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title: "Felicitas, 9. Klasse gewinnt 1. Platz beim Schreibwettbewerb 2025/26 'Leben in Fülle' am Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasium; Jury ehrt Schülerin mit erstem Platz."
sdDatePublished: "2026-08-19T12:41:00Z"
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Felicitas, 9. Klasse gewinnt 1. Platz beim Schreibwettbewerb 2025/26 'Leben in Fülle' am Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasium; Jury ehrt Schülerin mit erstem Platz.

Schreibwettbewerb 2025/26
„Leben in Fülle“
Die prämierten Texte der Schülerinnen und Schüler
Jury: Schülerinnen des Erzbischöflichen Maria-Ward-Gymnasiums
Gruppe der Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 5 bis 9:
1. Platz: „Fenster zum Leben“ von Felicitas, 9. Jahrgangsstufe
(S. 2-5)
2. Platz: „Tanz mit mir“ von Lara, 7. Jahrgangsstufe
(S. 6 -8 )
3. Platz: „Gott im Schnee“ von Maria, 9. Jahrgangsstufe
(S. 9-1 4 )
Gruppe der Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgangsstufen 10 bis 13:
1. Platz: „Anders als gedacht“ von Dana, 10. Jahrgangsstufe
(S. 1 5-1 8 )
2. Platz: „Ein Leben in Fülle“ von Elisabeth, 12. Jahrgangsstufe
(S. 1 9-20 )
3. Platz: „Nicht ganz weg“ von Julia, 11. Jahrgangsstufe
(S. 21 -23 )
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Fenster zum
Leben
Felicitas, 9. Klasse
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Das Tor zum Leben ist schon lange zu, der Schlüssel unauffindbar und selbst wenn er
irgendwann wieder einmal auftauchen würde, hätte das knarzende Tor erst einmal eine
Ölung nötig. Die alte, wohlhabende Dame sitzt an ihrem weiß lackierten Küchentisch, in der
Mitte ein silbern-glänzender Kerzenständer, vor dem Fenster mit den stilvollen
Seidenvorhängen. Schneeweiß, kein verspieltes Punktemuster, kein romantisches
Rosenmuster, einfach nur weiß. Ja, ein gutes Leben hat sie, meint die alte Dame, reich,
gesund und das Glück immer auf ihrer Seite. Vor dem Fenster im 1. Stock sitzt sie, weit über
den anderen, vor dem Fenster zum Leben, aber bei einem Fenster bleibt es eben auch, nur
gucken nicht anfassen, nur stille Beobachterin statt Teilnehmerin, nur von oben herab statt
gemeinsam und miteinander, abseits.
Ihre Definition, das, was sie erfülltes Leben nennt, ist die Schmuckschatulle, die vor lauter
goldenen Ketten, Ohrringen und Diamanten fast überquillt, ein vom Personal perfekt
gepflegter Pool, der schon lange nicht mehr genutzt wurde, eine Garage, in der die Autos fast
schon gestapelt werden müssen. Aber wohin fahren, wenn der Schlüssel zum Tor des Lebens
fehlt? Eine so dünne Krankenakte, dass sie einen Umwelt-Preis für Papiersparen erhalten
könnte und eine Krankenversicherung fast schon überflüssig ist, das aber natürlich keine
Rolle spielt, weil man sich‘s ja leisten kann, ihre Mundwinkel jedoch weder wissen, was
Lachen ist, noch ihre Augen, was es bedeutet zu weinen, drei prächtige, erfolgreiche Kinder
aus erster Ehe, Anwältin, Arzt und Firmenchef, von denen kein einziges Bild an ihrer sorgfältig
gestrichenen, ästhetischen, kargen Wand hängt, die sie Weihnachten 2012 nicht mehr
gesehen, geschweige denn in den Arm genommen hat.
Sie blickt gebannt aus dem Fenster. Ein paar Häuser weiter sieht sie fünf, vielleicht sind es
auch sechs, Rentnerinnen und Rentner im Garten der Sozialhilfeeinrichtung, oder wie auch
immer sie die Bruchbude dahinten nennen, am Tisch sitzen und Karten spielen. Bescheiden
gekleidet, hässliche, von der Sonne gebleichte Karo-Hemden und ausgeleierte Blusen mit
halb aufgelösten Stickmustern, arm und schlecht beinander, hässliche, tiefe Falten im ganzen
Gesicht, können sich nicht mal mehr ein Sterben in Würde leisten die da hinten, ihr Leben ist
vorbei, ohne Wenn und Aber, denkt die alte Dame, ohne dabei in die Gesichter der Alten zu
blicken. Wie die kleinen Kinder sitzen sie da, funkelnde Augen, wenn es eine oder einer von
ihnen geschafft hat den Gras-Ober in die Menge zu spielen, kichern und ziehen Asse aus den
Ärmeln, den Ärmeln der Kleidung, die sie schon so oft bei strahlendem Sonnenschein tragen
durften. Da sitzen sie, das Gesicht voller Lachfalten. Als sie die stille Beobachterin erblicken,
werfen sie sich einen Blick zu, nehmen das rosafarbene Seil, das in der Mitte des Tisches
liegt, und stehen auf.
