---
title: "Universität Stuttgart und Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung entwickeln magnetisch steuerbare Mikrorollen aus Vanadiumpentoxid in Stuttgart, Deutschland; bewegen das 30-Fache ihres Gewichts"
sdDatePublished: "2026-08-15T04:09:00Z"
source: "https://www.chemie.de/news/1189575/vom-schmetterling-abgeschaut-intelligenter-antrieb-fuer-die-roboter-der-zukunft.html"
topics:
  - name: "science and technology"
    identifier: "medtop:13000000"
  - name: "technology and engineering"
    identifier: "medtop:20000756"
  - name: "scientific research"
    identifier: "medtop:20000735"
  - name: "biomedical science"
    identifier: "medtop:20000710"
  - name: "information technology and computer science"
    identifier: "medtop:20000763"
  - name: "manufacturing and engineering"
    identifier: "medtop:20000294"
  - name: "chemicals"
    identifier: "medtop:20000217"
locations:
  - "Zürich"
  - "Stuttgart"
  - "Bayreuth"
  - "Würzburg"
  - "Leuna"
---


Universität Stuttgart und Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung entwickeln magnetisch steuerbare Mikrorollen aus Vanadiumpentoxid in Stuttgart, Deutschland; bewegen das 30-Fache ihres Gewichts

Vom Schmetterling abgeschaut: Intelligenter Antrieb für die Roboter der Zukunft

Vom Schmetterling abgeschaut: Intelligenter Antrieb für die Roboter der Zukunft

Magnetisch steuerbare Rollen aus Vanadiumpentoxid bewegen das 30-Fache ihres Gewichts

Rasterelektronenmikroskopische Aufnahmen des Querschnitts einer 2 × 25 mm großen keramischen Mikrorolle.

Forschende der Universität Stuttgart und des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung haben winzige Rollen entwickelt, die sich mit Hilfe eines Magneten kontrolliert ab- und aufrollen lassen. Als Vorbild diente der Saugrüssel von Schmetterlingen. Die intelligenten Materialien ermöglichen die Entwicklung effizienterer Antriebstechnologien für die Mikro- und Softrobotik, einem wirtschaftlich hochrelevanten Forschungsgebiet. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift Advanced Materials erschienen.

Neue Robotersysteme machen zunehmend von sich reden: Mikroroboter sind extrem kleine Roboter mit potenziellen Anwendungen etwa in der Medizin oder Industrie. Gleichzeitig entwickelt sich die Softrobotik, die auf flexible Materialien setzt, um Roboter anpassungsfähiger und sicherer zu machen. Wie in der (makroskopischen) Robotik müssen auch in der Mikro- und Softrobotik Aktuatoren Bewegungen oder Greifer steuern. Da die Gesamtsysteme in der Mikrorobotik jedoch viel kleiner sind und sie in der Softrobotik elastisch verformbar sein müssen, entstehen völlig neue Anforderungen an die Komponenten eines solchen Systems. Diese Anforderungen lassen sich oft nur mit neuen Materialien verwirklichen. Hier setzte ein Team rund um Dr. Zaklina Burghard, Gruppenleiterin am Institut für Materialwissenschaft der Universität Stuttgart, an.

„Mikro- und Softrobotik benötigen Antriebselemente, damit robotische Systeme greifen oder sich bewegen können“, sagt Burghard. „Wir haben nicht nur ein Material entwickelt, das sich dafür eignet, sondern eine Technologieplattform, um dünne funktionale Schichten innerhalb von Sekunden in dreidimensionale Mikrorollen zu verwandeln. Diese Mikrorollen dienen dann als Antriebselement.“ Die nun vorgestellte Technologieplattform baut auf einer langjährigen Forschungslinie von Burghard im Bereich bioinspirierter keramischer Materialsysteme auf.

Inspiriert von der eleganten Rollbewegung der Saugrüssel von Schmetterlingen und der kompakten Schneckenform des aufgerollten Rüssels entwickelten die Forschenden dünne Keramikschichten aus Vanadiumpentoxid, in die sie magnetische Nanopartikel eines Eisenoxids einlagerten. Diese wandelten sie mithilfe eines einfachen mechanischen Prozesses in dreidimensionale Mikrorollen um.

Mit einer feinen Rasierklinge werden die Schichten kontrolliert vom Träger abgelöst. Die Rasierklinge übernimmt dabei eine ähnliche Funktion wie ein Hobel: Sie biegt die Schicht kontinuierlich, sodass sie sich innerhalb weniger Sekunden zu einer Mikrorolle aufwickelt. Nähert sich der aufgerollten Schicht ein Magnet, entrollt sie sich wieder sekundenschnell.

Anders als von konventionellen Keramiken gewohnt, sind dünne Keramikschichten nicht spröde, sondern elastisch. Möglich wird dies durch das bioinspirierte Design der keramischen Nano- und Mikrostruktur. Ihre hierarchische Architektur verleiht dem Material eine außergewöhnliche Flexibilität, ohne seine Stabilität zu verlieren.

