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title: "Tobias Haberl Interview über Glauben, Zweifel, Treue im Alltag München; Buch stärkt Glauben der Leser, Resonanz groß."
sdDatePublished: "2026-08-17T09:05:00Z"
source: "https://www.kapuziner.org/tobias-haberl-im-gespraech-treue-ist-der-kern-der-liebe/"
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  - "Munich"
  - "Germany"
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Tobias Haberl Interview über Glauben, Zweifel, Treue im Alltag München; Buch stärkt Glauben der Leser, Resonanz groß.

Tobias Haberl im Gespräch: „Treue ist der Kern der Liebe“ - Deutsche Kapuzinerprovinz

Eine Pro­vinz für vier Län­der

ist Jahr­gang 1975. Der Jour­na­list und Autor lebt in Mün­chen und schreibt für das SZ-Maga­zin. In sei­nem Buch „Unter Hei­den“ the­ma­ti­siert der Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­ler sei­ne Rol­le als Katho­lik in einer säku­la­ri­sier­ten Gesellschaft.

Tobias Haberl im Gespräch: „Treue ist der Kern der Liebe“

Der Jour­na­list Tobi­as Haberl hat mit sei­nem Buch „Unter Hei­den“ vie­le Men­schen ange­spro­chen. Im Inter­view spricht er über Got­tes­fer­ne, Momen­te der Nähe und sei­ne Ent­schei­dung für den Glauben.

Herr Haberl, in wel­chen Situa­tio­nen füh­len Sie sich Gott beson­ders nah?

Das ist eine schwie­ri­ge Fra­ge für mich, weil ich mich gera­de in einer per­sön­li­chen Kri­sen­si­tua­ti­on befin­de. Zur­zeit spü­re ich Gott kaum. Ein Domi­ni­ka­ner, mit dem ich dar­über gespro­chen habe, sag­te mir, dass Got­tes­fer­ne selbst für gro­ße Gestal­ten des Chris­ten­tums eine nor­ma­le Erfah­rung war. Ent­schei­dend sei, in sol­chen Momen­ten treu zu blei­ben, sich an frü­he­re Erfah­run­gen zu erin­nern, in der Lie­be und im Gebet zu bleiben.

Haben Sie eine sol­che Got­tes­fer­ne schon ein­mal erlebt?

Ja, immer wie­der. Zwei­fel durch­zie­hen mein gan­zes Glau­bens­le­ben: Zwei­fel an der Exis­tenz Got­tes, an der Kir­che. Ich fin­de das aber nicht schlimm. Im Gegen­teil: Zwei­fel sind für mich so etwas wie ein Dün­ge­mit­tel des Glau­bens. Zwei­fel füh­ren dazu, dass ich mich inten­si­ver aus­ein­an­der­set­ze, bewuss­ter bete, öfter zur Mes­se gehe, geziel­ter die Stil­le suche. Zwei­fel set­zen etwas in Bewe­gung. Und dar-aus wächst wie­der Glau­be. Natür­lich wün­sche ich mir manch­mal stär­ke­re Got­tes­er­fah­run­gen, wie ande­re sie schil­dern. Aber ich lei­de nicht sehr dar­un­ter. Ich glau­be, es geht dar­um, im Glau­ben zu blei­ben. Und ich erle­be immer wie­der, dass dar­aus Trost, Halt und sogar eine Art von Ant­wort entsteht.

Ja, genau. Treue ist für mich der Kern der Lie­be. Dass man bleibt, in guten wie in dunk­len Zei­ten. Das gilt für Bezie­hun­gen zwi­schen Men­schen genau­so wie für die Bezie­hung zu Gott. Glau­be bedeu­tet für mich Ver­trau­en. Der Glau­be ist ein Sprung ins Unge­wis­se, ohne Garan­tie. Und genau das fällt vie­len heu­te schwer. Karl Rah­ner hat ein­mal gesagt: Glau­ben heißt, die Unbe­greif­lich­keit Got­tes ein Leben lang aus­zu­hal­ten. Das trifft es für mich sehr gut.

Wenn Sie auf Ihren Glau­bens­weg schau­en: Wo haben Sie sich die­ser Unbe­greif­lich­keit genähert?

