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title: "ver.di und Arbeitgeber vereinbaren Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel in Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Bremen; 5% in zwei Stufen"
sdDatePublished: "2026-08-15T11:34:00Z"
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ver.di und Arbeitgeber vereinbaren Tarifabschluss im Groß- und Außenhandel in Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hamburg, Niedersachsen und Bremen; 5% in zwei Stufen

Tarifrunde Handel 2026: Abschlüsse im Groß- und Außenhandel | ver.di

Tarifrunde Handel 2026: Abschlüsse im Groß- und Außenhandel

Im Groß- und Außenhandel haben sich ver.di und die Arbeitgeber nach Bayern auch in Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Hamburg und am 13. August auch in Niedersachsen und Bremen auf einen Tarifabschluss in der laufenden Tarifrunde geeinigt. Die Abschlüsse übernehmen in der Regel den bereits am 21. Juli im bayerischen Groß- und Außenhandel gefundenen Tarifabschluss. Die Entgelte steigen in beiden Tarifgebieten in zwei Stufen um insgesamt 5 Prozent, die Ausbildungsvergütungen werden überproportional erhöht.

In Niedersachsen und Bremen wird überproportional auch die unterste Einkommensgruppe auf 14,90 Euro pro Stunde angehoben. ver.di wertet die Einigungen im Groß- und Außenhandel auch als Signal für den Einzelhandel , insbesondere die Einigung in Niedersachsen und Bremen mit der stärkeren Erhöhung der Entgelte in der niedrigsten Entgeltgruppe.

Im Einzelhandel dauern die Tarifauseinandersetzungen an – allerdings aktuell nur Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Hessen, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen . In den Tarifgebieten Niedersachsen-Bremen, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Hamburg, Saarland, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin-Brandenburg haben die Arbeitgeber bereits vereinbarte Termine abgesagt.

Die Handelskonzerne haben bei Umsatz und Gewinn zugelegt – zuletzt 25 Milliarden Euro Gewinn im Einzelhandel, knapp 58 Milliarden im Groß- und Außenhandel. Wer solche Bilanzen vorlegen kann und dann die eigenen Beschäftigten kurz hält, fordert massiven Protest heraus.

— Silke Zimmer, zuständig für den Handel im ver.di-Bundesvorstand

Seit Mitte Mai 2026 ruft ver.di bundesweit zu Warnstreiks im Einzel- sowie Groß- und Außenhandel auf. Die werden sich jetzt ausweiten, nachdem die Arbeitgeber die Verhandlungen im Einzel- und Versandhandel in Bayern, Rheinland-Pfalz, Saarland und Berlin

Brandenburg einseitig abgesagt hatten. Die Arbeitgeber behaupten, der ver.di-Bundesvorstand hätte in Baden-Württemberg einen Abschluss verhindert. Tatsächlich reichte den gesamten Tarifgebieten der vorgelegte Vorschlag für einen Abschluss nicht.

Die Arbeitgeber spielen in dieser Tarifrunde erneut auf Zeit – daher werden wir jetzt den Druck noch einmal erhöhen.

In den zurückliegenden Wochen hatten sich die Arbeitskampfmaßnahmen bereits ausgeweitet: So legten am 19. Juni Beschäftigte in mehr als der Hälfte der deutschen IKEA -Einrichtungshäuser die Arbeit nieder, am 25. Juni folgten Beschäftigte aus mehr als 100 Kaufland-Filialen . Kaufland gehört zur Schwarz-Gruppe und beschäftigt allein in Deutschland mehr als 90.000 Menschen. ver.di wirft dem Unternehmen vor, als einflussreicher Akteur auf Arbeitgeberseite für das bisherige Tarifangebot mitverantwortlich zu sein.

„Dieter Schwarz ist mit Abstand der reichste Mensch in Deutschland. Seine Beschäftigten haben sein Milliardenvermögen durch ihren Fleiß mit erarbeitet – aber ihr eigener Lohn reicht oftmals nicht bis zum Monatsende“, sagte ver.di-Bundesvorstandsmitglied Silke Zimmer , zuständig für den Handel. „Bei diesem Konzern wird das Missverhältnis zwischen hohen Gewinnen und niedrigen Löhnen besonders deutlich: Es ist aus unserer Sicht nicht nachvollziehbar, weshalb Kaufland seine Beschäftigten nicht mit fairen Entgeltsteigerungen am Erfolg beteiligt.“

Auch IKEA spielt in der Tarifrunde auf der Arbeitgeberseite eine einflussreiche Rolle. IKEA steht wirtschaftlich sehr gut da. 2024 betrug der Gesamtumsatz allein in Deutschland 6,1 Milliarden, es war das zweitstärkste Jahr (nach 2023) seit Bestehen des Unternehmens. „Wer so stark aufgestellt ist, kann auch angemessene Entgeltsteigerungen finanzieren“, sagt Zimmer. Doch stattdessen wolle IKEA Personal abbauen und stößt damit auf großes Unverständnis bei den Beschäftigten . Im Kundenservicecenter Rostock verlieren vermeintlich betriebsbedingt 280 Kolleg*innen ihren Arbeitsplatz. Zudem schließe IKEA die IT-Abteilung in Dortmund, um sie auszulagern. „Der Umgang des Unternehmens mit seinen Beschäftigten zeugt kaum von sozialer Verantwortung“, so Zimmer. Statt faire Löhne zu zahlen, werde trotz Rekordumsätzen ein radikaler Sparkurs gefahren.

