Maxi Tix erläutert die Empfehlungen der 66. Session für Young Olympic Ambassadors in Olympia; internationaler Beteiligungsprozess zur Motto-Entwicklung

Zukunftsvisionen für den Sport

Maxi Tix, Teilnehmerin der diesjährigen YOA-Session in Olympia und Sprecherin im Vorstand der Sportjugend NRW, erläutert die Empfehlungen der 66. Session für Young Olympic Ambassadors.

Seit Jahrzehnten gilt die Session für Young Olympic Ambassadors (YOA) an der Internationalen Olympischen Akademie (IOA) als eines der wichtigsten Austauschformate der Olympischen Bewegung. Vom 6. bis 18. Juni 2026 kamen erneut junge Vertreter*innen aus aller Welt in Olympia zusammen, um aktuelle Herausforderungen des organisierten Sports zu diskutieren und gemeinsame Handlungsempfehlungen zu entwickeln.

Den Kern bildeten dabei intensive Diskussionen in englisch- und französischsprachigen Arbeitsgruppen, deren Ergebnisse dem Internationalen Olympischen Komitee (IOC) zur Verfügung gestellt werden. Maxi Tix, die mit Jonathan Ellies für Deutschland zur Session reiste, berichtet von ihrer „Working Group“ – und den für sie persönlich prägenden Inhalten.

Ein Spiegelbild der internationalen Sportgemeinschaft

Meine Arbeitsgruppe bestand aus 14 Teilnehmenden aus ebenso vielen Nationen und spiegelte damit den internationalen Charakter der IOA-Veranstaltung eindrucksvoll wider.

Die olympischen Werte müssen nicht nur bei den Olympischen Spielen sichtbar sein, sondern den Sport auf allen Ebenen – von Kinder- und Jugend- bis Spitzensport – prägen. Maxi Tix Teilnehmerin der 66. Session für Young Olympic Ambassadors

Die olympischen Werte müssen nicht nur bei den Olympischen Spielen sichtbar sein, sondern den Sport auf allen Ebenen – von Kinder- und Jugend- bis Spitzensport – prägen.

Mit Gleichgesinnten der Amerikanischen Jungferninseln, aus Bahrain, Eswatini, Griechenland, Jordanien, Kanada, Lettland, Malta, Norwegen, Spanien, Südkorea, Taiwan und Uruguay setze ich mich mit vier Fragestellungen auseinander, die unterschiedliche Bereiche der Olympischen Bewegung beleuchteten. Trotz ihrer thematischen Vielfalt verband sie eine gemeinsame Erkenntnis: Die olympischen Werte müssen nicht nur bei den Olympischen Spielen sichtbar sein, sondern den Sport auf allen Ebenen – von Kinder- und Jugend- bis Spitzensport – prägen.

Olympische Werte im Wandel Exzellenz, Freundschaft und Respekt bilden seit jeher das Fundament der Olympischen Idee. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob das Olympische Motto „Schneller, höher, stärker – gemeinsam“ den Herausforderungen der heutigen Zeit noch ausreichend gerecht wird.

Integrität, Inklusion und das Wohlergehen von Athlet*innen gewinnen zunehmend an Bedeutung und sollten künftig noch stärker sichtbar werden. Anstatt einen konkreten neuen Leitspruch vorzuschlagen, entstand die Idee eines internationalen Beteiligungsprozesses, an dem sowohl die Young Olympic Ambassadors als auch die IOC Athletes’ Commission mitwirken. Ein gemeinsam entworfenes Motto könnte den ursprünglichen Gedanken des Olympismus zeitgemäß weiterentwickeln und gleichzeitig seine grundlegenden Werte stärker in den Mittelpunkt rücken.

Inklusion und Integration weiterdenken Die Vision gemeinsamer Olympischer und Paralympischer Spiele verdeutlicht, wie eng sportliche Höchstleistung und gesellschaftliche Teilhabe miteinander verbunden sind. Eine stärkere Zusammenführung beider Bewegungen könnte die Sichtbarkeit des paralympischen Sports erhöhen und ein kraftvolles Zeichen für Inklusion setzen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass Gleichberechtigung nicht zwangsläufig Gleichbehandlung bedeutet. Die gewachsene Identität des paralympischen Sports sowie organisatorische Herausforderungen müssen bei allen Überlegungen berücksichtigt werden. Die Zukunft liegt daher weniger in einer schnellen Fusion als vielmehr in einer engeren Zusammenarbeit.

Kinder- und Jugendsport als Fundament Die olympischen Werte entstehen nicht erst im Spitzensport, sondern bereits im Kindesalter. Hohe Erwartungen von Eltern können dazu führen, dass Freude, Selbstbestimmung und persönliche Entwicklung hinter Leistungsdruck und Erfolgsdenken zurücktreten. Sport sollte Kindern die Möglichkeit geben, Freundschaften zu schließen, Selbstvertrauen zu entwickeln und eigene Ziele zu verfolgen.

Um Eltern in dieser Rolle besser zu unterstützen, wurde ein verpflichtendes Bildungsangebot angeregt, das olympische Werte vermittelt und zeigt, wie Kinder auf ihrem sportlichen Weg positiv begleitet werden können.

Vielseitigkeit als Schlüssel für langfristige Entwicklung Auch die Diskussion um frühe Spezialisierung machte deutlich, dass die nachhaltige sportliche Entwicklung weit mehr umfasst als den kurzfristigen Erfolg in einer einzelnen Disziplin. Wer in jungen Jahren unterschiedliche Sportarten kennenlernt, entwickelt nicht nur vielfältige motorische Fähigkeiten, sondern stärkt auch soziale Kompetenzen, Selbstvertrauen und die Freude an lebenslanger Bewegung.

Gleichzeitig lassen sich Risiken wie Überlastung, Verletzungen oder Burnout reduzieren. Eine ganzheitliche Athlet*innen-Entwicklung beginnt daher mit vielseitigen Bewegungserfahrungen und ist eine gemeinsame Aufgabe von Bildungseinrichtungen und Sportorganisationen und Familien.

Neben den inhaltlichen Ergebnissen war vor allem der internationale Austausch ein prägendes Element der Session. Unterschiedliche kulturelle Hintergründe, Erfahrungen und Perspektiven führten zu lebhaften Diskussionen und machten deutlich, dass viele Herausforderungen des Sports weltweit ähnlich wahrgenommen werden. Gerade diese Vielfalt ermöglichte es, Lösungsansätze gemeinsam weiterzuentwickeln und voneinander zu lernen.

Die Arbeit in den Fokusgruppen zeigte eindrucksvoll, dass die Olympische Bewegung auch künftig auf Dialog, Bildung und internationale Zusammenarbeit angewiesen ist. Die Empfehlungen verstehen sich als Impulse für die Weiterentwicklung des Sports – mit dem gemeinsamen Ziel, die olympischen Werte aktiv in die Zukunft zu tragen.