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title: "DFB schult Lehrkräfte in Deutschland; über 5.000 Lehrkräfte geschult."
sdDatePublished: "2026-08-17T11:21:00Z"
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DFB schult Lehrkräfte in Deutschland; über 5.000 Lehrkräfte geschult.

„Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung“

„Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung“

Das „Jahr der Schule“ des Deutschen Fußball-Bundes neigt sich im September dem Ende entgegen. Im Interview zieht die DFB-Vizepräsidentin für Bildung, Gesundheit und Safe Sport, Prof. Dr. Silke Sinning, Bilanz und gibt einen Ausblick, denn das Thema Schule und Sport bleibt aktuell.

DOSB: Warum hat der DFB im September 2025 das „Jahr der Schule“ ins Leben gerufen?

Prof. Dr. Silke Sinning: Wir benötigen einen höheren Stellenwert für Sport und Bewegung - insbesondere in der Schule. Nach Empfehlung der Weltgesundheitsorganisation WHO sollten sich Kinder und Jugendliche mindestens eine Stunde am Tag moderat sportlich betätigen. Nicht einmal 30 Prozent erreichen diese Vorgabe. Laut Erhebung der Kaufmännischen Krankenkasse weisen 300.000 Menschen im Alter unter 18 Jahren motorische Entwicklungsstörungen auf, das ist ein Anstieg um mehr als 60 Prozent seit 2008. Wir müssen also dringend etwas tun. Darüber hinaus sorgt der gesetzliche Anspruch auf Ganztagsbetreuung für veränderte Rahmenbedingungen. Vor diesem Hintergrund haben wir das Jahr der Schule als Schwerpunkt im DFB und seinen Landesverbänden gesetzt. Sport ist Bildung, er fördert die ganzheitliche Entwicklung. Er sollte daher nicht als Nebensache abgetan werden. Das haben viele andere Sportarten auch längst erkannt.

Welche Ziele verfolgt ihr mit der Initiative?

Das Jahr der Schule soll helfen, für das Thema zu sensibilisieren und Impulse zu setzen. Wir wissen, dass wir in einem Jahr nicht die Welt verändern können. Es wartet ein langer Weg. Den ersten Schritt haben wir gemacht. Wichtig ist dabei: Es geht uns nicht allein um Fußball, es geht generell darum, Kinder und Jugendliche an Schulen verstärkt in Bewegung und zum Sport zu bringen. Es ist auch keine Initiative mit erhobenem Zeigefinger. Wir wollen konstruktiver Partner der Schulen und der Länder sein. Ein wichtiger Schlüssel sind dabei unsere knapp 23.500 Fußballvereine.

Was sind die inhaltlichen Schwerpunkte?

Wir haben drei Bausteine. Sportlicher Kern ist die Schule des Kleinfeldfußballs. Sie ist adaptiert von der Trainingsphilosophie Deutschland, entwickelt vom DFB-Trainer*innenteam um Hannes Wolf. Die Schule des Kleinfeldfußballs setzt auf einfache Spielformen im 3 gegen 3 auf mehreren kleinen Feldern. Alle Kinder haben Ballaktionen, alle sind in Bewegung, alle sind aktiv einbezogen. Auf den Feldern wird nicht nur Fußball gespielt, sondern auch Handball oder Basketball. Das kann flexibel entschieden werden. In den Spielpausen werden Werte gecoacht, Regeln, Fairplay, respektvoller Umgang und Teilhabe besprochen und mit konkreten Beispielen aus den vorherigen Spielen verbunden. Das Konzept eignet sich für Schulen ideal, weil es niedrigschwellig ist und mit wenig Platz und Material umgesetzt werden kann. Man muss auch nicht Experte oder Expertin in der Sportart sein, um es anzuwenden.

Und die anderen beiden Bausteine?

Zum einen haben wir eine Fortbildungsoffensive gestartet - nicht nur für Trainer*innen in Vereinen, auch für Lehrkräfte. In den vergangenen Monaten haben wir mit Hilfe der DFB-Trainer*innen und der Landesverbände mehr als 200 Veranstaltungen durchgeführt und insgesamt über 5.000 Lehrkräfte geschult. Der dritte Baustein ist, Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen zu stärken. Wenn wir dieses Netzwerk aktiviert bekommen, entstehen Mehrwerte für alle Seiten. Für die Schulen, die ihr außerunterrichtliches Angebot mit Sport aufwerten können. Für die Vereine, die dort unmittelbare Kontakte bekommen, wo ihre Mitglieder von morgen sind. Und vor allem für die Kinder, weil Sport gut tut und gesund ist.