Da muss ich ganz klas­sisch sagen: in der Mes­se, in der Eucha­ris­tie. Im Gebet, wenn es gelingt. Und auch in ganz all­täg­li­chen Situa­tio­nen. Wenn ich etwa durch den Wald gehe und plötz­lich ein Reh aus dem Dickicht bricht. Oder wenn ich einem Men­schen begeg­ne und für einen Moment das Gefühl habe, genau zur rich­ti­gen Zeit am rich­ti­gen Ort zu sein. Auch das sind für mich Momen­te der Nähe.

Wie hat Ihre Glau­bens­ge­schich­te begonnen?

Ich bin katho­lisch auf­ge­wach­sen, im Baye­ri­schen Wald. Sehr katho­lisch geprägt. Der Glau­be war da, aber eher selbst­ver­ständ­lich, nicht reflek­tiert. Mit etwa 20 habe ich mein Eltern­haus ver­las­sen und mich über vie­le Jah­re vom Glau­ben ent­fernt. Erst mit Ende 30 kam er zurück. Nicht durch ein Schlüs­sel­er­leb­nis, son­dern vor allem durch das Gefühl, dass mir etwas fehlt. Die­se Lücke konn­te nichts Mate­ri­el­les fül­len. Ich habe gemerkt: Es ist Gott.

War das eine bewuss­te Entscheidung?

Ja. Ich habe mich für den Glau­ben ent­schie­den, obwohl mir bewusst ist, wie unglaub­lich vie­les dar­an ist. Seit­her fühlt sich mein Leben sinn­vol­ler an, es hat ein Ziel. Das gibt mir Halt. Es ist wie eine Wan­de­rung: Man geht anders, wenn man ein Ziel vor Augen hat.

Sie haben das Buch „Unter Hei­den“ geschrie­ben, in dem Sie über Ihre Erfah­run­gen als Christ im All­tag spre­chen. War­um gehen Sie mit die­sem The­ma in die Öffentlichkeit?

Ich arbei­te ja als Jour­na­list für die Süd­deut­sche Zei­tung. Aus­gangs­punkt war ein Essay im SZ-Maga­zin über das Gefühl, als Christ im heu­ti­gen Lebens- und Arbeits­um­feld auf­zu­fal­len. Die Reso­nanz dar­auf war enorm und hat mir gezeigt, dass vie­le Men­schen ähn­lich emp­fin­den. Dar­aus ent­stand das Buch. Und es hat etwas bewirkt: Men­schen schrei­ben mir, dass es ihren Glau­ben stärkt. Ich sehe mich den­noch nicht als Mis­sio­nar, son­dern als Autor.

Ja und nein. Ich respek­tie­re jeden Men­schen und sei­ne Ent­schei­dung, ob und wie er glaubt. Chris­ten haben jedoch auch den Auf­trag, von ihrem Glau­ben zu erzäh­len. Nicht mis­sio­na­risch im aggres­si­ven Sinn, son­dern ruhig und ein­la­dend. Wenn ich glau­be, dass Gott exis­tiert und dass es ein ewi­ges Leben gibt, dann kann ich nicht ein­fach schweigen.

Wie nimmt ihr Umfeld ihr Glau­bens­be­kennt­nis auf?

Mein Umfeld ist viel­fäl­tig. Es gibt Men­schen, die mei­nen Glau­ben skur­ril fin­den, ande­re benei­den mich dar­um, wie­der ande­re ste­hen fes­ter im Glau­ben als ich selbst. Was mich stört: Wenn über Kir­che und Glau­ben pau­schal geur­teilt wird, ohne Aus­ein­an­der­set­zung, ohne Inter­es­se, ohne Wis­sen. Das pas­siert lei­der ziem­lich oft.

Wo hadern Sie mit der Kirche?

Da gibt es Punk­te, aber ent­schei­dend ist für mich die Bezie­hung zu Chris­tus. Ich sehe mich weder als Tra­di­tio­na­list noch als Refor­mer. Schwie­rig wird es für mich, wenn die Kir­che beginnt, sich dem Zeit­geist anzu­bie­dern und nicht mehr zu sich selbst steht. Ich wür­de mir eine Kir­che wün­schen, in der mehr Viel­falt mög­lich ist, inner­halb gewis­ser Gren­zen. Unter­schied­li­che Aus­drucks­for­men des Glau­bens soll­ten aus mei­ner Sicht neben­ein­an­der bestehen dürfen.

Das Inter­view führ­te Tobi­as Rau­ser für cap!, das Maga­zin der Kapuziner.

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