Sächsischer Schützenbund wählte Diana Dietrich zur Präsidentin auf dem 23. Landesschützentag 2026; erste Frau an der Verbandsspitze

75 Jahre Wiedergründung DSB: Die Traditionen des Sächsischen Schützenbundes

75 Jahre Wiedergründung DSB: Die Traditionen des Sächsischen Schützenbundes

Die Schützentradition und das Brauchtum sind neben dem Sport ein fester und wichtiger Bestandteil der Schützenkultur im Deutschen Schützenbund, in den Landesschützenverbänden und ihren Untergliederungen. Schützentraditionen und Bräuche können dabei sehr unterschiedlich sein, wie die verschiedenen Beiträge der Landesverbände zeigen, die das gesamte Jahr über zum 75-jährigen Jubiläum der DSB-Wiedergründung veröffentlicht werden. Dieses Mal ist der Sächsische Schützenbund an der Reihe, der über die Aktivitäten des Landesverbandes berichtet.

Der Sächsische Schützenbund wurde als einer der ersten schießsportlichen Landesverbände der neuen Bundesländer am 18. April 1990 in Leipzig gegründet. Insgesamt 50 Personen nahmen an der Gründungsversammlung teil. Dazu gehörten 39 Delegierte der drei sächsischen Regierungsbezirke, Ehrengäste und offizielle Vertreter des DSV. Unter der Losung „Brauchtum – Hobby – Sport“ sollte der sächsische Schießsport nach dem Ende der DDR wiederaufgebaut und an alte Traditionen angeknüpft werden.

Der SSB trat damit in die Fußstapfen des 1893 begründeten und unter dem Protektorat des sächsischen Königshauses stehenden Sächsischen Wettin-Schützenbund. Der Wettinschützenbund ging im Juli 1933 unfreiwillig im Gau V, Sachsen, des Deutschen Schützen-Verbandes auf. Ein Jahr später wurde seine formale Auflösung endgültig beschlossen. Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war ein schießsportlicher Landesfachverband in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR undenkbar. Mit der Gründung 1990 schloss sich eine über ein halbes Jahrhundert bestehende traditionelle Zwangspause.

Dem SSB gehörten im Gründungsjahr elf Vereine mit 400 Mitgliedern an. Als ersten Präsidenten wählten die Vereinsvertreter Dr. Hannes Kratzer, als Vizepräsidenten Prof. Erich Bauer und Wilhelm Fischer. Auf dem 40. Deutschen Schützentag in Nürnberg wurde der SSB in den DSB aufgenommen.

Die Mitgliederzahl des SSB stieg stetig an. Derzeit bietet der sächsische Landesfachverband rund 18.000 Schützen in 365 Vereinen eine schießsportliche Heimat.

Die Landesschützentage des Sächsischen Schützenbundes Seit seiner Gründung im April 1990 veranstaltet der SSB regelmäßig Landesschützentage an wechselnden Austragungsorten. Ab dem Jahr 2002 finden sie im Zwei-Jahres-Turnus statt. Lediglich 2022 musste der Landesschützentag pandemiebedingt ausfallen. Jedem Verein ist es möglich, sich für die Ausrichtung zu bewerben. Anschließend beschließt der Gesamtvorstand den Austragungsort und den ausrichtenden Verein. Die Landesschützentage bestehen aus einer Feierstunde und der Delegiertenversammlung. An der mit einem Fahneneinmarsch beginnenden Feierstunde nahmen bereits zahlreiche Größen aus Politik, Gesellschaft und Sport als Ehrengäste teil. Seit 1996 ist es Brauch, dass der Bürgermeister des vorangegangenen Austragungsortes das Traditionsbanner des SSB feierlich an seinen Amtskollegen des aktuellen Festortes übergibt. Dieser verwahrt das Banner an einem öffentlich zugänglichen Ort bis zum nächsten Landesschützentag.

Als oberstes Organ des SSB besteht die Delegiertenversammlung satzungsgemäß aus den Mitgliedern des Gesamtvorstandes, den Delegierten der Vereine entsprechend des Delegiertenschlüssels, den Rechnungsprüfern, den Jugendsprechern und den Ehrenmitgliedern. Sie nimmt die Jahresberichte des Präsidenten, der Vizepräsidenten Finanzen und Sport sowie der Rechnungsprüfer entgegen. Die Delegierten entlasten das Präsidium, beschließen den Haushaltsplan, setzten Mitgliedsbeiträge fest, entscheiden über Satzungsänderungen und die Auflösung des Verbandes. Weiterhin obliegt ihnen aller vier Jahre die Wahl der Rechnungsprüfer und der Präsidiumsmitglieder (mit Ausnahme des Vizepräsidenten Jugend).

So wählten sie 1990 Dr. Hannes Kratzer, 1994 Prof. Dr. Erich Bauer, 2002 Frank Kupfer und 2022 Roland Ermer zu ihren Präsidenten. Auf dem 23. Landesschützentag 2026 wurde erstmals eine Frau, Diana Dietrich, an die Verbandsspitze gewählt.