Mikrorollen bewegen das 30-fache ihres Gewichts

Die Forschenden haben wenige Mikrometer breite Rollen hergestellt, die aufgewickelt nur einige hundert Mikrometer Durchmesser haben. Abgerollt sind sie bis zu 25 mm lang. In Experimenten erweisen sich die Rollen als sehr widerstandsfähig: Selbst nach 5.000 Zyklen funktionieren sie noch tadellos. Die keramischen Mikrorollen sind in der Lage, mehr als das 30-Fache ihres eigenen Gewichts zu bewegen. „Wir können die Mikrorollen auch flächig als programmierbare Matrix anordnen. Dann arbeiten mehrere Rollen simultan und koordiniert zusammen, um zum Beispiel das Anheben, Verschieben oder Bearbeiten eines Mikroobjekts möglich zu machen“, sagt Burghard.

Vanadiumpentoxid verwendete das Forschungsteam, weil es seit vielen Jahren einen Schwerpunkt von Burgards Forschungsarbeiten bildet und damit eine ideale Grundlage für die Entwicklung der neuen Technologieplattform bot.

„Der Antrieb ist für mich nur der Anfang“, sagt Burghard. „Die eigentliche Innovation ist die Technologieplattform. Wir wollen mit ihr künftig sowohl organische als auch anorganische magnetisch steuerbare Mikrorollen aus dünnen Schichten herstellen.“ Neben der Robotik wären solche programmierbaren Mikrosysteme auch für Elektronik, Sensorik, Energiespeicher und weitere multifunktionelle Mikrosysteme für verschiedene Anwendungsfälle interessant.

Die Natur als Inspirationsquelle für neue Materialien

Die Forschungsarbeiten an den Mikrorollen begannen im Rahmen eines DFG- Forschungsprojekts unter der Leitung von Burghard. In diesem Rahmen entstand 2023 die Masterarbeit von Semi Kim, deren experimentelle Ergebnisse die Grundlage der nun veröffentlichten Studie bildeten. Anschließend wurde der Ansatz vom Forschungsteam umfassend weiterentwickelt.

Angesiedelt ist die Forschung in der Abteilung „Bioinspirierte Materialien“ des Instituts für Materialwissenschaften. „In unserer Abteilung verbinden wir Natur als Inspirationsquelle mit moderner Materialwissenschaft. Unsere Studierenden lernen, wie auf Basis physikalischer und chemischer Grundlagen durch Materialdesign, Fertigung und computergestützte Modellierung neuartige funktionelle Materialsysteme entstehen. Genau dieser interdisziplinäre Ansatz spiegelt sich auch in unserer Forschung wider. Unsere Arbeit verbindet bioinspirierte Konzepte, keramische Nanomaterialien, magnetische Funktionalität, Mechanik und Fertigung zu einer neuen Plattform für programmierbare Mikrosysteme“, sagt Burghard.

Semi Kim, Shravan R. Kousik, Petia Atanasova, et al.; "Mechanically Assisted Magnetic Actuation in Ceramic‐Based Microscrolls for Fast and Durable Soft Robotic Systems"; Advanced Materials, 2026-8-8

Weitere News aus dem Ressort Wissenschaft

Winzige Falten in Graphen verändern elektrische Eigenschaften

Ein Energiespeicher, der für das Recycling konzipiert ist

Schritt in Richtung nachhaltigere Elektronik: Kompakter, wiederaufladbarer Superkondensator lässt sich zerlegen und wiederverwenden

Wie Zementwerke der Atmosphäre CO₂ entziehen können

Neue Lebenszyklusanalyse zeigt, wie Kalzium-Looping-DAC die Klimawirkung der Zementproduktion um 78 Prozent senken kann

Laserspektroskopie bringt versteckte Kerneigenschaften in Fermium zum Vorschein

Hochpräzise Vermessungen des Fermium-255-Kerns bestätigen moderne Kernmodelle und begünstigen weitere Suche nach superschweren Elementen

Wissenschaftler verwandeln einen der weltweit am meisten verhassten Kunststoffe in ein Premium-Schmiermittel

Sie entdecken etwas, das weitaus vielversprechender ist als eine Recyclingmethode

Trocknung mit überhitztem Wasserdampf – strombasiert und energieeffizient

Heißdampftrocknungsverfahren spart deutlich Energie und vermeidet den Einsatz von Erdgas

Neues Kathodenmaterial bringt wässrige Zink-Ionen-Batterien der Realisierbarkeit näher

Forscher nutzen Kugelmahlen als kostengünstige Methode, um Sauerstoffdefekte in elektrolytischem MnO₂ zu erzeugen

Wie CO₂-Bilanzierungsregeln Anreize für klimafreundlichen Wasserstoff beeinflussen

Wissenschaftler der Heriot-Watt-Universität und Start-up Take Root Bio finden neue Verwendungsmöglichkeit für salzige Käsemolke

Dem Schneckenschleim auf der Spur

Entdeckung könnte die Entwicklung umweltfreundlicher Klebstoffe, funktioneller Beschichtungen und medizinischer Materialien voranbringen

Nach dem Vorbild der Zelle: Bayreuther Forscher bauen synthetische Fasern, die sich selbst schützen

