HIV-positive Menschen und Unterstützer demonstrieren in Magdeburg; Weltweit Millionen Menschen betroffen durch Kürzungen.
Magdeburg: HIV-positive Menschen demonstrieren für eine solidarische Gesellschaft | Deutsche Aidshilfe
„Gesundheit ist ein Menschenrecht, Solidarität rettet Leben!“ – Kundgebung der Konferenz „ Positive Begegnungen" gegen Spaltung und Rechtsruck, für Zugang zu medizinischer Versorgung aller Menschen mit HIV
Rund 300 Menschen mit HIV und Unterstützer*innen haben heute Vormittag in der Magdeburger Innenstadt gegen Diskriminierung und für eine solidarische Gesellschaft demonstriert. Unter dem Motto „Menschen mit HIV gegen rechts – grenzenlos und solidarisch!“ formulierten sie ihre Botschaft für Menschenrechte und gegen Ausgrenzung bewusst mit Bezug auf die bevorstehenden Wahlen in Sachsen-Anhalt. Zugleich protestierten sie gegen die massiven Kürzungen bei globalen Maßnahmen gegen HIV, die zurzeit die Versorgung von Millionen Menschen weltweit beschädigen und gefährden. Die Demonstration war Teil der Selbsthilfekonferenz „Positive Begegnungen“, die noch bis Sonntag in der Otto-von-Guericke-Universität stattfindet.
„Wir stehen auf gegen den Rechtsruck“
„Menschen mit HIV gehören überwiegend Minderheiten an, die immer stärkeren Anfeindungen ausgesetzt sind. Menschenfeindlichkeit und Diskriminierung betreffen Menschen mit HIV in besonderem Maße. Angesichts der aktuellen politischen Entwicklungen sind wir tief besorgt. Deswegen haben wir heute in Magdeburg für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft demonstriert“, sagt Ulf Kristal, Mitglied im Vorstand der Deutschen Aidshilfe und selbst HIV-positiv.
„Wir stehen hier alle zusammen: Menschen, die diskriminiert und stigmatisiert werden, aufgrund von HIV und anderen Merkmalen. Wir stehen auf gegen alle, die sich aktuell entsolidarisieren, Rassismus und anderen Hass verbreiten und die Spaltung und den Rechtsruck dieser Gesellschaft vorantreiben“, sagte Silke Klumb, Geschäftsführerin der Deutschen Aidshilfe, auf der Demonstration.
Medizinische Versorgung ist ein Menschenrecht
Klumb weiter: „Wir können uns nicht zurücklehnen, bis nicht alle Menschen auf dieser Welt Zugang zu Medikamenten haben. Hier bei uns in Deutschland darf medizinische Versorgung nicht abhängig sein vom Aufenthaltsstatus oder Krankenversicherungen. Gesundheit ist ein Menschenrecht! Solidarität rettet Leben!“
Valeri i a Rach yi nska ya , HIV-Aktivistin und Menschenrechtsdirektorin des Ukrainischen Netzwerks von Menschen mit HIV „100%LIVE“, erklärte auf der Demonstration:
„In der Ukraine verteidigen wir uns gegen Russland und schützen so Demokratie, Menschenrechte, LGBTQI-Rechte, das Recht aller Menschen ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und zu leben, wie sie es möchten. Deutschland hat Solidarität gezeigt. Wir wollen heute auch Deutschland helfen ,: die deutsche Demokratie und die Menschenrechte in Deutschland zu schützen. Gemeinsam kämpfen wir für LGBTQI-Rechte und für Menschen, die mit HIV leben.“
Halt an bedeutsamen Orten Magdeburgs
Neben der Kundgebung macht der Demonstrationszug Halt an Stationen mit besonderer Bedeutung für Demokratie und Emanzipation. Dazu zählten der Magdeburger Landtag und das so genannte Braune Haus, das sowohl ein Symbol der Demokratie als auch ein Ort nationalsozialistischer Unterdrückung war. Außerdem passierte die Demonstration den Ort, an dem Dr. Magnus Hirschfeld, Vorreiter der queeren Bewegung in Deutschland vor mehr als 100 Jahren, seine erste Praxis hatte. Auch sein späteres Institut für Sexualwissenschaft wurde von den Nazis zerstört, seine Bücher und eine Büste ihres Autors verbrannten die Nazis.
Mit Blick auf Vorurteile gegenüber HIV-positiven Menschen heute und aktuelle Verleugnung wissenschaftlicher Erkenntnisse von ganz rechts erinnerte Matthias Kuske als Sprecher der Demonstration an einen Grundpfeiler Hirschfeldschen Denkens: Wissen schafft Gerechtigkeit.
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