Was habt ihr im „Jahr der Schule“ konkret gemacht?

Die Fortbildungen habe ich bereits angesprochen. In diesem Zuge haben wir mit den Landesverbänden eine DFB-Schulfußball-Tour gestartet, die in allen Bundesländern Station machen soll. Die Landesverbände haben seit Beginn des Jahres der Schule im vergangenen September 22 neue Pilotprojekte gestartet. Das DFB-Mobil hatte 364 Schulbesuche im Schuljahr 2025

26, das waren 64 Prozent mehr als im Jahr zuvor. In knapp 170 DFB-JUNIOR-COACH-Lehrgängen wurden im vergangenen Schuljahr fast 2.800 Schüler*innen qualifiziert. Wir haben das Jahr der Schule bei vielen Veranstaltungen und Events in den Fokus gerückt – beispielsweise bei den DFB-Pokal-Endspielen, als wir mit kleinen Spielfeldern auf dem Olympischen Platz in Berlin vertreten waren. Wir waren mit einem eigenen Stand auf der Bildungsmesse didacta . Unsere Nationalmannschaften haben in den Länderspielphasen regelmäßig Schulen besucht. Wir haben mit „ZEIT für die Schule“ einen bundesweiten Aktionstag für Bewegung durchgeführt – mit Unterrichtsmaterial zum bewegten Lernen für die teilnehmenden Schulen. Und damit ist die Aufzählung noch lange nicht vollständig (lacht).

Wie lief so eine Kooperation zwischen Vereinen und Schulen ab: Von der ersten Kontaktaufnahme bis zum Angebot für die Kinder?

Eines muss klar sein: Ein Verband kann keine Kooperationen zwischen Vereinen und Schulen starten. Wir können Hilfestellungen geben, unterstützen, Impulse setzen. Die Umsetzung muss vor Ort erfolgen. Inhaltlich unterstützen wir mit der Schule des Kleinfeldfußballs als Konzept, das niedrigschwellig umsetzbar ist. Außerdem kann sich jede AG, die im Rahmen einer Vereins-Schul-Kooperation umgesetzt wird, sehr einfach beim DFB registrieren – über unser Programm Gemeinsam am Ball. Jede registrierte AG erhält ein Paket mit Fußbällen, für reine Mädchenfußball-AGs gibt es zusätzlich noch zwei Minitore.

Was benötigt es, um Kooperationen zu stärken?

Wir können das nur gemeinsam lösen – Verbände, Vereine, Schulen. In Verbindung mit verbesserten politischen Rahmenbedingungen. Kooperationen müssen für Schule und Verein möglichst einfach sein. Wenn wir zuerst fünf Formulare, drei Zuständigkeiten und zwei Genehmigungsverfahren durchlaufen müssen, haben wir diejenigen verloren, die ohnehin schon wenig Zeit haben. Am praktischen Beispiel: Eine Schule möchte am Nachmittag mehr Bewegung anbieten, ihr fehlen aber Personen, die das qualifiziert umsetzen können. Gleichzeitig gibt es nur zwei Kilometer entfernt einen Sportverein mit engagierten Übungsleiter*innen. Dann müssen diese beiden Seiten zusammenfinden. Der Landesverband kann Kontakte herstellen, Informationen geben und bei der Umsetzung unterstützen. Wir haben unter anderem kompakte How-to-Leitfäden entwickelt, die bei der ersten und wichtigen Frage anfangen: Wer spricht eigentlich wen an?

Was hat gut funktioniert und wo seid ihr bei der Umsetzung auf Schwierigkeiten oder Grenzen gestoßen?

Gut funktioniert immer das, was konkret, einfach und unmittelbar erlebbar ist. Wenn eine Lehrkraft bei einer Fortbildung selbst spürt: Das funktioniert mit meinen Schüler*innen, dafür brauche ich keine zehn Jahre Fußballerfahrung. Dann sind die Hürden plötzlich viel kleiner. Und wenn ein Verein merkt, dass der Ganztag nicht Konkurrenz ist, sondern eine Chance, Kinder zu erreichen. Dann werden Umsetzungsvarianten gefunden. Wir dürfen die Schwierigkeiten aber nicht kleinreden. Wir stehen vor einer großen Herausforderung, das Thema ist sehr komplex. Schulen stehen unter enormem Zeit- und Personaldruck. Gleichzeitig werden unsere Amateurvereine nahezu ausschließlich vom Ehrenamt getragen. Wir können nicht einfach sagen: Macht mal. Wir benötigen einen grundsätzlichen Bewusstseinswandel, dass Schule elementar für die Zukunft des Sports und seiner Vereine ist – und positiv auf die Gesellschaft einzahlt. Die Politik muss verstehen, wie wichtig Sport und Bewegung für Bildung und Gesundheit sind – und endlich stärker danach handeln.