Sie blickt gebannt aus dem Fenster. Dahinten auf dem Gehsteig kommt der kleine
Nachbarsjunge von drei Häusern weiter angerollt, seine Atemflasche hinten im Rollstuhl
verstaut und ein grünes Seil auf den Knien liegend. Höchstens noch drei Jahre wurden dem
Kleinen gegeben, das hatte die alte Dame mitbekommen, als sich der Vater des Jungens mit
seinem besten Freund vor ihrem Fenster im 1. Stock darüber unterhalten hat, wie sie dem
Kleinen das intensivste, erfüllteste und glücklichste Leben aus drei Jahren zusammenbasteln
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können. Warum darüber nachdenken?, denkt die alte Dame, der Kleine ist krank, also ist sein
Leben vorbei, ohne Wenn und Aber.
Doch um ihre Augen hat sich schon seit langem ein grauer Schleicher gelegt, darum kann sie
die Wahrheit nicht sehen.
Der Kleine sitzt in seinem Rollstuhl neben der prachtvoll blühenden Wiese, die einen
ziemlichen Kontrast zu dem perfekt gepflegten Englischen Rasen der alten Dame aufweist.
Allerhand Schmetterlinge, Bienen und Hummeln schwirren umher. Der Kleine streckt sein
dürres Ärmchen aus und wartet. Die zarte, so fragile Gestalt eines Schmetterlings mit
kunstvoll bemalten Flügel lässt sich auf seinem Zeigefinger nieder.
Strahlende, vor Freude glänzende Augen, ein glückliches Lächeln, während der Kleine
zusieht, wie der Falter gen Himmel fliegt. So frei wie der Schmetterling fliegt auch der Kleine
durchs Leben, frei von allen Zwängen, frei von Angst vorm Leben, voller Hoffnung, Zuversicht,
Neugierde und Dankbarkeit für die kleinen Dinge im Leben, im Hier und Jetzt. Als er die stille
Beobachterin erblickt, löst er die Bremsen seines Rollstuhls und rollt.
Sie blickt gebannt aus dem Fenster. Dahinten im Park sieht sie eine junge Familie, zwei
Mütter mit ihrem Kind im Kinderwagen, an dem ein blaues Seilstückchen baumelt. Wobei
Familie sind sie nunmal nicht und IHR Kind ist es erst recht nicht, meint die Frau. Ein
Kuckucks-Kind, nichts weiter, in der Babyklappe abgegeben und jetzt bei diesen Möchtegern-
Mamas. Das arme kleine Ding, denkt die Frau, nie wird es seine echten Eltern kennenlernen,
nie die Wärme spüren, die es braucht, nie wird ihm sein Papa Schwimmen oder
Fahrradfahren beibringen können, bei Fremden aufwachsen, sein Leben ist vorbei, bevor es
überhaupt begonnen hat, ohne Wenn und Aber.
Und dabei überhört sie vollkommen das Kleine, das auf seine Mutter zeigt: „Mama“, sagt es
mit süßer Stimme, wie sie nur Babys haben und gluckst. „Und Mami“, ruft es schließlich mit
strahlenden Kinderäuglein und apfelroten Bäckchen und kichert keck. Als der liebevolle Blick
der Frauen den der alten Dame trifft, machen sie eine Kertwende.
Und da stehen sie nun alle: die Alten, der Kleine von nebenan und die Möchtegern-Mamas
mit ihrem kleinen Kuckuck, vor dem Fenster zum Leben. Ertappt. Die alte Dame blickt in das
tieftraurige Gesicht des Jungen, die schlechtgelaunten Gesichter der Alten und auf die
trostlosen Gestalten, die sich Familie nennen. Ja so, so hat sie sie in Erinnerung, so ist es
nunmal, ein furchtbares Leben haben sie, denkt die alte Dame. Ach du Schreck!, sie zuckt
zusammen, wo kommen diese Menschen auf einmal her? Plötzlich stehen dort Fremde,
Fremde, deren Mundwinkel eine auf die alte Dame fremd wirkende Position eingenommen
haben - breites glückliches Lächeln. Fremde, deren Leben vorbei ist, weil sie arm, krank und
anders sind, ohne Wenn und Aber, elendig. Aber halt, was tun sie denn da?
Aus den kleinen Seilstücken ist rasch ein langes Seil geknotet, dessen Ende sich wie von
selbst fest an die Regenrinne nahe des Fensters zum Leben gewickelt hat. Das Seil ist bunt,
das Leben ist bunt, nicht nur schwarz oder weiß, nicht nur gut oder böse, nicht nur „wir“ und
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„die Anderen”. Ein Seil der Fülle ist es, aus dem rosa Band der Dankbarkeit für die
gemeinsamen Momente im Leben, aus dem grünen Band der Hoffnung, auch wenn das
Leben von Krankheit und Tod bestimmt ist, und aus dem gelben Band der Wärme, der
bedingungslosen Liebe zu seinem Nächstem und seiner Nächsten.