IKEA ist außerdem an der Arbeitgeberkommissionen beteiligt und stellt im Saarland die Verhandlungsführung. „Damit ist Ikea mitverantwortlich dafür, dass unseren Tarifkommissionen seit Mai das immer gleiche unverschämte Arbeitgeberangebot mit Nullmonaten und Reallohnverlust vorgelegt wird“, so Zimmer.

Wie es begann: Streikauftakt am 15. Mai

Bereits zum Streikauftakt am 15. Mai waren 5.000 Handelsbeschäftigte dem ersten Warnstreikaufruf im Handel gefolgt. Gestreikt wurde in Berlin-Brandenburg, Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Hessen und Hamburg – mit zentralen Kundgebungen in Hamburg, Stuttgart, Frankfurt und Dortmund. Bestreikt wurden über 200 Betriebe , darunter Filialen von Edeka, REWE, Kaufland, Penny, Douglas, Primark, Zara, H&M, Metro und IKEA. Ab 21. Mai folgten weitere regionale Streiks im Handel.

→ Alle aktuellen Verhandlungstermine und Ergebnisse: Tarifrunde Einzelhandel 2026 → Tarifrunde Groß- und Außenhandel 2026

Video Streikauftakt Handel Bayern am 21.5.26 in Nürnberg

ver.di fordert für die rund 5,2 Millionen Beschäftigten im Handel 7 Prozent mehr Lohn – tabellenwirksam und mit einer Laufzeit von zwölf Monaten . Einmalzahlungen lehnt die Gewerkschaft als Ersatz dafür ausdrücklich ab. Daneben drängt ver.di auf mehr Vollzeitstellen statt erzwungener Teilzeit, eine stärkere Tarifbindung im Handel sowie eine überproportionale Erhöhung der Ausbildungsvergütungen.

Kurz vor dem Start der Tarifrunden im Handel im April gab ver.di für die 16 Tarifgebiete des Einzelhandels und 20 Tarifgebiete des Groß- und Außenhandels die gemeinsame Orientierung bekannt. Verhandelt wird für 5,2 Millionen Beschäftigte im Einzel- sowie im Groß- und Außenhandel. Auf der Tarifkoordinierungskonferenz wurden gemeinsame Eckpunkte beschlossen.

„Die Vertreterinnen und Vertreter aller Tarifgebiete sind sich einig. Wir wollen eine deutliche Erhöhung der Realeinkommen über die gesamte Laufzeit des Tarifabschlusses erreichen. Dazu gehört eine Erhöhung, die deutlich über der Inflationsrate liegt “, so Silke Zimmer. Das gelte für die Löhne, Gehälter und Entgelte der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels sowie des Groß- und Außenhandels. Bei den Ausbildungsvergütungen werde ebenfalls eine überproportionale Erhöhung gefordert.

Tabellenwirksame Lohnsteigerungen seien kein Geschenk, sondern etwas, was den Kolleginnen und Kollegen zustehe, weil die Gewinne der Unternehmen nur durch ihre Arbeit möglich seien, so Zimmer weiter. Auch seien freiwillige steuer- und abgabenfreie Einmalzahlungen kein Ersatz für ein tabellenwirksames Entgelt. Sie würden zwar helfen, sie seien aber nicht nachhaltig. „Wir sind uns einig: Einmalzahlungen als Ersatz für tabellenwirksame Entgeltsteigerungen lehnen wir ab.“

Warum die Forderungen berechtigt sind

Besonders viele Handelsbeschäftigte arbeiten in Teilzeit: 65,1 Prozent im Einzelhandel und 27,6 Prozent im Großhandel. Zum Großteil machen sie das unfreiwillig, weil die Arbeitgeber kaum noch Vollzeitstellen ausschreiben. „Umso härter treffen Preissteigerungen, wie zuletzt bei Benzin und Diesel, die Handelsbeschäftigten“, betont Silke Zimmer. Während die Unternehmen Millionengewinne machten, müssten die Beschäftigten jeden Cent zweimal umdrehen. Damit müsse Schluss sein.

Zentral ist für die Beschäftigten der Anschluss an die Löhne anderer Branchen. Der Bruttodurchschnittsverdienst im Einzelhandel liegt deutlich unter dem Durchschnitt der Gesamtwirtschaft . Besonders alarmierend: Ein großer Teil der Beschäftigten ist akut von Altersarmut bedroht . Niedrige Löhne, unfreiwillige Teilzeit und fehlende Tarifbindung verstärken dieses Risiko zusätzlich.

Silke Zimmer kritisiert zudem die öffentliche Abwertung von Teilzeitbeschäftigten:

Teilzeit wird als ‚Lifestyle-Teilzeit‘ diffamiert – dabei wissen die Beschäftigten im Handel nur zu gut: Teilzeit ist dort meist erzwungen. Die Folgen sind niedrige Einkommen und entsprechend niedrige Renten.

