Gesche beendet 15 Jahre Freiwilligendienste, verlässt die Diakonie im Oldenburger Land; Bulli statt Büro auf Europareise
Bulli statt Büro: Gesche sagt Tschüss | Fachklinik Weser-Ems
Bulli statt Büro: Gesche sagt Tschüss
15 Jahre Freiwilligendienste, viele besondere Begegnungen und jetzt ein neues Abenteuer: Gesche blickt zurück und nach vorn.
Nach vielen Jahren bei den Freiwilligendiensten heißt es für Gesche Abschied nehmen. Ende August verlässt sie die Diakonie im Oldenburger Land – und tauscht erst einmal Büro gegen Bulli. Bevor es für sie auf Reisen durch Europa geht, haben wir mit ihr zurückgeblickt: auf viele Jahrgänge von Freiwilligen, besondere Momente, „Kühe auf dem Eis“ und die Frage, was sie selbst in all den Jahren gelernt hat. Und natürlich wollten wir wissen, wohin die Reise jetzt geht.
Liebe Gesche, 13 Jahre Freiwilligendienste – wenn du heute auf diese Zeit zurückblickst: Was kommt dir als Erstes in den Kopf? Dass es eigentlich 15 Jahre sind. Ich habe zu Beginn als Praktikantin im Bereich Freiwilligendienste angefangen. Danach habe ich noch eineinhalb Jahre als Honorarkraft gearbeitet, bis ich mein Diplom fertig hatte. Die ersten Jahre waren aber richtig spannend, denn der Wehrdienst wurde ausgesetzt und der BFD (Bundesfreiwilligendienst) eingeführt. Das war eine riesige Umstellung für alle. Nicht nur das Team hat sich von zwei auf fünf Mitarbeitende vergrößert, sondern auch die Anzahl der Freiwilligen. Es herrschte eine krasse Aufbruchstimmung und für alle war es eine große Umstellung – verbunden mit den unterschiedlichsten bürokratischen Hürden des BAFzA (Bundesamt für zivilgesellschaftliche Aufgaben).
Seitdem hast du viele Jahrgänge von Freiwilligen kommen und gehen sehen. Was hat sich in dieser Zeit am meisten verändert? Jeder Jahrgang ist in sich besonders und jeder Jahrgang bringt bestimmte Themen und Interessen mit, die mich immer wieder überraschten. Ich erinnere mich z.B. an Seminargruppen, da durfte man nicht mal das Wort „Filmabend“ aussprechen. Tat man es doch, weil es durchaus gute Filme zu Themen gibt, bekam man direkt quälende Gesichter und Abwehrhaltung. Dann gab es aber auch Gruppen, die es super fanden im Nachmittagsprogramm erstmal eine Runde durch den Wald zu spazieren, kurze Momente der Stille zu genießen, um den Kopf frei zu kriegen. Ich denke, was die Freiwilligen über die Jahre verändert hat, sind auch die gesellschaftlichen Veränderungen und Ereignisse – zum Beispiel Corona, der Krieg in der Ukraine oder der wachsende Zuspruch für die AfD. Deshalb steigt der partizipative Anteil in der Seminararbeit. Die Freiwilligen wollen mehr mitbestimmen und mitgestalten als früher und wir bieten Ihnen in den Seminaren den Raum dafür.
Und was ist zum Glück genauso geblieben? Wenn ich auf die Frage davor schaue, würde ich sagen, dass man die Freiwilligen immer wieder überraschen kann. Und sie sind bereit, sich auf neue Dinge einzulassen – manchmal braucht es dafür einen kleinen Anstoß von uns, manchmal überhaupt nicht. Dazu gehört natürlich auch die Begeisterung für die Arbeit, die sie in ihrer Einsatzstelle leisten.
Was war für dich immer der schönste Moment in einem FSJ-Jahrgang? Es gibt zwei. Der erste ist für mich der letzte Tag im Einführungsseminar: zu spüren und zu sehen, dass dort eine Gruppe entstanden ist, die sich gegenseitig Halt gibt. Das erfüllt mich immer mit Stolz, weil es zeigt, dass wir als Team das Programm so gestaltet haben, dass sich alle wohlfühlen und gerne ins Seminar zurückkehren. Der zweite ist der letzte Tag im Abschlussseminar, wenn dann doch die eine oder andere Träne fließt. Das zeigt mir, dass die Zeit die Freiwilligen persönlich berührt hat, dass sie sich verändert und weiterentwickelt haben.
