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title: "ZACKBUM-Autor analysiert Internet-Kommentare in der Deutschschweiz; 2,7 bis 3,3 Millionen jährlich aussortiert"
sdDatePublished: "2026-08-14T04:07:00Z"
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ZACKBUM-Autor analysiert Internet-Kommentare in der Deutschschweiz; 2,7 bis 3,3 Millionen jährlich aussortiert

Die Kloake im Internet – Zackbum

Der anonyme Kommentator ist eine Pest.

Wie jeder, der öffentlich publiziert, fragt sich der ZACKBUM-Autor, welche Psychopathologie erklären könnte, wieso es dermassen viele anonyme Kommentatoren gibt, die das Internet zur Triebabfuhr missbrauchen.

Aber lassen wir die persönliche Betroffenheit beiseite und gehen ins Allgemeine. Zunächst einmal werden unzählige Rülpser schon mal aussortiert. Rekordhalter scheint der « Blick » zu sein, der nach der letzten erhältlichen Angabe über 50 Prozent löscht. Bei den übrigen grossen Plattformen liegt die Ablehungsquote zwischen 25 und 30 Prozent.

Das erste Problem besteht darin, dass der Betreiber der Webseite für den Inhalt haftbar gemacht werden kann. Lässt er einen ehrverletzenden oder sonstwie gegen Gesetze verstossenden Kommentar durch, kann es ohne weiteres Rechtshändel geben, die meistens ins Geld gehen.

Das zweite Problem besteht in der schieren Masse. Es gehen täglich in der Deutschschweiz insgesamt rund 30’000 Leserkommentare ein, also etwa 11 Millionen pro Jahr. Davon werden täglich bis zu 9000 aussortiert, also 2,7 bis 3,3 Millionen jährlich . Die Müllabfuhr wird heute meistens in erster Linie von Algorithmen erledigt, immer weniger Geld wird für eine Kontrolle durch Menschen ausgegeben.

Das sind arme Schweine, die irgendwo auf der Welt sich ein kleines Zubrot verdienen, indem sie durch diesen Morast waten.

Unerklärlich ist, wie jemand auf die Idee kommen kann, zum 217. Kommentar noch den fünften kommentierenen Kommentar schreiben zu müssen. Ebenso verblüffend ist, dass sich Kommentarschreiber oftmals ineinander verbeissen und herumkrakeelen, ohne dass der Inhalt noch das Allergeringste mit dem eigentlichen Artikel zu tun hat.

Eine besondere Spezies sind auch die Kommentatoren, die unter verschiedenen Pseudonymen mit sich selbst Zwiegespräche führen. Allgemein verbreitet ist die Auffassung, dass es ein Menschenrecht sei, sich auf von anderen zur Verfügung gestellten Plattformen versäubern zu können.

Inzwischen sind die meisten Portale dazu übergegangen, Klarnamen und weitere Angaben wie E-Mail-Adresse oder Telefonnummer zu einzufordern. SRF verlangt zum Beispiel seit 2015 eine gültige E-Mailadresse und eine existierende Telefonnummer, mit der man sich zuerst registrieren muss.

Der Klarnamen wird dann publiziert. Aber auch das kann natürlich mit ein wenig Geschick umgangen werden. Obwohl viele Deppen nicht wissen, dass man sie über ihre IP-Adresse dingfest machen kann. Auch «Blick» fährt eine entsprechende Linie, ebenso die NZZ , Tamedia , « 20 Minuten », « watson » oder CH Media , auch wenn hier noch Nicknamen oder Pseudonyme öffentlich werden können, insofern ein Klarname hinterlegt ist.

Bei Tamedia in erster Linie gibt es aber das Problem, dass es viele Beschwerden gibt, die auch ZACKBUM schon gesammelt hat , dass eigentlich publikationswürdig Kommentare zensiert werden, wenn sie nicht der ideologischen Linie entsprechen.

Aber selbst wenn diese Regeln eingehalten werden, ist es eigentlich unverständlich, wie inhaltsleeres Geschimpfe (« so ein Quatsch, hat keine Ahnung ») oder die Verwendung von reinen Verbalinjurien, die aber noch nicht gegen gesetzliche Bestimmungen verstossen, geschrieben und auch publiziert werden.

Häufig haben Autoren auch irgendwelche Trolls an der Backe, die unermüdlich und repetitiv ihrer Abneigung gegen die Person Ausdruck verleihen, völlig unabhängig vom Inhalt und bar jeglicher Argumente.

Interessant ist ein Vergleich mit dem angelsächsischen Raum. Grosse Medien wie die « Financial Times », die « New York Times », das « Wallstreet Journal », die Londoner « Times » oder der « Guardian » bekommen häufig Hunderte von Kommentaren, die aber fast ausschliesslich gesittet und auf das Thema eingehend geschrieben werden.

Andere haben die Kommentar-Funktion schlichtweg abgeschafft. Dazu gehören seit Dezember 2023 der « Spiegel », Reuters oder Associated Press oder die BBC . Hier finden Debatten wenn überhaupt in eigens dafür geschaffenen Gefässen oder in den Social Media statt.

Eine andere Variante ist, dass nur zu ausgewählten Artikeln Kommentare erlaubt werden. So verzichtet beispielsweise «20 Minuten» auf Kommentare bei Themen, bei denen erfahrungsgemäss die Emotionen hochgehen.

Natürlich ist jeder Autor über ein schnelles Feedback froh.Es gibt sogar Kommentare, die erkenntnisfördernd sind oder, auch wenn das schmerzt, auf Fehler hinweisen.

ZACKBUM, und das ist ein Lob, kann immerhin vermelden, dass nicht zuletzt unterstützt durch gelegentliche Ordnungsrufe nur ganz wenige Kommentare ausgesondert werden müssen. Ein anderes Thema sind allerdings die Spam-Kommentare, da trudeln monatlich mehr als 10’000 ein – und werden automatisch aussortiert.

Aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Alleine in der Schweiz werden auf den Social Media (Instagram, Facebook, TikTok, YouTube, LinkedIn und wie sie alle heissen) so etwa zwei bis drei Millionen Kommentare veröffentlicht. Pro Tag. Das sind 50 bis 100 mal mehr Kommentare als auf den Medienwebseiten.

Hier ist der Klarname keineswegs Voraussetzung. Dementsprechend ist auch das Niveau. Wenn man bedenkt, dass es auch hier immerhin ein wenig technologische Voraussetzungen braucht, um Dreinkrähen zu können, es also nicht nur hirnamputierte Analphabeten sind, dann muss man schon am geistigen Zustand der Menschheit zweifeln. Oder verzweifeln.

Schlagworte: 20 Minuten , Associated Press , BBC , Blick , FT , Guardian , Kloake , Kommentare , NYT , NZZ , Psychopathologie , Reuters , spiegel , Sumpf , Tamedia , Trolls , Watson , WSJ

20 Minuten , Associated Press , BBC , Blick , FT , Guardian , Kloake , Kommentare , NYT , NZZ , Psychopathologie , Reuters , spiegel , Sumpf , Tamedia , Trolls , Watson , WSJ

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logo1.svg René Zeyer 2026-08-14 05:00:16 2026-08-12 18:10:49 Die Kloake im Internet

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