Magnus studiert Religionswissenschaft an der Universität Erfurt; Bachelor-Arbeit: Osmanisches Erbe in Social Media analysiert

Wie Religion Gesellschaft prägt – und warum Magnus genau das verstehen möchte

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Wie Religion Gesellschaft prägt – und warum Magnus genau das verstehen möchte

Warum spielen Religionen auch in säkularen Gesellschaften weiterhin eine so große Rolle? Und wie entstehen Geschichtsbilder auf Social Media? Magnus erzählt im Gespräch, warum ihn ursprünglich das Interesse am orthodoxen Christentum nach Erfurt führte, weshalb er heute vor allem die Islamwissenschaft spannend findet – und warum man in seinem Studium nie aufhört, Fragen zu stellen. Als Magnus sich für ein Studium entschieden hat, hatte er bereits eine ziemlich konkrete Vorstellung davon, womit er sich beschäftigen wollte. Ausschlaggebend war dabei nicht nur sein Interesse an Religion, sondern auch eine persönliche Erfahrung. „Ich habe einige Auslandserfahrungen gemacht und in Serbien gearbeitet. Dort ist das orthodoxe Christentum eine große gesellschaftspolitische Kraft. Deshalb hat mich besonders interessiert, dass man an der Universität Erfurt Religionswissenschaft mit Fokus auf das orthodoxe Christentum studieren kann. Das hat mich damals gecatcht – und deshalb bin ich gezielt nach Erfurt gekommen. Und ich habe es nicht bereut“, sagt Magnus heute.

Der gebürtige Sachse studiert Religionswissenschaft im Hauptfach und Geschichtswissenschaft im Nebenfach – eine Kombination, die sich für ihn als ideal erwiesen hat:

Meine Bachelor-Arbeit teilt sich inhaltlich genau auf in 50 Prozent Religionswissenschaft und 50 Prozent Geschichtswissenschaft. Ich finde, das sind zwei Bereiche, die man gar nicht voneinander trennen kann."

Vom orthodoxen Christentum zur Islamwissenschaft Auch wenn Magnus mit einem klaren Interessenschwerpunkt nach Erfurt kam, hat sich sein Blick im Studium erweitert: „Eigentlich wollte ich mich auf das orthodoxe Christentum spezialisieren. Aber hier bin ich ein bisschen auf die Islamwissenschaft gekommen – auch durch meine Hiwi-Stelle an der Professur für Islamwissenschaft und durch die spannenden Forschungsfelder, die ich kennenlernen konnte.“ Erst durch sein Studium hätte er verstanden, wie vielfältig Religion und Kultur sein können. Vielleicht, überlegt Magnus, würde er sich im Master-Studium sogar eher auf Islamwissenschaft fokussieren. Vor seinem Studium hatte er diese Option „überhaupt nicht auf dem Schirm."

Gerade die thematische Offenheit sieht Magnus als große Stärke des Studiengangs. Nach den Grundlagen können Studierende unterschiedliche Schwerpunkte setzen – von Judaistik über Islamwissenschaft bis hin zum orthodoxen Christentum oder allgemeinen religionswissenschaftlichen Fragestellungen:

Die Vertiefungsmodule reichen von Antisemitismus über die Digitalisierung religiöser Praxis bis hin zu den religiösen Dimensionen des Kriegs in der Ukraine. Gerade in der Islamwissenschaft wurde viel darüber gesprochen, wie Religion im digitalen Raum gelebt und verhandelt wird. Mit diesen Fragestellungen beschäftige ich mich jetzt auch in meiner Bachelor-Arbeit.“

Wenn Geschichte auf Social Media erzählt wird In seiner Bachelor-Arbeit beschäftigt sich Magnus mit dem aktuellen Thema von Geschichtsnarrativen in den sozialen Medien. Dabei untersucht er türkische und serbische Social-Media-Beiträge und fragt danach, wie dort mit dem osmanischen Erbe umgegangen wird: „Mich interessiert, welche historischen Erzählungen reaktualisiert werden und wie diese sich in gesellschaftspolitischen Debatten in west- und mitteleuropäischen Diasporagemeinschaften entfalten können." Besonders spannend findet er dabei, dass die untersuchten Accounts zwar privat erscheinen, aber häufig in größere politische Zusammenhänge eingebettet sind: „Es sind private Akteure – oft mit ziemlich großer Reichweite. Gerade das macht sie interessant." Vorurteilen begegnen: Ein Fach, das oft erklärt werden muss Wer Religionswissenschaft studiert, begegnet allerdings auch einigen Missverständnissen, weiß Magnus: „Außerhalb der Religionswissenschaft muss ich jeden Tag erklären, was ich studiere und warum ich das studiere. Die häufigste Frage ist, ob ich Priester werden möchte. Das verneine ich natürlich immer sofort – das kann ich auch gar nicht werden und es ist überhaupt nicht mein Interesse. Wir setzen uns ja nicht theologisch mit Religion auseinander."

