Open Doors 2026 in Locarno präsentiert Subsahara-Afrika-Filmschaffende; 26 Filmemacher ausgewählt, 17 Frauen
Open Doors 2026: Subsahara-Afrika aus Sicht seiner Filmschaffenden
Mitteilung Veröffentlicht am 18. August 2026
Open Doors 2026: Subsahara-Afrika aus Sicht seiner Filmschaffenden
Filmschaffen ist mehr, als einfach ein Drehbuch zu schreiben und Szenen zu drehen. In vielen Ländern in Subsahara-Afrika bedeutet es auch, Finanzmittel zu beschaffen, Weiterbildungsmöglichkeiten zu finden, Produktionsfirmen zu treffen und darauf zu hoffen, dass der eigene Film gezeigt wird. Die Plattform Open Doors des Filmfestivals Locarno unterstützt Filmschaffende aus dem Süden und Osten und trägt dazu bei, solche Hindernisse zu beseitigen.
Die DEZA begleitet diese Initiative, weil sie davon überzeugt ist, dass eine freie und dynamische Kulturszene für die Entwicklung einer Gesellschaft von zentraler Bedeutung ist. Die diesjährigen Open Doors fanden vom 5. bis 10. August 2026 statt. Die Plattform setzte ihre Reihe über Subsahara-Afrika fort und zeigte 13 Filme aus 12 Ländern der Region.
Drei Beispiele veranschaulichen, wie die Kultur in den DEZA-Partnerländern vor Ort unterstützt wird: Benin mit dem Film «La kora de mon père», Burkina Faso mit der Sanierung eines Kinos und Niger, wo die Schweiz seit 2017 die kulturelle Entwicklung und junge Kulturschaffende unterstützt. Eine lebendige Kulturszene schafft Raum für Dialog, Meinungsäusserungsfreiheit und Austausch – alles unverzichtbare Voraussetzungen für eine inklusivere und nachhaltigere Gesellschaft.
Eine Stimme für diejenigen, die von ihrer Lebensrealität berichten
Von 2025 bis 2028 fokussiert sich Open Doors auf die 42 Länder Subsahara-Afrikas. Viele dieser Länder sind Partnerländer der DEZA, namentlich Benin, Burkina Faso, Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Äthiopien, Kenia, Mali, Mosambik, Ruanda und Tansania.
2026 wurden für die verschiedenen Programmbereiche von Open Doors 26 Filmschaffende sowie Produzentinnen und Produzenten ausgewählt, darunter 17 Frauen. Darüber hinaus umfasste das Programm 13 Filme aus 12 Ländern in Subsahara-Afrika und bot damit neue Einblicke in einen facettenreichen Kontinent sowie Geschichten, die zum Nachdenken anregen, berühren und inspirieren. Open Doors ermöglicht Kunstschaffenden aus dem Süden und Osten einen besseren Zugang zum Publikum, zum Markt sowie zu schweizerischen und internationalen Netzwerken der Filmbranche.
Einer der präsentierten Filme war «La kora de mon père» (Die Kora meines Vaters) des beninischen Regisseurs Aymar Ayéman Esse. Er begleitet Souleymane, einen jungen Berliner, der mit 16 Jahren von seinem senegalesischen Vater eine abgenutzte Kora erbte. Er will sie an ihrem Ursprungsort, im Senegal, reparieren lassen – und begibt sich damit auf die Suche nach seiner eigenen Identität. Der Film, der 2024 durch die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Benin unterstützt wurde, hatte an den Open Doors 2026 in Locarno seine Weltpremiere. Er ist ein schönes Beispiel dafür, welchen Weg ein Film zurücklegen kann: geschrieben in Benin, gedreht in Dakar und Berlin, uraufgeführt in Locarno. Auf diese Weise öffnet Open Doors Filmschaffenden Türen und ebnet ihren Geschichten den Weg über die Landesgrenzen hinaus.
Für viele Filmschaffende ist Open Doors weit mehr als die reine Teilnahme am Filmfestival. Sie erhalten die Gelegenheit, ein Projekt zu entwickeln, ihr Netzwerk zu erweitern, internationale Partner kennenzulernen und die Sichtbarkeit ihrer Geschichten, die ansonsten kaum über die Landesgrenze hinaus bekannt würden, zu erhöhen. Die bemerkenswertesten Projekte wurden mit einem Preis ausgezeichnet.
