: Zentral ist nicht immer besser Vor Beginn des Auslandssemesters entschied sich Anina gegen einen Wohnheimplatz auf dem Campus und fand stattdessen mit viel Glück über eine Freundin ein WG-Zimmer im 5. Arrondissement – in unmittelbarer Nähe des Jardin du Luxembourg. Die Lage sei zwar traumhaft gewesen, rückblickend würde sie die Entscheidung jedoch anders treffen. Viele ihrer Erasmus-Freund*innen lebten auf dem Campus in Nanterre, wo sich auch ein großer Teil des gemeinsamen Alltags abspielte. Ihr Fazit: „So zentral zu leben wäre im Nachhinein also gar nicht nötig gewesen.“ Gerade wegen der hohen Mieten empfiehlt Anina, auch Studierendenwohnheime oder weniger zentrale Stadtteile in Betracht zu ziehen. Zunächst sei ihr zwar davon abgeraten worden, die verschiedenen Arrondissements und Vororte hätten sich dann für sie allerdings als ausgesprochen vielfältig und lebendig erwiesen und auch die Vorurteile gegenüber den sogenannten „Banlieues“ hätten sich bei ihrem Aufenthalt in Paris nicht bestätigt.

Freundschaften beginnen oft schon vor Semesterstart Und Anina hat noch einen weiteren Rat: die Angebote der Einführungswoche nutzen, um schon von Beginn an Kontakte zu knüpfen. Obwohl sie zunächst aus zeitlichen Gründen nicht am Französisch-Intensivsprachkurs teilnehmen konnte, schloss Anina sich später einer Gruppe an, die sich bereits im Rahmen des Kurses zusammengefunden hatte. Noch am selben Abend sind sie gemeinsam in die Stadt gefahren:

Mein ganzes Semester habe ich mit ihnen verbracht und Freundschaften geschlossen, von denen wir uns alle wünschen, dass sie noch lange anhalten.“

Bald treffen sie sich wieder, das steht bereits fest in den Kalendern der Freund*innen. Deshalb lautet Aninas Empfehlung an zukünftige Erasmus-Studierende ganz klar: den Intensivsprachkurs besuchen, an den Willkommensveranstaltungen teilnehmen und den Mut haben, andere anzusprechen, auch wenn sie bereits als Gruppe in Erscheinung treten.

Paris entdecken – jeden Tag etwas Neues Auch außerhalb der Universität bietet Paris unzählige Möglichkeiten: Für Studierende unter 26 Jahren beispielsweise ist der Eintritt in viele staatliche Museen kostenlos. Hinzu kommen Theater und kleine Programmkinos, für die es günstige Tickets gibt, kostenlose Lesungen und Vernissagen sowie zahlreiche Parks und Stadtviertel, die darauf warten, entdeckt zu werden.

Besonders ans Herz gewachsen sind der Studentin Orte wie Belleville, Ménilmontant, der Canal Saint-Martin oder der Parc des Buttes-Chaumont. Dort verbrachte sie viele Nachmittage und Abende mit ihren Kommiliton*innen.

Und wenn Anina zwischendurch dem Großstadttrubel entfliehen wollte, konnte sie die gute Bahnanbindung nutzen. Gemeinsam mit ihrer Erasmus-Gruppe reiste sie u. a. nach Bordeaux und Marseille. Aber so begeistert die Studentin auch von ihrem Auslandssemester ist, einen Punkt spricht sie deutlich an: Paris ist teuer. Die Erasmus-Förderung sei deshalb eine wichtige finanzielle Unterstützung. Davon abgesehen aber ist Anina nach wie vor überglücklich und dankbar für die Zeit. Sie hätte sich ihr Erasmus-Semester in Paris nicht schöner vorstellen können, sagt sie rückblickend. Für Anina geht es jetzt in einer anderen Hauptstadt weiter: Ab dem Wintersemester studiert sie an der Freien Universität Berlin Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft im Master sowie Technik- und Wissenschaftsgeschichte im Bachelor. Wir sagen merci und au revoir!

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Studiengänge an der Universität Erfurt

Bachelor-Studiengang Sozialwissenschaften (Politikwissenschaft und Soziologie)

Großflächiger Campus der Université Paris Nanterre

Zahlreiche Sport- und Freizeitmöglichkeiten auf dem Campus

Einblicke in Aninas Alltag in Paris: Blick vom Balkon ihrer Wohnung, nach Schätzen in einem Buchladen stöbern und der Blick auf den Canal Saint-Martin

Anina (rechts) mit ihren Freundinnen vor einer Pariser Pâtisserie

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