Seraina Kobler erhält Anerkennungsbeitrag Literatur 2026 in Zürich; Kanton Zürich würdigt Koblers dystopische Zukunftsvision

Laudatio Seraina Kobler

Kanton Zürich Direktion der Justiz und des Innern Fachstelle Kultur

Anerkennungsbeitrag Literatur 2026: Seraina Kobler: «Tal der Schwalben»

Wie wirkt sich die Klimaerwärmung auf die Schweiz aus? Wie kann der stei­ gende Energiebedarf gedeckt werden? Zu welchem Preis? Und wer handelt über­ haupt im Interesse der Bevölkerung? Seraina Kobler begibt sich in ihrem vierten Roman «Tal der Schwalben» auf eine literarische Erkundung dieser Fragen. Sie entwirft eine dystopische Schweiz: Die Städte sind zu einem einzigen grossen Geflecht, der «Metropolitane», verschmol­ zen, die Berge als Sperrzone nur noch von wenigen Widerständigen besiedelt und Grosskonzerne befinden sich im Wettstreit um die vermeintlich perfekte Energielösung. Koste es, was es wolle. Im Zentrum des Geschehens steht der junge Wissenschaftler Alesch, der in Lausanne an neuen Energietechnologien forscht und nach einem Unfall im Labor in sein Heimatdorf reist, um im Auftrag eines grossen Energiekonzerns die Be­ wohner:innen zum Wegzug zu bewegen. Seine Rückkehr wühlt nicht nur die Dorfbewohner:innen auf, sondern legt auch alte Geschichten frei. Der Welt der Wissenschaft stellt Kobler die Welt der Märchen und Sagen gegenüber. Mit Ruhe und einem scharfen Blick entwickelt Kobler eine dystopische Zu­ kunftsvision. Sie formt aus heutigen politischen und ökologischen Entwicklun­ gen ein beklemmendes Szenario und verhandelt grosse Fragen mit dramaturgi­ schem Geschick anhand einer handvoll sorgfältig gezeichneter Figuren. Seraina Kobler ist ein vielschichtiger Roman gelungen, der souverän mit Genres spielt und aktuelle Debatten in eine eigenständige literarische Form übersetzt. Ein Text, der auf drängende gesellschaftliche Themen neue Perspektiven eröffnet

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und eindrucksvoll zeigt, wie Literatur komplexe Zusammenhänge in spannender Prosa verarbeiten kann. Für diese atmosphärisch dichte literarische Auseinandersetzung mit den Heraus­ forderungen der Gegenwart und Zukunft erhält Seraina Kobler einen Anerken­ nungsbeitrag des Kantons Zürich.

Begründung der Fachgruppe Literatur (kantonale Kulturförderungskommission), Zürich 2026