  1. Landesschützentag 1990 in Leipzig 2. Landesschützentag 1991 in Leipzig 3. Landesschützentag 1993 in Eilenburg 4. Landesschützentag 1994 in Plauen 5. Landesschützentag 1995 in Reichenbach

OL 6. Landesschützentag 1996 in Schneeberg 7. Landesschützentag 1997 in Neumark 8. Landesschützentag 1998 in Weißwasser 9. Landesschützentag 1999 in Zwenkau 10. Landesschützentag 2000 in Leipzig 11. Landesschützentag 2001 in Kamenz 12. Landesschützentag 2002 in Bad Muskau 13. Landesschützentag 2004 in Gersdorf 14. Landesschützentag 2006 in Hoyerswerda 15. Landesschützentag 2008 in Burgstädt 16. Landesschützentag 2010 in Oschatz 17. Landesschützentag 2012 in Zwickau 18. Landesschützentag 2014 in Burkhardtsdorf 19. Landesschützentag 2016 in Burgstädt 20. Landesschützentag 2018 in Borsdorf 21. Landesschützentag 2022 in Zschopau 22. Landesschützentag 2024 in Kamenz 23. Landesschützentag 2026 in Hainichen

Während der ersten Landesschützentage fanden parallel besondere kulturelle Höhepunkte, Ausstellungen oder Schützenumzüge statt. Um diese Traditionen wieder aufzugreifen, beschloss das Präsidium, die Landesschützentage und die Treffen Sächsischer Schützenvereine ab 2022 als größere gemeinsame Veranstaltung abzuhalten.

Die Treffen Sächsischer Schützenvereine Im Rahmen der Brauchtumspflege fanden seit 1993 bereits 19 Treffen Sächsischer Schützenvereine statt. Analog den Landesschützentagen kann sich auch dafür jede Mitgliedsvereinigung bewerben. Wünschenswert, aber nicht Voraussetzung, ist die Einbettung der Veranstaltung in ein regionales Fest. Anfangs jährlich abgehalten, entschied man schließlich, die Treffen ab 1998 aller zwei Jahre zu veranstalten, seit 2003 immer im auf einen Landesschützentag folgenden Jahr. Für Ausfälle sorgten das Hochwasser im Jahr 2013 und die strengen Hygieneauflagen infolge der Coronapandemie 2021. Seit 2022 werden die Landesschützentage mit den Treffen Sächsischer Schützenvereine an einem Tag gemeinsam abgehalten.

Auf die teilnehmenden Schützen warten bei den Treffen verschiedenste kulturelle Rahmenprogramme. Dazu gehörten bereits verschiedene schützenhistorische Ausstellungen, große Festumzüge, Zapfenstreiche, Kanonentreffen, Schützenbälle, Biwaks, Schützenappelle mit Vertretern aus Politik, Sport und Gesellschaft, Andachten und Gottesdienste, Böllertreffen oder Höhenfeuerwerke.

Die Nachwuchsschützen haben die Möglichkeit, das Festwochenende im Zeltlager des Jugendcamps zu verbringen. Zur Erinnerung an die Schützentreffen gab und gibt es Erinnerungsmedaillen und Fahnenbänder.

I. Treffen Sächsischer Schützenvereine 1993 in Waltersdorf II. Treffen Sächsischer Schützenvereine 1994 in Annaberg-Buchholz III. Treffen Sächsischer Schützenvereine 1995 in Penig IV. Treffen Sächsischer Schützenvereine 1996 in Zwickau V. Treffen Sächsischer Schützenvereine 1997 in Plauen VI. Treffen Sächsischer Schützenvereine 1998 in Hoyerswerda VII. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2000 in Kirchberg VIII. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2003 in Belgern IX. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2005 in Brand-Erbisdorf X. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2007 in Waltersdorf XI. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2009 in Zschopau XII. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2011 in Bad Muskau XIII. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2013 in Nerchau (Absage aufgrund Hochwasser) XIV. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2015 in Zschopau XV. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2017 in Geyer XVI. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2019 in Kamenz XVII. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2022 in Zschopau XVIII. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2024 in Kamenz XIX. Treffen Sächsischer Schützenvereine 2026 in Hainichen

Das Landeskönigsschießen Ein weiterer alljährlicher traditioneller Höhepunkt ist das Landeskönigsschießen des SSB. Dieses findet seit 1993 statt. Zur Ermittlung der Landesschützenkönige treten die Majestäten der Schützenkreise in den Altersklassen Schützenkönig, Schützenkönigin und Jungschützenkönig mit Druckluftwaffen an die Feuerlinie. Der Schütze mit dem niedrigsten Teiler erringt die Königswürde der jeweiligen Wertungsklasse und wird zur Feierstunde des Landesschützentages feierlich proklamiert. Aus den Wertungsklassen Schützenkönig und Schützenkönigin wird die Person mit dem besten Schuss zum Landesschützenkönig gekürt.

Jede Majestät erhält ein Königsabzeichen mit Verbandswappen und Jahresanhänger als Auszeichnung überreicht. Eine Besonderheit des SSB sind die mit Verbandswappen und goldener Beschriftung bestickten grünen Schärpen für die Sieger jeder Wertungsklasse. Der Landesmajestät wird eine grün-weiße Königsschärpe überreicht.

Der Landesschützenkönig bzw. die Landesschützenkönigin vertritt den SSB beim Bundeskönigsschießen des Deutschen Schützenbundes. Zwei sächsische Landesschützenkönige und drei Jungschützenkönige errangen bereits Bundeskönigswürden: Ulrike Siora (1994) und Christoph Ritter (2025) wurden Bundesschützenkönig, René Haenel (2003), Oswald-Christian Hentschel (2014) und Celina Hambuch (2014) Bundesjungschützenkönige.

Ein besonderes Novum erwartet die Teilnehmer des Landeskönigsschießen in diesem Jahr. Erstmals wird es im Oktober einen großen Landeskönigsball in Oschatz geben.

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