ZfP Südwürttemberg Gedächtnissprechstunde in Biberach; Frühe Diagnostik ermöglicht Behandlung und Krisenvermeidung
Neue Gedächtnissprechstunde in Biberach/
Damaris Klass (links) und Rebecca Schneider sind Teil des interdisziplinären Teams der Gedächtnissprechstunde am ZfP-Standort Biberach.
Früher erkennen, gezielt behandeln und Betroffene sowie Angehörige von Anfang an begleiten: Mit der Gedächtnissprechstunde erweitert das ZfP Südwürttemberg in Biberach das ambulante Angebot für Menschen mit Gedächtnisproblemen und Demenzerkrankungen.
Wenn Namen häufiger entfallen, Termine vergessen werden oder Angehörigen Veränderungen im Verhalten auffallen, ist die Verunsicherung oft groß. Handelt es sich um normale Altersvergesslichkeit oder steckt eine Erkrankung dahinter? „Viele Menschen warten sehr lange, bis sie sich Hilfe suchen – häufig so lange, bis bereits eine akute Krise entstanden ist“, erklärt Damaris Klass, Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie. Oft kämen Betroffene erst dann in die Klinik, wenn sie ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen könnten. „Dabei eröffnet gerade eine frühe Diagnostik wichtige Behandlungsmöglichkeiten und gibt Betroffenen sowie Angehörigen Zeit, sich auf die veränderte Lebenssituation einzustellen.“
Nicht jede Gedächtnisstörung ist eine Demenz. Auch Depressionen, Vitaminmangel oder andere körperliche Erkrankungen können ganz ähnliche Beschwerden verursachen und sind teilweise gut behandelbar. Wird tatsächlich eine Demenz-Erkrankung festgestellt, können Medikamente den Krankheitsverlauf verlangsamen und Gedächtnis sowie Konzentration stabilisieren. Umso wichtiger sei eine sorgfältige Abklärung, so die Fachärztin: „Es geht nicht nur darum, eine Demenz festzustellen, sondern zunächst andere Ursachen auszuschließen und die richtige Diagnose zu finden.“
Dafür setzt die Gedächtnissprechstunde in Biberach auf eine strukturierte und umfassende Diagnostik. Neben klassischen Gedächtnistests kommen standardisierte neuropsychologische Verfahren zum Einsatz, mit denen sich Art und Ausmaß der kognitiven Einschränkungen genauer bestimmen lassen. Nach einem ausführlichen Erstgespräch, zu dem möglichst auch Angehörige mitkommen sollten, folgen körperliche Untersuchungen, Laboruntersuchungen und bildgebende Diagnostik. „Gerade die Angehörigen spielen bei der Diagnostik eine ganz entscheidende Rolle“, betont Klass. Menschen mit einer beginnenden Demenz nähmen Veränderungen häufig selbst gar nicht wahr. Oft seien es Ehepartner oder Kinder, denen auffalle, dass die Vergesslichkeit zunimmt oder sich das Verhalten verändert. Besteht weiterer Abklärungsbedarf, arbeitet das Team mit spezialisierten Einrichtungen wie dem Universitätsklinikum Ulm zusammen.
Beratung für Betroffene und Angehörige
Ein wichtiger Bestandteil der Gedächtnissprechstunde ist die Begleitung nach Abschluss der Diagnostik. „Eine Demenz betrifft immer die ganze Familie“, betont Rebecca Schneider, pflegerische Leiterin der Station 1071 am Standort Biberach. Deshalb arbeitet in der Gedächtnissprechstunde ein multiprofessionelles Team aus Ärzt:innen, Pflegefachkräften, Psycholog:innen und Mitarbeitenden des Sozialdiensts eng zusammen.
So erhalten Betroffene und ihre Angehörigen frühzeitig medizinische, psychologische und sozialrechtliche Beratung sowie Unterstützung bei der Organisation passender Hilfsangebote. Gemeinsam mit dem Pflegestützpunkt des Landkreises Biberach, dem Netzwerk Demenz und weiteren Kooperationspartnern informiert das Team zudem über Vorsorgevollmachten, Beratungsstellen für Selbsthilfegruppen, ambulante Versorgungsmöglichkeiten und weitere Unterstützungsangebote. „Ziel ist es, Menschen mit einer Demenzdiagnose und ihre Angehörigen von Anfang an zu begleiten und nicht mit ihren Fragen und Sorgen allein zu lassen“, so Schneider.
Normale Altersvergesslichkeit müsse nicht beunruhigen, ergänzt die Fachärztin. Wenn jedoch Angehörige bemerkten, dass sich Gedächtnis, Orientierung oder Persönlichkeit eines Menschen zunehmend veränderten, sollte dies ärztlich abgeklärt werden. Auch Verhaltensänderungen könnten erste Hinweise auf eine Demenzerkrankung sein. „Unser Wunsch ist, dass die Menschen nicht erst dann zu uns kommen, wenn nichts mehr geht“, so Klass. „Wir möchten sie früh begleiten, gemeinsam Perspektiven entwickeln und verhindern, dass eine Krise überhaupt erst entsteht.“
Für die Vorstellung in der Gedächtnissprechstunde ist eine Überweisung durch die Hausärztin oder den Hausarzt erforderlich. Bereits vorhandene Befunde, Laborwerte oder bildgebende Untersuchungen sollten zum Termin mitgebracht werden, damit diese in die Diagnostik einbezogen werden können und unnötige Doppeluntersuchungen vermieden werden. Die Sprechstunde findet derzeit mittwochs und donnerstags am Nachmittag statt. Eine Terminvereinbarung ist Montag bis Freitag von 8.30 bis 11 Uhr sowie Montag, Dienstag und Donnerstag von 14 bis 15.30 Uhr unter 07351-5047-169 möglich.