Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband Onlinebefragung Zürich 2026; Durchschnitt 18 Prozent Mehrarbeit über Pensum

ZLV-Lehrpersonen-Barometer 2026: Hohe Motivation, wachsende Belastung

ZLV-Lehrpersonen-Barometer 2026: Hohe Motivation, wachsende Belastung

Im Juni 2026 führte der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband eine Onlinebefragung unter seinen Mitgliedern durch zu Themen wie Arbeitsbelastung, mentale Gesundheit und allgemeines Wohlbefinden im Berufsalltag. Knapp 600 Zürcher Lehrpersonen haben teilgenommen; erfahrene Pädagog:innen mit durchschnittlich 17 Jahren Berufserfahrung, drei Viertel davon war in den letzten fünf Jahren als Klassenlehrperson tätig. Die Ergebnisse zeigen, dass Zürcher Lehrpersonen mit hohem Einsatz arbeiten – aber auch zunehmend an ihre Belastungsgrenzen stossen.

Mehr Arbeit als das Pensum vorsieht

Im Schnitt arbeiten die Befragten 18 Stellenprozente mehr, als ihr offizielles Pensum beträgt – das entspricht fast einem zusätzlichen Arbeitstag pro Woche, der nicht entschädigt wird. Besonders ausgeprägt ist diese Diskrepanz bei Klassenlehrpersonen. 88% der Befragten sind der Meinung, dass der Berufsauftrag den tatsächlichen Aufwand des Schulalltags unterschätzt.

Diese Zahlen verweisen auf ein strukturelles Problem: Gute Schulbildung sollte nicht davon abhängen, dass Lehrpersonen regelmässig unbezahlte Mehrarbeit leisten.

59% der Befragten geben an, sich am Ende eines Arbeitstages emotional ausgelaugt zu fühlen. In Anlehnung an internationale Burnout-Forschung erreichen die befragten Zürcher Lehrpersonen einen Belastungswert, der auf eine mittlere Burnout-Gefährdung hindeutet und über vergleichbaren Werten aus ähnlichen Studien liegt. Wer dauerhaft unter hoher Belastung arbeitet, kann seinen Beruf langfristig nicht mehr so ausüben, wie er es möchte – und wie es Schülerinnen und Schüler brauchen.

Hohe Identifikation – aber auch Zweifel

Trotz der Belastung bezeichnen 81% der Befragten ihre Arbeit als sinnvoll. Die Verbundenheit mit dem Beruf bleibt gross – auch unter Bedingungen, die diese Begeisterung täglich auf die Probe stellen. Gleichzeitig gibt knapp jede fünfte Lehrperson an, mit dem Gedanken zu spielen, den Beruf zu verlassen. Das ist besorgniserregend: Wenn nur schon die Hälfte diesen Gedanken in die Tat umsetzt, haben die Zürcher Volksschulen ein Problem.

Was das für den Lehrpersonal-Kompromiss bedeutet

Die Ergebnisse des ZLV-Lehrpersonen-Barometers 2026 machen deutlich: Zürcher Lehrpersonen engagieren sich mit grossem Einsatz für ihre Schülerinnen und Schüler. Dieser Einsatz darf aber keine Selbstverständlichkeit sein, die strukturell vorausgesetzt wird. Eine gute Volksschule braucht Rahmenbedingungen, die dem tatsächlichen Arbeitsaufwand besser gerecht werden.

Der Lehrpersonal-Kompromiss, über den der Kanton Zürich am 27. September 2026 abstimmt, ist ein wichtiger Schritt in diese Richtung. Er bildet den tatsächlichen Arbeitsaufwand der Lehrpersonen besser ab als bisher – auch wenn er die bestehende Lücke nicht vollständig schliesst. Als Kompromiss trägt er den Interessen verschiedener Seiten Rechnung und schafft damit eine realistische Grundlage für eine Volksschule, die langfristig funktioniert. Deshalb JA zum Lehrpersonal-Kompromiss am 27. September.