ISW fordert Klimaresilienz-Plan für die Wasserstraßen in Berlin; Zweite Schleusenkammern erforderlich
ISW fordert Klimaresilienz-Plan für die Wasserstraßen
ISW fordert Klimaresilienz-Plan für die Wasserstraßen
(Berlin, 14.08.2026) Die Bundesregierung sollte das aktuelle Niedrigwasser zum Anlass nehmen, nicht nur mit kurzfristigen Maßnahmen die Auswirkungen auf Menschen und Wirtschaft zu lindern, sondern mit mittel- und langfristigen Maßnahmen die Klimaresilienz der Wasserstraßen zu stärken. Das fordert die Initiative System Wasserstraße (ISW), ein Zusammenschluss von 22 Verbänden aus der Schifffahrts- und Hafenwirtschaft sowie der verladenden Wirtschaft.
Marcel Lohbeck, Geschäftsführer des Bundesverbandes Öffentlicher Binnenhäfen (BÖB) und zugleich Mitglied des fünfköpfigen ISW-Sprecherkreises, dringt daher auf einen breiten Dialog mit allen Beteiligten am System Wasserstraße – einschließlich Land-, Wasser- und Energiewirtschaft sowie den Umweltverbänden. „Ziel sollte ein konkreter Maßnahmenplan für die klimagerechte Ertüchtigung der Wasserstraßen sein“, sagt Lohbeck.
Thomas Gross, ISW-Sprecher und Vorsitzender der Bundesfachabteilung Wasserbau beim Hauptverband der Deutschen Bauindustrie (HDB), warnt den Bund vor den Folgen weiterer Personaleinsparungen in der Wasserstraßen- und Schifffahrtsverwaltung (WSV). „Wer jährlich 2,2 Prozent der Stellen streicht, schwächt die Planungs- und Handlungsfähigkeit der WSV dauerhaft. Damit verschwinden ausgerechnet die Kapazitäten, die für die Schaffung von Baurecht und die Projektumsetzung gebraucht werden“, erklärt Gross. „Die Baumaschinen können aber erst loslegen, wenn die WSV Baurecht und die Planungsgrundlagen für die Projekte geschaffen hat.“
„Das gegenwärtige Niedrigwasser zeigt eindrucksvoll, dass die Binnenschifffahrt für zahlreiche Betriebe der Stahl-, Chemie- und Bauindustrie sowie der Agrarwirtschaft nicht ersetzbar ist“, erläutert Marco Kutscher vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), zugleich ISW-Sprecher. „Weder Güterbahn noch Lkw können die enormen Gütermengen aufnehmen, die auf der Wasserstraße transportiert werden.“
Heike van Hoorn, Geschäftsführerin des Deutschen Verkehrsforums (DVF) und ebenfalls ISW-Sprecherin, fordert den Bund auf, das vor der Sommerpause verabschiedete Infrastruktur-Zukunftsgesetz zügig für die Umsetzung längst überfälliger und volkswirtschaftlich höchst rentabler Wasserstraßen-Bauprojekte zu nutzen. „Wir reden hier nicht nur über die Optimierung der Fahrrinne am Mittelrhein, sondern auch am Niederrhein und am Untermain sowie die Ertüchtigung und den Ausbau von Schleusen“, betont sie. „Wir brauchen überall zweite Schleusenkammern, damit beim Ausfall einer Kammer nicht ganze Wasserstraßen blockiert sind.“ Van Hoorn wies darauf hin, dass eine bedarfsgerechte und planungssichere Finanzierungsstruktur für die Wasserstraßen den größten Beschleunigungseffekt haben dürfte. Diese sei von der Bundesregierung im Koalitionsvertrag zugesagt worden und müsse schleunigst umgesetzt werden.
ISW-Sprecher Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB), sieht neben dem Ausbau der Infrastruktur auch kurzfristige Handlungsmöglichkeiten des Bundes. „Die Förderung von niedrigwasseroptimierten Binnenschiffen ist eine vergleichsweise schnell greifende Maßnahme, um bei zukünftigen Dürreperioden die Schifffahrt länger aufrechtzuerhalten und Lieferketten zu schützen. Die Förderung des Bundesverkehrsministeriums hilft den kleinen und mittelständischen Unternehmen, ihre Schiffe für flache Gewässer umzubauen. Es freut mich, dass Bundesverkehrsminister Bilger die Förderung auf hohem Niveau fortsetzen möchte. Parallel hierzu sollte über das Bundeswirtschaftsministerium ein Neubauprogramm für diese Schiffstypen konzipiert werden. Zurzeit gibt es nur zwölf solcher Schiffe in Deutschland. Das ist viel zu wenig.“
Die ISW appelliert an den Bund, Klimaresilienz, Planungskapazitäten, Finanzierung und beschleunigte Projektumsetzung zusammen zu denken. Nur so lassen sich die Leistungsfähigkeit der Wasserstraße sichern und die Folgen künftiger Niedrigwasserphasen für Wirtschaft und Verbraucher begrenzen.
Das Infrastruktur-Zukunftsgesetz ist ein großer Schritt in die richtige Richtung