Frauen, die im Handel arbeiten, sind strukturell besonders von niedrigen Einkommen betroffen. Bis zum Equal Pay Day, dieses Jahr am 17. Februar, müssen Frauen rechnerisch weiterarbeiten, um auf das Vorjahresgehalt ihrer männlichen Kollegen zu kommen. 16 Prozent Lohnlücke – das sind 4,24 Euro weniger pro Stunde. Bei einer 40-Stunden-Woche summiert sich das auf rund 8.000 Euro im Jahr.

Besonders alarmierend: Rund 80 Prozent aller Handelsbeschäftigten erreichen keine Bruttomonatsrente von 1.400 Euro. Niedrige Löhne heute bedeuten Altersarmut morgen.

Frauen verdienen vor allem deshalb weniger, weil sie weniger arbeiten: 81 Cent pro Stunde erhalten Frauen weniger, weil sie häufiger in Teilzeit arbeiten. Und das nicht, weil sie das wollen, sondern weil sie neben der Arbeit noch den Großteil der unbezahlten Care-Arbeit leisten. Sie kümmern sich um die Kinder und um pflegebedürftige Angehörige.

Leben vom Lohn? Für viele im Handel kaum möglich

„Arbeiten im Handel ist Knochenarbeit“, stellt Zimmer klar. Doch ein Einkommen, von dem die Beschäftigten leben können, sei aktuell für viele nicht gegeben.

Die Realität sieht so aus:

Rund 70 Prozent des Einkommens gehen für Miete, Lebensmittel und Energie drauf

Nach Abzug der Fixkosten bleibt kaum freiverfügbares Einkommen

Geld für Bildung, Gesundheit, Rücklagen oder Altersvorsorge fehlt häufig vollständig

ver.di fordert deshalb deutlich steigende Löhne , um echte finanzielle Spielräume zu schaffen.

Mehr Vollzeit, weniger Minijobs – ver.di fordert Kurswechsel

Obwohl der Handel zu den expandierenden Branchen gehört, dominiert ein gegenteiliger Trend: Immer mehr Teilzeit- und Minijobs statt sicherer Vollzeitstellen prägen die Beschäftigtenstruktur.

Knapp 40 Prozent der Beschäftigten im Einzelhandel arbeiten in Teilzeit

Über 17 Prozent sind ausschließlich geringfügig beschäftigt

Weitere 9 Prozent arbeiten als Nebenjobberinnen und Nebenjobber

ver.di drängt deshalb auf mehr Vollzeitbeschäftigung , um Einkommen, soziale Sicherheit und Rentenansprüche nachhaltig zu verbessern.

Ein zentrales Problem bleibt außerdem die geringe Tarifbindung im Handel. „ Weit über 80 Prozent der Handelsbetriebe wenden keinen Tarifvertrag an “, kritisiert Zimmer. Das sei unhaltbar, denn nur Tariflöhne sind existenzsichernd . Von den Arbeitgebern erwartet ver.di ein klares Bekenntnis zur Tarifbindung.

Wirtschaftliche Eckdaten: Milliardenumsätze, niedrige Löhne

Der Blick auf die Zahlen zeigt die Schieflage deutlich:

Gesamtumsatz Handel 2025: 2,17 Billionen Euro Gesamtumsatz (vorläufige Zahlen Destatis für 2025)

Gesamtumsatz 2024: ca. 2,1 Billionen Euro 823 Milliarden Euro Einzelhandel 1,35 Billionen Euro Groß- und Außenhande

1,35 Billionen Euro Groß- und Außenhande

Reiner Gewinn 2024: 82,9 Milliarden Euro reiner Gewinn — davon 25 Milliarden Euro im Einzelhandel und 57,9 Milliarden Euro im Groß- und Außenhandel

Demgegenüber stehen vergleichsweise niedrige Einkommen:

Einzelhandel: ca. 3.219 Euro brutto ab dem 6. Berufsjahr

Groß- und Außenhandel: ca. 3.394 Euro brutto ab dem 7. Tätigkeitsjahr

FAQ zur Tarifrunde Handel 2026

Wann startet die Tarifrunde im Handel?

Der Auftakt ist erfolgt, die Tarifverhandlungen beginnen ab April 2026 .

Für wen gilt die Tarifrunde?

Für rund 5,2 Millionen Beschäftigte im Einzel-, Versand- sowie im Groß- und Außenhandel.

Deutlich höhere Löhne über der Inflation, bessere Arbeitsbedingungen, mehr Vollzeitstellen und eine stärkere Tarifbindung.

Warum sind höhere Löhne im Handel notwendig?

Weil viele Beschäftigte trotz Voll- oder Teilzeitarbeit kaum über die Runden kommen und ein Großteil des Einkommens für Grundkosten aufgewendet wird.

Welche Rolle spielt Teilzeit im Handel?

Teilzeit ist häufig nicht freiwillig, sondern strukturell bedingt – mi