Bundesumweltminister Carsten Schneider erforscht FLOW am Fluss Gera in Erfurt heute; 60 Prozent verfehlen den guten ökologischen Zustand

Bundesumweltminister Carsten Schneider erforscht mit Bürgerinnen und Bürgern die Gera | Uni Jena

Bundesumweltminister Carsten Schneider erforscht mit Bürgerinnen und Bürgern die Gera

FLOW-Projekt von Universität Jena, UFZ und iDiv verbindet wissenschaftliches Gewässermonitoring mit ehrenamtlichem Engagement

Bundesumweltminister Carsten Schneider (r.) und die Leiterin des Citizen-Science-Projekts FLOW, Prof. Dr. Aletta Bonn, sammeln mit einem Kescher Lebewesen aus dem Fluss Gera in Erfurt.

Meldung vom: 14. August 2026, 11:00 Uhr | Verfasser

Bundesumweltminister Carsten Schneider hat heute in Erfurt das Citizen-Science-Projekt FLOW besucht und gemeinsam mit Mitgliedern des Sportfischervereins Bischleben e. V. und des Deutschen Angelfischerverbands (DAFV) die Gewässergüte der Gera untersucht. An dem bundesweiten Forschungsprojekt sind die Friedrich-Schiller-Universität Jena, das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) und das Deutsche Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung Halle-Jena-Leipzig (iDiv) beteiligt. Gemeinsam mit Bürgerwissenschaftlerinnen und Bürgerwissenschaftlern untersucht FLOW den ökologischen Zustand kleiner Fließgewässer. Im Mittelpunkt des Ministerbesuchs stand die Frage, wie Wissenschaft, Zivilgesellschaft und lokale Akteure gemeinsam zum Schutz und zur ökologischen Aufwertung von Bächen beitragen können.

Bundesumweltminister: »Wir müssen Bächen und Flüssen wieder mehr Raum geben.«

Bei dem Termin an der Gera in Erfurt-Bischleben beteiligte sich Bundesumweltminister Schneider selbst an der Gewässeruntersuchung. Gemeinsam mit Beteiligten des FLOW-Projekts sowie örtlichen Anglerinnen und Anglern nahm er den Zustand des Flusses in den Blick. Im sich anschließenden Gespräch tauschten sich die Anwesenden darüber aus, wie kleine Fließgewässer geschützt und ihre natürliche Struktur wiederhergestellt werden können.

»Gerade dieser Sommer ist ein Weckruf, dass wir mit der wertvollen Ressource Wasser anders umgehen müssen als bisher. Das sehen wir mit dem aktuellen Niedrigwasser vor allem an den großen Wasserstraßen. Natürliche Wasserräume speichern Wasser, kühlen die Umgebung und sorgen für Grundwasserbildung. Daher müssen wir Bächen und Flüssen wieder mehr Raum geben, ihre Auen und Überflutungsflächen stärken. Das hilft auch, den Gewässerzustand zu verbessern. Damit wir einen Überblick über den Zustand der vielen kleinen Bäche und Flüsse im Land haben, sind freiwillige Bürgerforschungsprojekte wie FLOW wertvoll und überaus hilfreich, um Bürgerforschung mit Engagement vor Ort zu verbinden. Ich danke allen Ehrenamtlichen für ihren wichtigen Einsatz für unsere Natur. Und besonders freut mich, dass auch Angler wie hier beim FLOW-Projekt mit dabei sind und Verantwortung übernehmen«, betont der Bundesumweltminister.

v. l.: Prof. Dr. Aletta Bonn, Professorin an der Uni Jena und Forschungsgruppenleiterin an UFZ und iDiv, Bundesumweltminister Carsten Schneider und Prof. Dr. Bärbel Kracke, Vizepräsidentin für Universitätsgemeinschaft und Engagement der Universität Jena, besuchen das FLOW-Projekt in Erfurt.

