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title: "Bele Schneider und Hans Dischner, Ausstellung über 1951er Umsiedlung in Velburg; 1.162 Menschen umgesiedelt, Inventar verstreut"
sdDatePublished: "2026-08-16T11:20:00Z"
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Bele Schneider und Hans Dischner, Ausstellung über 1951er Umsiedlung in Velburg; 1.162 Menschen umgesiedelt, Inventar verstreut

Bistum Eichstätt: Als aus Dörfern Niemandsland wurde

Als aus Dörfern Niemandsland wurde

Velburg - Haus, Hof und Heimat verlassen und anderswo neu anfangen: Menschen, deren Dörfer Stauseen oder Talsperren im Weg waren, mussten das schon erleben. Besonders dramatisch und innerhalb kürzester Zeit verlief eine Umsiedlung, von der im Herbst 1951 viele Familien im Grenzgebiet zwischen den Diözesen Eichstätt und Regensburg betroffen waren. Nicht weil dort eine gigantische Baumaßnahme angestanden wäre, sondern weil die Weltpolitik die Karten mischte, weil man die Forderung der US-Streitkräfte nach einem Truppenübungsplatz in Süddeutschland erfüllte. Die Nachricht, die den Leuten buchstäblich den Boden unter den Füßen wegzog, kam mitten in der Erntezeit, am 13. August. Drei Monate später, zum Stichtag 15. November, hatten 1.162 Menschen Abschied genommen, lagen Hunderte Bauernanwesen brach, waren Dutzende Kirchen dem Verfall preisgegeben. 75 Jahre später lässt eine Ausstellung in Velburg die Erinnerung wieder aufleben und geht dabei auch der Frage nach dem Verbleib des Kircheninventars nach.

„Wo ist das alles hin?“, diese Frage habe sie schon lange beschäftigt, sagt Bele Schneider, die Heimatpflegerin der Stadt Velburg. Mit Archivpfleger Hans Dischner hat sie die Ausstellung zwei Jahre lang vorbereitet. Beide sind im Ruhestand und üben ihre Posten im Ehrenamt aus. Schneider, die lang als Ausstatterin in der Filmbranche tätig war, hat Kunst studiert und Kirchenmalerei gelernt. Für die aktuelle Ausstellung leistete ihr ein Nachschlagewerk von 1906 gute Dienste: die „Kunstdenkmäler von Bayern“, in denen auch das Inventar der Kirchen auf dem Gebiet des späteren Truppenübungsplatzes Hohenfels gelistet ist.

Der überwiegende Teil davon liegt im Einzugsgebiet des Bistums Regensburg. Dort habe man konsequent aufgelistet, was mit dem Inventar der aufgelösten Kirchen geschah, hat Schneider festgestellt, „jeder einzelne Chorrock ist da dokumentiert“. Dazu muss man wissen, dass auf Regensburger Diözesangebiet bereits vor dem Krieg Kirchen aufgegeben werden mussten. Denn der Truppenübungsplatz Hohenfels war schon 1938 als Übungsplatz für das Heer des Deutschen Reichs geschaffen worden. Nach der Kapitulation wurde er Standort eines Sammellagers für ehemalige Fremdarbeiter („displaced persons“) und bald zur Wiederbesiedlung freigegeben. Doch schon 1951 hieß es erneut Abschied nehmen. Überdies wurde das militärische Sperrgebiet im Zuge der sogenannten Westerweiterung nochmals um ein Drittel vergrößert, in Richtung Velburg und damit in Eichstätter Bistumsgebiet. Nun musste es schnell gehen mit dem Ausräumen der Kirchen. Zum Teil seien Gegenstände in der Pflegeanstalt Karlshof bei Lauterhofen eingelagert worden, zum Teil auch in der kaum genutzten Wallfahrtskirche St. Wolfgang bei Velburg, berichtet Schneider. „Irgendwann ist St. Wolfgang dann saniert worden.“ Das Inventar musste weiterziehen. Wohin, das zeigt die Ausstellung zum Beispiel anhand der Pfarrkirche St. Maria und Lucia sowie der Schlosskapelle St. Ottilie im einstigen Pfarrdorf Lutzmannstein. So ging der Hochaltar ohne Altarbild 1953 als Leihgabe nach Breitenbrunn, die Kanzel nach Allersberg. Der letzte Pfarrer von Lutzmannstein, Joseph Schneid, nahm ein historisches Messgewand nach Hainsberg mit. Als er Pfarrer von Möning wurde, erbat er sich eine Sebastians-Statue aus der Schlosskapelle. Vom Eichstätter Diözesanmuseum bekam Schneider die Auskunft, dass auch dort Skulpturen Lutzmannsteiner Herkunft zu finden seien.

