---
title: "Lukas Bärfuss erhält Anerkennungsbeitrag Literatur 2026 Zürich; erhöht Aufmerksamkeit für Gesellschaftskritik"
sdDatePublished: "2026-08-17T11:23:00Z"
source: "https://www.zh.ch/content/dam/zhweb/bilder-dokumente/themen/sport-kultur/kultur/kulturförderung/bereiche/literatur/lesereise/ausgezeichnete-2026/Laudatio_Baerfuss.pdf"
topics:
  - name: "literature"
    identifier: "medtop:20000013"
  - name: "award and prize"
    identifier: "medtop:20000498"
  - name: "social condition"
    identifier: "medtop:20000799"
locations:
  - "Zürich (Kanton)"
  - "Zürich"
  - "Dominican Republic"
---


Lukas Bärfuss erhält Anerkennungsbeitrag Literatur 2026 Zürich; erhöht Aufmerksamkeit für Gesellschaftskritik

Laudatio Lukas Bärfuss

Kanton Zürich
Direktion der Justiz und des Innern
Fachstelle Kultur

Anerkennungsbeitrag Literatur 2026:
Lukas Bärfuss: «Königin der Nacht»

Sechzig Franken auf dem Konto, ein verlebtes Leben auf dem Kerbholz: Als Lu­
kas Bärfuss’ Mutter in der Dominikanischen Republik stirbt, haben sich Konto­
stand und Lebensbilanz jener biografischen Nulllinie angenähert, von der vor gut
einem Jahrzehnt schon «Koala» am Beispiel des Halbbruders erzählte. Doch
heute wie damals ist es nicht die Aufgabe des Erzählers Lukas Bärfuss, den Stab
über seinen Figuren zu brechen. Fragte schon «Koala» weniger nach dem Recht
oder Unrecht des Suizids als danach, was unsere Gesellschaft überhaupt am Lau­
fen hält, findet sich dieser systemische Blick in «Königin der Nacht» nochmals
radikalisiert.
Frei von den Umwegen und erzählerischen Masken, die Prekarität, emotionale
Kälte und Ausgrenzung in «Koala», «Hagard» oder «Die Krume Brot» für ein
breites Publikum erschlossen, zeichnet «Die Königin der Nacht» das Porträt einer
wenig heroischen Einzelkämpferin, deren Hartnäckigkeit nicht nur Fluch und Se­
gen, sondern auch das eigentliche Erbe ihres erfolgreichen Sohns darstellt.
Schmerzhaft ist der Text nicht primär dort, wo er Ausweglosigkeit erfahrbar
macht, sondern wo zwischen den unbarmherzigen Stufen eines vorgezeichneten
Abstiegs plötzlich Handlungsräume aufscheinen. Viele sind es nicht, ungenutzt
bleiben sie alle, so dass sich unweigerlich die Frage nach persönlicher und gesell­
schaftlicher Verantwortung stellt. Noch will der Spätkapitalismus wenig von sei­
ner Verantwortung für die Abgehängten wissen, aber die Scheinwerfer haben
sich zu drehen begonnen.
So auch in und mit diesem schmalen, souverän und doch mit jeder Zeile Anteil
nehmenden Buch. Als Autor, der nicht erst mitschreit, wenn der Schlachtruf

Seite 2/2

nicht mehr zu überhören ist, scheut sich Bärfuss weder vor riskanten Prognosen
noch vor der Aufforderung zum Widerspruch. Das bewahrt auch sein neues Buch
vor Besserwisserei oder Betroffenheitskitsch. Dass die «Königin der Nacht» um
ihr eigenes Recht weiss und doch so gerne darauf verzichten würde, macht das
«kurze Buch» zu einem, das noch lange nachhallen wird und das wir deshalb
gerne mit einem kantonalen Anerkennungsbeitrag 2026 auszeichnen möchten.

Begründung der Fachgruppe Literatur (kantonale Kulturförderungskommission),
Zürich 2026