Bürgerforschung generiert Daten zu kleinen Fließgewässern

Seit 2021 haben im Citizen-Science-Projekt FLOW rund 2.000 Freiwillige in etwa 200 regionalen Gruppen bundesweit mehr als 500 Probestellen in kleinen Fließgewässern untersucht. Die Teilnehmenden werden dafür geschult und erfassen nach einem standardisierten Verfahren die Gewässerstruktur, die chemisch-physikalische Wasserqualität sowie die Gemeinschaft wirbelloser Tiere, vor allem von Insektenlarven.

Die Zusammensetzung dieser Tiergemeinschaften liefert Hinweise darauf, wie stark die untersuchten Gewässer beispielsweise durch Schadstoffe belastet sind. Die bisherigen Untersuchungen des Projekts zeigen, dass etwa 60 Prozent der beprobten landwirtschaftlich geprägten Bäche den guten ökologischen Zustand nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie verfehlen.

Universität Jena verbindet Forschung und gesellschaftliches Engagement

Die im FLOW-Projekt geknüpfte Verbindung von wissenschaftlicher Forschung und gesellschaftlichem Engagement ergänzt das behördliche Gewässermonitoring und ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern selbst zum Schutz ihrer Umwelt beizutragen.

»Als Universität wollen wir wissenschaftliche Erkenntnisse nicht nur gewinnen, sondern gemeinsam mit der Gesellschaft wirksam werden lassen«, sagt Prof. Dr. Bärbel Kracke, Vizepräsidentin für Universitätsgemeinschaft und Engagement der Universität Jena. »FLOW zeigt beispielhaft, wie Forschung und bürgerschaftliches Engagement zusammenkommen. Diese Verbindung von Wissenschaft, Teilhabe und Engagement ist für uns als Universität Jena besonders wichtig.«

Bundesumweltminister Carsten Schneider untersucht die aus dem Fluss Gera gesammelten Kleintiere mithilfe einem Stereomikroskop.

Gemeinsam mit dem Deutschen Angelfischerverband wollen die Wissenschaftspartner nicht nur den gegenwärtigen Zustand kleiner Fließgewässer untersuchen, sondern auch einfache, lokal umsetzbare Maßnahmen zur ökologischen Verbesserung von Bächen unterstützen.

»Mehr als 6 Mio. Menschen angeln in Deutschland. Sie sind vor Ort, kennen ihre Bäche und Flüsse und sehen, wenn sich etwas verändert. Deshalb ist es wichtig, ihre Erfahrungen und ihr Engagement mit wissenschaftlicher Forschung zu verbinden und sie als aktive Gestalter des Gewässerschutzes zu verstehen. FLOW zeigt, wie wichtig Teilhabe für den Gewässerschutz ist und wie wir die Kräfte vor Ort für konkrete Gewässerverbesserungen nutzen können«, sagt der Geschäftsführer des Deutschen Angelfischerverband e.V., Alexander Seggelke.

Die Zusammenarbeit von Wissenschaft und Ehrenamt soll dabei perspektivisch über das Monitoring hinausgehen: So plant das FLOW-Team Erkenntnisse aus den Untersuchungen unmittelbar vor Ort aufzugreifen und direkte Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung kleiner Fließgewässer anzustoßen. »Viele Menschen engagieren sich in der Wissenschaft, weil sie gemeinsam etwas erreichen möchten. Jetzt wollen wir auf den FLOW-Daten aufbauen und gemeinsam mit lokalen Gruppen den Schritt von Citizen Science zu Citizen Action gehen, um Bäche auch ganz praktisch ökologisch aufzuwerten«, kündigt Projektleiterin Prof. Dr. Aletta Bonn, Professorin an der Uni Jena und Forschungsgruppenleiterin an UFZ und iDiv, an.

FLOW ist eins von vier Leuchtturm-Citizen-Science-Förderprojekten des Nationalen Monitoringzentrums zur Biodiversität (NMZB) und des Bundesamtes für Naturschutzes (BfN), das mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN) gefördert wird. Projektpartner ist der Deutsche Angelfischerverband (DAFV). Die wissenschaftliche Koordination liegt bei UFZ, iDiv und der Universität Jena.

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