„Es waren viele gotische Sachen dabei“, weiß Schneider. Am Karlshof werde zum Beispiel die wertvolle „Lutzmannsteiner Madonna“ aufbewahrt, die bei einigen Ehemaligentreffen vorübergehend an ihren alten Platz gebracht wurde. Heimattreffen fanden bereits kurz nach der Aussiedlung statt und natürlich begegnet man in der Ausstellung auch dem Priester, dem dies ein ganz besonderes Herzensanliegen war: Hans Eichenseer, langjähriger Pfarrer von Ingolstadt-St. Canisius, geboren in Krumpenwinn, Pfarrei Lutzmannstein. 1963übernahm er von seinem verstorbenen Vater die Aufgabe, die Treffen zu organisieren, und tat dies bis zu seinem Tod 2012.

Wehmütig stimmt eine Ausstellungstafel, die eigentlich einen freudigen Tag in Lutzmannstein im Mai 1950 zeigt: Bischof Dr. Joseph Schröffer war eigens in den Ort gekommen, um einen Kreuzweg einzuweihen, mit dem sich ein Herzenswunsch der Gläubigen erfüllte. Nur eineinhalb Jahre später gingen diese schweren Herzens und erneut in Begleitung des Bischofs ein letztes Mal den Kreuzweg hinauf. Die steinernen Stelen stehen heute am Habsberg.

Dank gleich zweier Glücksfälle gelangte das Organisatorenduo an viele historische Originalfotos. So überließ ihnen der frühere Forstdirektor im Truppenübungsplatz, Eckehart Griesbach, kartonweise Bildmaterial. Darüber hinaus entdeckte Schneider bei Aufräumarbeiten auf dem Dachboden des Rathauses den bis dahin unbeachteten Nachlass des 1993 verstorbenen Ferdinand Jungwirth. „Das war ein Privatmann, der hervorragend fotografiert hat“, berichtet Hans Dischner. „Er ist damals bewusst vor der Ablösung mit seinem Moped nochmal durch den Truppenübungsplatz gefahren und hat alles dokumentiert.“

Einige Zeitzeugen gebe es noch, berichten Schneider und Dischner etwa von einer Frau, die im Herbst 1951 den „Holzrausch“ miterlebte: Chaotische Wochen, in denen die Bauern fieberhaft versuchten, ihre Wälder zu Geld zu machen, in denen gewiefte Holzkäufer aus dem ganzen Land auftauchten und Holztransporter die Straßen verstopften. Die Landwirte suchten derweil schon nach neuen Hofstellen. Die Ablösesummen, die sie bekamen, fielen bescheiden aus. Standen doch die oft einfachen, alten Gebäude in einer von Wasserarmut geplagten Gegend mit kargen Böden. Und doch war es für die, die gehen mussten, nicht weniger als die Heimat.

Die Ausstellung ist am Samstag, 5. September (14–18 Uhr) und Sonntag, 6. September (11–18 Uhr), im Kulturzentrum Wieserstadl & Neuhaussaal in Velburg zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Redakteurin in der Stabsstelle Kommunikation