Gerade in Ostdeutschland nehme er außerdem wahr, dass alles, was mit Religion zu tun hat, häufig mit Vorurteilen und Stereotypen verbunden sei. Umso wichtiger findet er die öffentliche Arbeit der Religionswissenschaft in Erfurt: „Die Religionswissenschaft an der Universität Erfurt macht einen guten Job, nach außen zu zeigen: Religion spielt gesellschaftlich eine große Rolle – und darüber wissenschaftlich zu sprechen, ist wichtig." Interreligiöser Dialog gehört zum Studienalltag Im Studium geht es für Magnus aber nicht nur um wissenschaftliche Theorien, sondern auch um Begegnungen: „Wir werden dazu angehalten, verschiedene Perspektiven einzunehmen – auch fernab der eigenen kulturellen Prägung. Wenn ich in einem islamwissenschaftlichen Seminar sitze, in dem muslimische Kommilitoninnen sind, entsteht eine richtig spannende Diskussionskultur." Dazu kommen Exkursionen, die den Blick über den Seminarraum hinaus öffnen. Magnus erinnert sich an eine Reise nach Berlin: „Erst vor Kurzem waren wir in einem neu eröffneten Hindu-Tempel in Berlin-Neukölln. Dort konnten wir mit religiösen Spezialistinnen sprechen und Fragen stellen. Solche Erfahrungen machen den interreligiösen Dialog erst richtig greifbar." Wissenschaft, die den Alltag erklärt Sein Studium habe auch seine Sicht auf gesellschaftliche Entwicklungen verändert, sagt Magnus: „Die Dinge, die ich in Serbien im Alltag erlebt habe – dass Menschen selbstverständlich in die Kirche gehen oder religiöse Rituale eine wichtige Rolle spielen –, konnte ich durch mein Studium wissenschaftlich besser einordnen. Man bekommt eine Wissensbasis, mit der sich solche Beobachtungen viel besser verstehen lassen." Dabei entwickele sich das Studium durch den Einbezug aktueller Diskurse auch ständig weiter:

Gesellschaftspolitische Debatten werden in der Religionswissenschaft sehr schnell aufgegriffen. Neue Entwicklungen fließen direkt in Seminare ein. Das ganze Studium ist eigentlich ein Arbeitsprozess. Man hört quasi nie auf."

Für Magnus ist dabei eine Erkenntnis besonders geblieben: „Mir ist klar geworden, welche tiefgreifende Bedeutung Religion auch in unserer postsäkularen Gesellschaft noch hat. Religion ist nicht einfach wegzustreichen. Die Welt ist eben nicht entzaubert, wie Max Weber das einmal beschrieben hat." Nah dran – auch an den Menschen Neben den fachlichen Inhalten schätzt Magnus vor allem die persönliche Atmosphäre an der Universität Erfurt: „Die Seminare sind klein, man kommt sehr schnell mit den Lehrenden ins Gespräch. Das schafft einen ganz anderen Austausch als an großen Universitäten."

Besonders in Erinnerung geblieben ist ihm eine Begegnung nach einem Seminar. „Wir hatten die Möglichkeit, nach dem Seminar mit einer jüdischen Influencerin noch Mittag essen zu gehen. Die Professorin hat gesagt: Wer Lust hat, kommt einfach mit. Ich finde, das ist so eine typische Uni-Erfurt-Sache. Man kann einfach mit Spezialist*innen weiterreden. Das kenne ich von größeren Universitäten überhaupt nicht. Dieser persönliche Zugang macht die Universität Erfurt für mich besonders."

Studiengänge an der Universität Erfurt

Übersicht über die Studiengänge an der Universität Erfurt

Heisenberg-Professur für Religionswissenschaft mit Schwerpunkt Religiöse Medienpraktiken (Islamwissenschaft)

Gute Gründe für ein Studium an der Universität Erfurt

Rat und Hilfe in Notfällen

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