Denn Gottes Definition von Glück, das, was Gott Fülle nennt, ist, wenn Menschen weder
blind noch taub sind für die unendliche Liebe, die sich sowohl seine großen als auch seine
kleinen Kinder einander entgegenbringen und die sich oft in den kleinen Dingen zeigt, in der
Dankbarkeit für jede noch so unbeschwerte Minute, für jeden Sonnenstrahl, für 10 Jahre in
dieser Welt, die so ausgekostet werden wie 100, in der Leichtigkeit des Schmetterlings, der
durch das Leben flattert und den niemand aufhalten kann, in der Wärme, die sich Menschen
einander schenken und einander bereichern, nicht an Geld, sondern an Glück, wenn
Gemeinschaft entsteht.
Da stehen sie nun immer noch: die alten, kindlichen Frohnaturen, der Junge mit den
strahlenden Augen und die Mamas mit ihrem Kind.
Noch zögert die alte Dame, doch das Fenster zum Leben ist bereits einen Spalt weit geöffnet.
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,,Tanz mit mir!“, schien der Mond zu flüstern. Groß und schön, wie er dort oben am
Himmel thronte. So frei, so mächtig. ,,Ein andermal.“, wisperte ich in die Dunkelheit, ,,ich
verspreche es dir, ein andermal.“ Meine Arme froren, als der kühle Nachtwind durch das
dünne Nachthemd zog. Ich sog das ruhige Licht des Mondes in mich auf, bevor ich
wackelnd aufstand und über den schmalen Sims des Daches zurückschlenderte. Zurück
durch das offenstehende Fenster, zurück in die Realität. Auf leisen Sohlen schlich ich
hinüber zu meinem Bett, bedacht darauf, niemanden zu wecken. Tapsend stieg ich in
mein knarzendes Bett. Während ich wegdöste, hoffte ich, in meinen Träumen mit dem
Mond tanzen zu können. Doch diese Hoffnung löste sich in dem stinkenden Rauch auf,
als ich von der Nacht des Feuers träumte. Wieder und wieder.
Der nächste Morgen verlief genau so, wie man sich einen Morgen in einem christlichen
Waisenhaus vorstellte, und genau so, wie die letzten 487 Morgen meines Lebens. Beten,
Frühstück, Schule, Beten. Die Zeit verging kriechend, als würde sie mich ärgern wollen.
Wollte sie vielleicht auch, wer weiß das schon. Als Schwester Mariam den Unterricht
endlich beendete, vernahm ich von hinter mir eine wohlbekannte, quiekende Stimme:
,,Hey! Lysa!“ Elsi stolperte neben mich, ihre runde Brille war leicht verrutscht. ,,Wo
warst du gestern Abend? Ich bin aufgewacht und du warst nicht in deinem Bett.“ Mist.
Ich wurde also doch erwischt. Wenn auch nur von meiner besten Freundin. ,,Toilette“,
erwiderte ich knapp. ,,Ach, ist das so?“, murmelte Elsi prüfend, ließ dann aber
glücklicherweise von dem Thema ab. Elsi war das genaue Gegenstück zu mir. Sie war
optimistisch, aufgeweckt und lachte viel. Nur in einem Punkt waren wir gleich, Elsis
Eltern waren bei einem Flugzeugabsturz vor fünf Jahren ums Leben gekommen. Oft
fragte ich mich, ob es das war, was uns so verband, oder all unsere Unterschiede.
Vermutlich beides. Ein Murmeln riss mich aus meinen Gedanken: ,,Komm mal mit, ich
muss dir was zeigen.“ Erschrocken starrte ich sie an: ,,Aber … aber wir haben doch noch
Unterricht. Das können wir doch nicht ma-“ Schon hatte Elsi meine Hand genommen
und zog mich davon. Davon durch die bedrückenden Flure, durch die uralte Tür hinaus
ins Freie. Doch wir blieben nicht stehen, sondern sie zog mich weiter über die giftgrüne
Wiese auf eine majestätische Weide zu. Elsi wusste, dass ich mit diesem Baum
besondere Erinnerungen verband. Die Monate nach dem Feuer war ich oft hier gewesen,
hatte dieser weisen Weide all meine Geschichten erzählt. Jeden Tag. Jeden Tag, bis Elsi
gekommen war. Ich zwang mich, in die Realität zurückzukehren :,,Also was wolltest du
mir zeigen? Oder sind wir nur hier, um Erdkunde zu entgehen?“ Schmunzelnd erwiderte
sie: ,,Auch wenn die Sache mit Erdkunde ein triftiger Grund ist, nein. Das hier. Das
solltest du sehen.“ Sie ging ein paar Schritte und nickte auf den Boden. Zögernd folgte
ich ihr und sah … Es war schwer in Worte zu fassen, was ich sah. Seit Jahren hatte ich
nicht so Schönes mehr gesehen. Sie zwirbelten sich wie beißende Glut und tanzendes,
rotes Feuer zugleich. Sie schienen zu flüstern und zu schreien, zu weinen und zu lachen.
Liebe, Flammen, Trauer, Schmerz. All das verkörperten sie für mich. Elsi hatte die Blume
meiner Mutt