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title: "Bischof Karl-Heinz Wiesemann tritt zurück in Speyer; Papst nahm Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen an"
sdDatePublished: "2026-08-19T15:10:00Z"
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Bischof Karl-Heinz Wiesemann tritt zurück in Speyer; Papst nahm Rücktritt aus gesundheitlichen Gründen an

Bischof Wiesemann tritt zurück – Reformer geht schweren Herzens | katholisch.de

Wilmer: Missbrauchsskandal "hat Dich tief erschüttert"

Bischof Wiesemann tritt zurück – Reformer geht schweren Herzens

VERÖFFENTLICHT AM 19.08.2026 UM 15:55 UHR – VON NORBERT DEMUTH (KNA) – LESEDAUER: 3 MINUTEN

VATIKANSTADT - Der Rücktritt von Bischof Wiesemann mit 66 Jahren wirft nicht nur ein Schlaglicht auf die "Last der Verantwortung" eines Bistumsleiters. Nun fehlt der Kirche in Deutschland auch eine prominente Reformstimme. Ein Porträt.

Mit dem überraschenden Rücktritt des Speyerer Bischofs Karl-Heinz Wiesemann verliert die katholische Kirche in Deutschland eine Stimme für Reformen. Wiesemann setzte sich von Beginn an für das Reformprojekt Synodaler Weg ein und unterstützte dessen Beschlüsse. 2024 mahnte er, dass "Weiterentwicklungen" der katholischen Lehre und "konkrete Reformen" notwendig seien. "Dazu gehören die Suche nach Formen echter Mitberatung und Mitentscheidung aller Gläubigen, eine deutliche Aufwertung der Rolle der Frau, einschließlich eines vertieften Nachdenkens über die Öffnung der Weiheämter für Frauen, sowie das Bemühen um eine veränderte Sexualmoral."

In einem Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) warb er im September 2025 dafür, dass es die Möglichkeit eines Zölibatsgelübdes auf Zeit für angehende Priester – ähnlich wie bei Ordensleuten – geben sollte. Zudem plädierte Wiesemann dafür, dass der Zölibat – also die verpflichtende Ehelosigkeit – "nicht absolut an die Ausübung des Priesterberufes gekoppelt sein" sollte. Warum? "Wir verzeichnen einen Verlust vieler sehr guter Leute, die den Zölibat nicht leben können oder wollen. Und wir verlieren ebenso viele gute Leute, die sich wegen des Zölibats erst gar nicht für den Priesterberuf entscheiden."

"Gott ist Mensch geworden, nicht Mann"

In der Kirche sollte zudem offen über ein mögliches Diakonat der Frau diskutiert werden, fand Wiesemann. Denn heute befinde man sich in einem ganz anderen gesellschaftlichen Kontext als zu früheren Zeiten. "Die Frage nach der Gleichberechtigung von Mann und Frau und nach Gerechtigkeit ist heute sehr wichtig", sagte er und fügte hinzu: "Und wir glauben ja an die Menschwerdung Gottes, nicht an die Mannwerdung Gottes. Gott ist Mensch geworden, nicht Mann."

Doch nun hat der 66-jährige Wiesemann den Papst um seine Entpflichtung vom Amt des Bischofs gebeten – aus gesundheitlichen Gründen, wie das Bistum Speyer am Mittwoch mitteilte. Die "Last der umfänglichen Verantwortung" habe in ihm körperlich und vor allem seelisch "schwerwiegende Spuren hinterlassen", schrieb Wiesemann selbst in einem Brief an die Katholiken im Bistum Speyer. Papst Leo XIV. nahm das Rücktrittsgesuch Wiesemanns an, der seit 2008 als Bischof des Bistums Speyer amtierte.

Bischof Karl-Heinz Wiesemann spricht bei der dritten Synodalversammlung des Synodalen Wegs in Frankfurt.

Der aus Herford in Ostwestfalen stammende Bischof, der nahbar und unkompliziert auftrat und mit jungenhaft-begeisterter Stimme predigen konnte, wurde insbesondere durch den verstörenden Missbrauchsskandal in der Kirche in seinem Selbstverständnis getroffen. "Das Thema des sexuellen Missbrauchs hat Dich tief erschüttert – mit Blick auf die Bundesebene, aber auch in Deinem Bistum", schrieb jetzt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz und Münsteraner Bischof Heiner Wilmer in einem Brief an Wiesemann.

Dabei sei es Wiesemann "um eine transparente und schonungslose Aufarbeitung" gegangen. Eindrücklich habe dieser das Wohl der Missbrauchsbetroffenen in den Vordergrund gestellt "und in diesem Kontext zu Recht Machtstrukturen der Kirche hinterfragt".

Der Missbrauchsskandal hatte bei Wiesemann eine Depression ausgelöst. Auf dem Katholikentag in Würzburg berichtete der Speyerer Bischof im Mai 2026 vor großem Publikum darüber, wie die Erkrankung auch seinen Glauben und sein Selbstbild als Bischof verändert habe . Finanzprobleme und Änderungsprozesse im Bistum, aber insbesondere der Missbrauchsskandal in der Kirche seien ihm so sehr an die Nieren gegangen, dass er krank geworden sei.

"Das zuvor so solide Grundvertrauen in das eigene Leben wurde brüchig", erzählte Wiesemann ungewöhnlich offen. Bereits im Februar 2021 nahm er eine sieben Monate dauernde Auszeit , inklusive zwei Monate Klinikaufenthalt. Mit Sport, Kunst und Musik habe es die Behandlung geschafft, "meine kreativen Quellen wieder freizulegen", berichtet er. Sich selbst beschrieb er als musischen Menschen, der schon früher gern am Klavier improvisiert habe. Er habe dann gelernt, sich auf das Positive, auf das Schöne in der Welt zu konzentrieren.

Am Mittwoch schrieb Wiesemann zu seinem Abschied, ihm sei das "Herz schwer". Was nun für ihn komme, sei noch offen. Sicher sei für ihn jedoch, dass er sich weiterhin mit Leidenschaft für die Verkündigung des Evangeliums einsetzen und als Seelsorger für Menschen da sein wolle. "Nun aber muss ich in meinem Leben noch einmal aufbrechen."

Nach Rücktritt: Bischöfe würdigen Karl-Heinz Wiesemann

Weit vor der üblichen Altersgrenze für Bischöfe: Papst Leo XIV. hat das überraschende Rücktrittsgesuch des Speyerer Bischofs angenommen. Seine Mitbrüder reagieren mit Bedauern, Respekt und Anerkennung.

Seit 2008 war er Bischof von Speyer