Bayreuther Chemiker nutzen einen zinkhaltigen Komplex, der ab 32 °C reversibel zu mikrometergroßen Strukturen aggregiert

HZDR-Team trennt erstmals Wasserstoff-Isotopengemisch durch Quanteneffekte

Ultraschnelle Röntgenblitze heilen die Schäden, die sie verursachen

Stimulierte Emission drückt Elektronen zurück in ihren Ausgangszustand – noch während die Bestrahlung läuft

Wie magnetische Nanopartikel Ewigkeitschemikalien aus Wasser entfernen

Zufällig gemischte Atome in Reih und Glied für nachhaltige Katalyse

Licht formen wie nie zuvor – mit photonischen Zeitkristallen

Experimenteller Durchbruch ebnet Weg zur ultraschnellen Kontrolle von Licht im Terahertzbereich

Zwei Attosekundenblitze machen Elektronenbewegung sichtbar

Forschende beobachten chemische Veränderungen Atom für Atom

Studie liefert Ansatz für die Echtzeit-Beobachtung elektronischer Dynamiken und Molekülschwingungen

Energiewende: Erst elektrifizieren – und für den Rest Methanol statt Wasserstoff

Holen Sie sich die Chemie-Branche in Ihren Posteingang

Mit dem Absenden des Formulars willigen Sie ein, dass Ihnen die LUMITOS AG den oder die oben ausgewählten Newsletter per E-Mail zusendet. Ihre Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Die Speicherung und Verarbeitung Ihrer Daten durch die LUMITOS AG erfolgt auf Basis unserer Datenschutzerklärung . LUMITOS darf Sie zum Zwecke der Werbung oder der Markt- und Meinungsforschung per E-Mail kontaktieren. Ihre Einwilligung können Sie jederzeit ohne Angabe von Gründen gegenüber der LUMITOS AG, Ernst-Augustin-Str. 2, 12489 Berlin oder per E-Mail unter widerruf@lumitos.com mit Wirkung für die Zukunft widerrufen. Zudem ist in jeder E-Mail ein Link zur Abbestellung des entsprechenden Newsletters enthalten.

Material gewinnt Wasser aus der Luft – und kühlt effizienter als heutige Systeme

Neue Lösungen für das PFAS-Problem

Forschungsteam entwickelt Methoden zum Abbau von Ewigkeitschemikalien

Effizienter Weg zur klimaneutralen Kraftstoffproduktion

INERATEC und Zeopore treiben Hydrocracking-Technologie der nächsten Generation für CO₂-neutrale Kraftstoffe und Chemikalien voran

Forschungserfolg auf dem Weg zum neuem Reserve-Antibiotikum

Chemikern ist erstmals die Synthese des hochwirksamen Naturstoffs Neosorangicin A gelungen

Neue Rohstoffbasis für die Chemieindustrie

Studie analysiert Forschungsbedarf auf dem Weg zur defossilisierten Grundstoffchemie

LANXESS befeuert erstmals Großanlage mit Wasserstoff

Vorteil Verbundstandort: Wasserstoff entsteht bei Covestro als Nebenprodukt in der Chlorelektrolyse

Sind Gasturbinen bereit für die Wasserstoffwirtschaft?

Ein internationales Forschungsteam zeigt, wie sich Wasserstoff bei erhöhten Temperaturen auf Superlegierungen auf Nickelbasis auswirkt

Gängiger Kunststoffzusatz macht dehnbare OLED-Displays heller und elastischer

Forschungsergebnisse zeigen, dass ein alltäglicher Weichmacher die Effizienz und Dehnbarkeit von lichtemittierenden Polymerfolien steigern kann

Das tragbare Pflaster vibriert, wenn es Gefahren in der Umgebung erkennt

Weitere News von unseren anderen Portalen

Jenseits von Antibiotika: ein neuer Ansatz zur Behandlung von Harnwegsinfektionen

Nach foodwatch-Abmahnung: Lidl und Tinema stoppen Greenwashing bei Lachs

Siegel ohne Substanz – Warum ASC und GGN Verbrauchern keine echte Garantie für nachhaltige Lachszucht geben

Akkordeon-Physik läutet eine neue Ära für die Lab-on-a-Chip-Technologie ein

Gerät bildet die Wellenformen des Blutflusses nach und eröffnet neue Möglichkeiten für die Erforschung von Gefäßerkrankungen und die Arzneimittelentwicklung

Starke Entzündungsreaktionen auf unbekannten immunologischen Regelkreis zurückzuführen

Erhöhte FGL-1-Spiegel korrelieren mit stärkerer Entzündung – der Signalweg könnte auch bei anderen Erkrankungen relevant sein

Nahrungsergänzungsmittel im Alter: Wann sie helfen und wann sie schaden

Verbraucherzentrale NRW warnt: Vitamin D kann bei Überdosierung Nierenschäden verursachen

Ein neuer Blick auf das Mikrobiom und seine Metaboliten

Zufallsentdeckung: Photosynthese ist mit nur einem Photosystem möglich

Eine LMU-Arbeitsgruppe um den Molekularbiologen Dario Leister bringt grundlegendes Lehrbuchwissen ins Wanken

MicroHarvest baut Europ