Sibylle Berg Anerkennungsbeitrag Literatur 2026 Kanton Zürich
Laudatio Sybille Berg
Kanton Zürich Direktion der Justiz und des Innern Fachstelle Kultur
Anerkennungsbeitrag Literatur 2026: Sibylle Berg: «PNR: La Bella Vita»
Die Schizophrenie des Spätkapitalismus ist so leicht zu sehen wie schwer zu überwinden. Das eigene Begehren als konditioniertes anerkennen, driftet schnell ins ungewollt Puritanische; Triumph durch Verzicht klingt auch politisch nicht ganz unbelastet. Und dass auch dystopisches Schreiben längst der spätmodernen Vermarktungslogik gehorcht, hat sich auch herumgesprochen. Vor diesem Hin tergrund ist der Einsatz des dritten und letzten Teils von Sibylle Bergs grosser Akronym-Trilogie ziemlich clever: Nachdem «GRM» und «RCE» das spätkapi talistische Scheitern ausbuchstabiert haben, macht «PNR» einen Sprung hinter die Revolution. Während am Wie der Revolution noch 666 Zwischenjahre, Sonderforschungsbe reiche und Think Tanks herumgedacht werden dürfte, gerät das Warum immer weiter aus dem Blick. Nicht so im dritten und mit 400 Seiten eher schmalen Band der Trilogie. Hier geht es vor allem darum, das Gewesene in schauerlicher Erin nerung zu behalten und sich daran zu erfreuen, was alles nicht mehr nötig ist. Triumphzüge sehen anders aus, doch genau um die geht es in der Welt von «PNR» endlich nicht mehr. Stattdessen: Gemeinschaft, Musse, Herumprobieren. Happy people have no story, lautet ein schönes Wanderzitat von Tolstoi bis zur irischen Rockband Therapy? Das variiert Berg in «PNR» entschieden und klug: Happy people have a history – sie müssen nicht gleich wissen, was die Zukunft bringt, sondern erst einmal nicht vergessen, dass der ungezügelte Kapitalismus seine Chancen gehabt hat. Aber klar ist auch: In der besten aller Welten würden auch Bücher weder ver kauft noch ins Rennen um Literaturpreise geschickt. Womit wir wieder am
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Anfang wären – oder doch ein paar Schritte näher am Ende? Wir gratulieren herzlich zum kantonalen Anerkennungsbeitrag!
Begründung der Fachgruppe Literatur (kantonale Kulturförderungskommission), Zürich 2026