Welche konkreten Ergebnisse und Erfolge könnt ihr nach knapp einem Jahr vorweisen? Seid ihr zufrieden mit der Initiative?

Über Gemeinsam am Ball sind erstmals mehr als 1.200 Fußball-AGs registriert. Das sind 27 Prozent mehr als im Schuljahr zuvor. Die Zahl der reinen Mädchenfußball-AGs hat sich um 32 Prozent gesteigert und liegt jetzt bei knapp 270. Auch das Feedback bei unseren Fortbildungen ist extrem positiv. Die Entwicklung geht also in die richtige Richtung, aber für echte Zufriedenheit ist es viel zu früh. Das Jahr der Schule kann nur ein Anfang sein, das war uns vorher schon bewusst. Für nachhaltige Verbesserungen ist noch sehr viel mehr zu tun. Da müssen wir alle im Sport sehr hartnäckig bleiben.

Welche Erkenntnisse habt ihr gewonnen, was Sportvereine und -verbände tun müssen, damit sie in der Schule und im Ganztag als starke Partner wahrgenommen werden?

Ich glaube, die wichtigste Erkenntnis ist: Wir müssen zunächst verstehen, was die Schule braucht – und nicht damit anfangen, was der Sport gerne möchte. Eine Schulleitung fragt nicht zuerst: Was kann ich dem örtlichen Verein Gutes tun? Sie fragt: Wer bietet den Kindern ein gutes Angebot? Wer ist zuverlässig? Wer macht mir organisatorisch nicht noch mehr Arbeit? Und wir Verbände müssen konsequent die Perspektive der Vereine berücksichtigen, ihre Bedürfnisse und Herausforderungen beachten – und aufzeigen, dass Schule mehr Chance als zusätzliche Belastung ist. Wir bringen als organisierter Sport unglaublich viel mit: engagierte Ehrenamtliche, qualifizierte Übungsleiter*innen, Gemeinschaft, Spaß, Gesundheit. Diese Stärken an Schulen zu nutzen, hilft allen.

Wie versucht ihr sicherzustellen, dass die Impulse, die ihr gesetzt habt, nachhaltig sind und nach Ablauf des „Jahrs der Schule“ nicht wieder verpuffen?

Indem wir das Jahr der Schule nicht als ein Projekt verstehen, das nach zwölf Monaten komplett abgeschlossen ist. Der DFB und seine Landesverbände engagieren sich seit mehr als 20 Jahren im Bereich Schule. Das Jahr der Schule hat neue Impulse gesetzt, mehr Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit geschaffen – aber die entscheidende Arbeit beginnt jetzt. Der größte Fehler wäre, wieder zur Tagesordnung überzugehen. Dafür ist das Thema viel zu wichtig. Wir wollen auf dem vorhandenen Fundament aufsetzen, den Schwung mitnehmen, die Strukturen und Programme weiter ausbauen. Auch die DFB-Schulfußball-Tour durch alle Verbände soll weiter auf das Thema aufmerksam machen.

Was würdet ihr anderen Sportverbänden und Vereinen empfehlen, die jetzt zum Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung stärker mit Schulen zusammenarbeiten wollen?

Wir maßen uns nicht an, anderen Verbänden und Sportarten Empfehlungen zu geben. Einzelne Vereine in anderen Sportarten sind beim Thema Schule zum Teil deutlich weiter als der Fußball. Alba Berlin ist da ein gutes Beispiel. Wichtig ist, dass wir als Sport ein gemeinsames Verständnis haben und gerade beim Thema Schule ähnlich ticken. Darum hat unser DFB-Trainer*innenteam regelmäßig Austausch vor allem mit anderen Ballsportarten wie Handball, Basketball oder Hockey, um Erfahrungen und Konzepte auszutauschen und Synergien zu nutzen.

Vielen Dank, Frau Sinning, für das Gespräch und die Einblicke.