Unternehmerinnen und Unternehmer diskutieren KI im Mittelstand in Ilmenau; Führung bleibt verantwortlich, nicht IT-Abteilung.

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Rückblick: KI im Mittelstand: Warum Abwarten keine Strategie mehr ist

Wie viel Künstliche Intelligenz braucht ein Unternehmen – und wie viel KI-Kompetenz braucht die Geschäftsführung? Darüber diskutierten Unternehmerinnen und Unternehmer beim BVMW-Format „Geschäftsführer unter sich“ am 18. August 2026 in Ilmenau, dem fünften Treffen aus der Eventreihe. Gastgeber war die Shirtschleuder , die konkrete Einblicke gab, wie Digitalisierung, Automatisierung und KI bereits heute im Unternehmensalltag eingesetzt werden.

Im Mittelpunkt standen keine Zukunftsszenarien, sondern praktische Erfahrungen – und die Frage: Was müssen mittelständische Unternehmen jetzt tun, um wettbewerbsfähig zu bleiben?

KI ist längst mehr als ChatGPT

Schnell wurde deutlich: Wer bei KI nur an Texte oder Bilder denkt, greift zu kurz. KI kann heute direkt in betriebliche Abläufe eingebunden werden.

Bei der Shirtschleuder kommen beispielsweise mehrere KI-Agenten mit eigenen Namen und virtuellen Figuren zum Einsatz. Das soll die digitalen Helfer für Mitarbeitende greifbarer machen und die Akzeptanz erhöhen. Entscheidend bleibt dabei der konkrete Nutzen: Mitarbeitende akzeptieren neue Technologien vor allem dann, wenn sie erkennen, wie diese ihre Arbeit erleichtern und dem Unternehmen helfen.

Spezialisierte Agenten können beispielsweise Aufgaben im Bereich Compliance übernehmen. Andere Anwendungen reichen weiter: Aufträge können im Hintergrund angenommen, verarbeitet und Folgeprozesse bis hin zu Bestellungen angestoßen werden. Auch in der Produktion ergeben sich neue Möglichkeiten. Maschinen können mit Sensoren ausgestattet werden, deren Daten eine KI auswertet. So lassen sich Zustände und Kapazitäten überwachen und beispielsweise Wartungsbedarfe frühzeitig erkennen.

Prozesse neu denken statt nur Software einkaufen

Digitalisierung bedeutet dabei nicht automatisch, immer mehr Standardsoftware einzusetzen. Bei der Shirtschleuder wurde eine SaaS-Lösung unter anderem aufgrund mangelnder Flexibilität und hoher Kosten abgeschafft. Mit Werkloop entstand stattdessen eine eigene Lösung für digitales Workwear-Management — die 360° Plattform für Arbeitsbekleidung für Industrie, Handwerk und Gewerbe ohne Mindestlaufzeit und ohne Knebelvertrag.

Dahinter steckt eine strategische Frage, die viele Mittelständler betrifft: Welche Prozesse wollen wir selbst gestalten, wo automatisieren wir und wo macht uns eine externe Lösung möglicherweise unnötig abhängig? KI und Digitalisierung werden damit immer stärker Teil des Geschäftsmodells und der Unternehmensstrategie.

Eine zentrale Erkenntnis des Abends lautete deshalb: KI lässt sich nicht einfach an die IT delegieren.

Geschäftsführer müssen nicht selbst zu KI-Spezialisten werden. Die Teilnehmer und Teilnehmerinnen des Abends waren sich dabei einig: Sie sollten aber verstehen, was im eigenen Unternehmen mit KI geschieht, welche Daten eingesetzt werden, welche Aufgaben Systeme übernehmen dürfen und wo Grenzen liegen.

Auch Weiterbildungen zum KI-Manager können helfen, Kompetenz im Unternehmen aufzubauen, berichtete ein teilnehmender Geschäftsführer aus seinem produzierenden Unternehmen. So bleibt die strategische Verantwortung bei der Unternehmensleitung. Das ist besonders anspruchsvoll, weil manche Unternehmen bereits bei der klassischen Digitalisierung Nachholbedarf haben – während sich KI gleichzeitig mit hoher Geschwindigkeit weiterentwickelt.

Und KI löst klassische Führungsprobleme nicht automatisch: Wie gelingt Delegation? Wie schaffen wir es, dass Mitarbeitende Verantwortung übernehmen? Wie investieren wir in Innovation, wenn gleichzeitig Liquidität fehlt? Technologie kann Prozesse verbessern. Führung und unternehmerische Entscheidungen ersetzt sie nicht. Auch das wurde an dem Abend deutlich.

Stehen wir uns in Deutschland selbst im Weg?

Diese Frage wurde im Austausch durchaus kritisch diskutiert.

Unternehmen müssen immer mehr Zeit und Ressourcen für Bürokratie, Regulierung und zusätzliche Anforderungen aufbringen. Gleichzeitig entsteht bei neuen Technologien schnell eine Debatte darüber, welche Risiken bestehen und was möglicherweise nicht funktionieren könnte.

Natürlich braucht KI Regeln, klare Verantwortlichkeiten und einen bewussten Umgang mit Daten. Problematisch wird es jedoch, wenn Unternehmen vor lauter Absicherung gar nicht erst anfangen. Während in anderen Ländern häufig zunächst ausprobiert, gelernt und anschließend verbessert wird, beschäftigen wir uns in Deutschland mitunter sehr lange damit, warum etwas schwierig sein könnte.

Im internationalen Wettbewerb kann genau das zum Problem werden. Es geht deshalb nicht darum, Risiken auszublenden. Es geht darum, wieder stärker in Lösungen zu denken, Entscheidungen zu treffen und ins Handeln zu kommen. Denn mittelständische Unternehmen aus Thüringen konkurrieren längst international. Produktivität, Innovationsfähigkeit und Geschwindigkeit werden dabei zunehmend zu entscheidenden Faktoren.

Nicht jedes Unternehmen muss jedem KI-Trend folgen. Aber kein Unternehmen sollte die Entwicklung ignorieren. Wer sich jetzt nicht mit KI, Automatisierung und der Optimierung seiner Prozesse beschäftigt, riskiert, im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren. Und das nicht erst in 5 Jahren. Digitalisierung und KI beschleunigen jede Entwicklung exponentiell. Genau dafür braucht es den offenen Austausch zwischen Unternehmerinnen und Unternehmern: Welche Lösungen funktionieren bereits? Wo liegen Grenzen? Was können andere Unternehmen daraus lernen?

Das BVMW-Format „Geschäftsführer unter sich“ bietet dafür den passenden Rahmen – praxisnah, offen und auf Augenhöhe.

Wir freuen uns auf die nächste Runde, die immer bei anderen Unternehmen und in wechselnder Besetzung stattfindet.

Sie wollen dabei sein? Dann melden Sie sich bei mir.

Offener Austausch beim Mittelstand in Ilmenau

Neue Partner, neue Wege, neue Möglichkeiten