ElCom empfiehlt ab 2030 dauerleistungsfähige Reserven von mindestens 500 MW in der Schweiz; Kosten bis 2045 ca. 4 Mrd CHF.

Teure Stromreserve wegen ungenügender Winterversorgung | eco

Teure Stromreserve wegen ungenügender Winterversorgung

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Bis 2045 dürften Stromreserven rund 4 Milliarden Franken kosten, weil die reguläre Winterversorgung nicht ausreichend gesichert ist.

Die Reserve ist angesichts möglicher Schäden einer Strommangellage wirtschaftlich nachvollziehbar, löst das strukturelle Versorgungsproblem aber nicht.

Der Reservebedarf steigt, während winterwirksame Produktion zu langsam wächst.

Die Schweiz bezahlt immer mehr für einen Rettungsring im Stromsystem. Bis 2045 dürften Wasserreserven, Reservekraftwerke, Notstromgruppen und Verbrauchsreserven kumuliert mindestens rund 4 Milliarden Franken kosten. Diese Mittel fliessen nicht in die zusätzliche Normalproduktion, sondern in eine Absicherung für den Krisenfall. Nötig wird sie, weil die reguläre Versorgung im Winter nicht ausreichend gesichert ist: Nach der absehbaren Abschaltung vom KKW Beznau 2033, dem langsamen Ausbau winterwirksamer Erneuerbarer und unsicheren Importmöglichkeiten, empfiehlt die ElCom ab 2030 dauerleistungsfähige Reserven von mindestens 500 Megawatt , nach 2035 sogar 700 bis 1400 Megawatt .

Die Kosten tragen Haushalte und Unternehmen über den Tarif Stromreserve. Für Haushalte entspricht dies je nach Tarif rund 10 bis 30 Franken pro Jahr, für einen industriellen Grossbetrieb mit 20 GWh Verbrauch etwa 50’000 bis 150’000 Franken. Wirtschaftlich ist diese Versicherungsprämie nachvollziehbar: Bei potenziellen Schäden einer Strommangellage von rund 84 Milliarden Franken und jährlichen Reservekosten von etwa 200 Millionen Franken müsste die Eintrittswahrscheinlichkeit nur bei rund 0.2 Prozent liegen, damit sich die Reserve rechtfertigt. Schätzungen des Bundesamts für Bevölkerungsschutz liegen deutlich höher. Trotzdem schützt die Reserve Unternehmen nicht vollständig vor Kontingentierungen. Und das Geld wäre in regulärer Stromproduktion für den Winter nachhaltiger und besser investiert.

Je länger gesicherte Produktionskapazitäten fehlen, desto teurer wird die Vorhaltung von Reserven. Gleichzeitig ist nicht jede Reserveform gleichwertig. Notstromgruppen können kurzfristig helfen, sind aber wegen Wartung, Brennstoffbedarf, Luftreinhaltevorschriften und deutlich höheren CO 2 -Emissionen nicht für längere Einsätze ausgelegt. Reservekraftwerke können dagegen über Wochen produzieren und liefern pro installierter Einheit deutlich mehr Strom.

Trotz starkem Ausbau der erneuerbaren Kapazitäten stagniert die Winterproduktion seit Jahren. Solarstrom hilft vor allem im Frühling und Herbst. In der kalten Jahreszeit bleibt der Zubau winterwirksamer Produktion zu schwach. Windenergie, zusätzliche Wasserkraftprojekte und alpine Solaranlagen kommen langsamer voran als nötig. Importe können entlasten, bleiben ohne Stromabkommen mit der EU aber unsicher. Wer Versorgungssicherheit langfristig gewährleisten und den Bedarf an immer neuen Reserven reduzieren will, muss deshalb rasch in winterwirksame, gesicherte Kapazitäten investieren – und dabei auch die Option Kernkraft für die Zukunft offenhalten.

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