Du hast sehr viele junge Menschen ein Stück auf ihrem Weg begleitet. Was haben die Freiwilligen umgekehrt dir beigebracht? Geduld zu haben. Ich bin ein Mensch, der schnell denkt und handelt und zu verschachtelten Fragen neigt – manchmal schon mit Beispielantworten versehen. Durch die Gruppen habe ich gelernt, präzisere, kompaktere und offenere Fragen zu stellen. Und wenn ich sie dann stelle und einfach etwas länger warte, kommen so viele tolle Antworten von den Freiwilligen.
Wenn die Gesche von 2013 heute neben dir sitzen würde – was würde sie an dir vermutlich am meisten überraschen? Dass nicht nur der Bauch, sondern mittlerweile mehr der Kopf mitentscheidet.
Hand aufs Herz: Was wirst du an der Diakonie und an deinem Team am meisten vermissen – und was vielleicht überhaupt nicht? An meinem Team werde ich das ganze Miteinander im Alltag, aber auch die Zusammenarbeit zu bestimmten Themen vermissen. Wir haben hier eine gute Mischung aus Konzentration, Witz und Kreativität, die uns gut arbeiten lässt. Was man häufig nicht sieht, ist, dass wir wie ein kleines Unternehmen im Unternehmen funktionieren. Wir erstellen über das Jahr Hunderte von Vereinbarungen, müssen diese eventuell noch einmal verändern oder verlängern, rechnen Seminare ab, wickeln Kündigungen und Auflösungen ab und begleiten Krisensituationen in den Einsatzstellen. Manche dieser Vorgänge müssen in ganz kurzer Zeit erledigt werden. Wenn dann noch Dinge dazukommen wie Prüfungen des BAFzA, Belegprüfungen des Dachverbandes oder andere „Kühe auf dem Eis“, dann sind es genau solche Dinge, die ich nicht vermissen werde.
Nach so vielen Jahren, in denen du junge Menschen bei ihrem Aufbruch begleitet hast, brichst du jetzt selbst auf. Warum ist gerade jetzt die richtige Zeit für etwas Neues? Ich sag’s, wie es ist: Ich werde 40. Ich habe jetzt 13 Jahre hier gearbeitet und möchte mich verändern und vielleicht noch andere Bereiche der Erwachsenenbildung kennenlernen. Dafür brauche ich eine Pause, um mir Gedanken zu machen. Bulli statt Büro: Was hast du für deine Reise durch Europa vor? Land und Leute kennenlernen. Ein Freund von mir sagte letztens noch, dass es doch auch spannend ist zu sehen, wie Menschen in anderen Ländern Mobilität leben. Er hat recht. Ich denke, ich werde mich auch einfach treiben lassen und schauen, was da so kommt.
Wie viel ist schon geplant – und wie viel möchtest du einfach auf dich zukommen lassen? Die grobe Richtung steht schon fest: Im Dezember möchte ich Marokko erreichen. Alles andere wird unterwegs geplant.
Gibt es einen Ort, auf den du dich besonders freust – oder entscheidest du das erst unterwegs? Ein erstes Ziel wird Brügge sein. Da war ich noch nicht, und da ich auf kulinarische Köstlichkeiten stehe, freue ich mich besonders darauf, was die Stadt in dieser Hinsicht zu bieten hat.
Zum Schluss: Du hast jahrelang junge Menschen ermutigt, Neues auszuprobieren, Erfahrungen zu sammeln und auch die eigenen Grenzen kennenzulernen. Welchen Rat, den du deinen Freiwilligen mitgegeben hast, nimmst du jetzt selbst mit auf den Weg? “Du bist neu hier, verlang nicht zu viel von dir. Mal rumzustehen und nichts zu tun zu haben, ist normal. Biete deine Hilfe an, wenn sich die Gelegenheit ergibt. Ansonsten beobachte und teile deine Beobachtungen mit jemandem.” Liebe Gesche, wir sagen danke für Deinen unermütlichen Einsatz, Deinen Humor und die vielen Jahre, in denen Du die Freiwilligendienste mitgestaltet und geprägt hast. Für Dein nächstes Abenteuer wünschen wir Dir viele besondere Begegnungen, spannende Erfahrungen und natürlich allzeit gute Fahrt!