Künstlerisches Schaffen als Treiber für Entwicklung
In vielen Bereichen sind Independent-Filme – ebenso wie andere Kunstformen – nach wie vor fragil. Die schwierige Finanzierung, die fehlende Infrastruktur und die eingeschränkte Meinungsäusserungsfreiheit behindern die kreativen Möglichkeiten.
Allerdings können in Filmen auch Themen angesprochen werden, die anderswo kaum Platz haben: Migration, die Folgen von Konflikten, gesellschaftliche Veränderungen oder die Hoffnungen einer neuen Generation. Indem sie solche Erfahrungen teilen, fördern Filme den Dialog, stellen unterschiedliche Standpunkte einander gegenüber und tragen zum demokratischen Leben bei.
Die DEZA erachtet Kulturförderung als richtigen Weg. Genau wie die Pressefreiheit trägt auch eine unabhängige Kulturszene zur Meinungsvielfalt bei. Sie stärkt den sozialen Zusammenhalt und begünstigt den Aufbau offenerer und widerstandsfähigerer Gesellschaften.
Im Niger begleitet die DEZA seit 2017 nigrische Kunstschaffende im Rahmen eines Programms zur Förderung der kulturellen Entwicklung. Zwischen 2017 und 2022 konnten mehr als 130 Studierende sowie 300 Kunst- und Kulturschaffende an Fachausbildungen teilnehmen. Einige drehten ihre ersten Kurzfilme oder erarbeiteten ihre ersten audiovisuellen Produktionen.
Gestützt auf die ersten Ergebnisse hat die Schweiz beschlossen, die nigrischen Behörden und Kulturschaffenden weiterhin zu unterstützen. Bis 2029 sollen über das Programm 300 junge Kunstschaffende in künstlerischen und unternehmerischen Berufen ausgebildet, 80 Mobilitätsstipendien zur Förderung der Weiterbildung und des kreativen Schaffens vergeben sowie 15 Kulturräume und ein Förderprogramm für junge Kulturunternehmende eingerichtet werden. Es geht darum, einer neuen Generation die Möglichkeit zu geben, sich kreativ zu entfalten, von ihrer Kunst leben zu können und zum Leben ihrer Gemeinschaften beizutragen.
Dieses Engagement hat auch eine wirtschaftliche Dimension. Der Kultur- und Kreativbereich gehört zu den weltweit am schnellsten wachsenden Branchen. Sein Potenzial wird in vielen Partnerländern der DEZA jedoch nach wie vor durch den Mangel an Ausbildungsmöglichkeiten und beruflichen Netzwerken sowie den fehlenden Zugang zu internationalen Märkten gebremst. Kulturschaffende zu unterstützen, heisst somit auch, nachhaltige berufliche Perspektiven zu fördern.
In Bobo-Dioulasso, der zweitgrössten Stadt Burkina Fasos, gibt es seit über 20 Jahren kein Kino mehr. Deshalb hat ein lokaler Verein beschlossen, das Kino Guimbi wieder in Betrieb zu nehmen. Die Renovationsarbeiten, die aufgrund fehlender Finanzmittel mehrfach unterbrochen wurden, sind heute dank der Unterstützung mehrerer Partner, darunter die Schweizer Entwicklungszusammenarbeit in Burkina Faso, bereits weit fortgeschritten.
Beim Projekt geht es nicht nur um den Kinosaal, sondern auch darum, einen Begegnungsort zu schaffen: einen Raum für (Weiter-)Bildung, Künstlerresidenzen und Diskussionen, um das lokale Unternehmertum im audiovisuellen Bereich zu fördern. Ausserdem sollen die Einwohnerinnen und Einwohner von Bobo-Dioulasso – eine der wichtigsten Kulturstädte des Landes – wieder Zugang zu einem Kino haben.
Die drei Beispiele folgen demselben Ansatz: Die Kulturschaffenden im jeweiligen Land werden unterstützt, damit sie an ihren Werken arbeiten und sie bekanntmachen sowie ihr Publikum erreichen können.
Die Filme von Open Doors wurden in Locarno an mehreren Tagen gezeigt. Doch ihr Weg beschränkt sich nicht auf das Filmfestival. Jede Vorstellung soll es den Filmschaffenden ermöglichen, ihre Gesellschaft in ihren eigenen Worten, aus ihrer eigenen Perspektive und in aller Freiheit zu schildern.
Informationen zu Open Doors (en)
Informationen zum Film «La kora de mon père» (en)
+41 58 462 67 66