Song Lin, chinesischer Chefarzt, Hospitant drei Monate am Klinikum Osnabrück; Neue Impulse für Wirbelsäulenchirurgie
Medizin kennt keine Grenzen: Chinesischer Chefarzt zu Gast am Klinikum Osnabrück
Medizin kennt keine Grenzen: Chinesischer Chefarzt zu Gast am Klinikum Osnabrück
Bild v.li.: Dr. Thomas Krampulz, Prof. Dr. Michael Winking, Dr. Song Lin, Dr. Arnd Georg Hellwig Fotografin: Monika Vollmer
Wenn ein Arzt aus China und ein deutscher Wirbelsäulenchirurg am Osnabrücker Klinikum über moderne Operationsverfahren diskutieren geht es um den Blick über Grenzen hinweg und um die Frage, was beide Seiten voneinander lernen können.
Als sich die Türen zu dem Operationssaal am Osnabrücker Klinikum für ihn öffnen, fällt sein Blick nicht zuerst auf den Patienten, sondern auf die Monitore. Dreidimensionale Bilder drehen sich darauf in Echtzeit, Instrumente werden millimetergenau per Navigation geführt. Für Song Lin, Neurochirurg, ist es ein Klinikalltag, den er so aus seiner Heimat nicht kennt. Der 46-Jährige ist Chefarzt an einem Krankenhaus in der 13- Millionen Metropole Zhengzhou, der Hauptstadt der Provinz Henan in der Volksrepublik China.
„3D-Bildgebungen, navigationsunterstützte oder roboterassistierte Technologien, wie sie hier in der Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum in Osnabrück zum Einsatz kommen, gehören in China längst nicht zum Standard.“ Song Lin zeigt sich fasziniert von der Technik am Finkenhügel, sagt auf englisch, das, was hier selbstverständlich ist, werde in seiner Heimat nur ganz selten eingesetzt.
Der Chinesische Facharzt ist als Hospitant für drei Monate nach Osnabrück gekommen. Zwar hat er in China eine ähnliche Ausbildung absolviert wie seine deutschen Kollegen, dennoch darf er während der Hospitation keine eigenständigen Tätigkeiten ausüben. Und so beschränkt er sich darauf, konzentriert und fasziniert zuzuschauen. Er saugt jede Erfahrung auf, diskutiert bei Behandlungsstrategien mit und tauscht sich mit seinem Gastgeber, Professor Dr. Michael Winking, aus.
Der renommierte Neurochirurg und Leiter des Zentrums für Wirbelsäulenchirurgie am Klinikum Osnabrück hat selbst eine Gastprofessur in Shanghai und Wuhan inne. Den fachlichen Brückenschlag zwischen beiden Ländern lebt Winking seit Jahren, sagt: „Man muss immer über den Tellerrand hinausblicken. Von solch einem internationalen Austausch erhält man jedes Mal neue Impulse und beide Seiten lernen dazu.“
So hört Winking genauer hin, wenn Lin vom Alltag aus dem chinesischen Klinikalltag und darüber berichtet, wie dort große Patientenzahlen ökonomisch effizient behandelt werden. Umgekehrt richtet sich der Blick des Gastes in erster Linie auf die medizinischen Innovationen. Allerdings registriert Song Lin ebenso aufmerksam die Unterschiede im Klinikalltag der Länder. Die deutsche Bürokratie mit ihren umfangreichen Dokumentations- und Verwaltungsprozessen erstaunt ihn sichtlich und lachend stellt er fest: „Das ist in Deutschland bestimmt 60 Prozent mehr. In China geht das alles schneller und unbürokratischer.“
Und noch eine weitere überraschende Beobachtung macht der Hospitant aus der Volksrepublik. Obwohl die Ärzte in China ein deutlich höheres Arbeitspensum bewältigen sieht er bei der Work-Life-Balance einen Vorteil in seiner Heimat. Song Lin betont aber auch: Vieles, was in Deutschland selbstverständlich ist, gibt es in China nicht. Wer dort krank wird, sagt er, sei finanziell deutlich schlechter abgesichert als in Deutschland. Eine sechswöchige Lohnfortzahlung, Krankengeld oder bezahlte Kuren gibt es in der Volksrepublik China nicht.
Höflich wie Asiaten nunmal sind, ist auch Song Lin voll des Lobes über seine Zeit in Osnabrück und am Klinikum. „I like the practices at the clinic here in Osnabrück“, betont er und würdigt gleich mehrfach nicht nur die hohe Präzision und Sicherheit durch die hier eingesetzte Technik sowie die Vorteile eines medizinischen Zentrums, sondern auch die freundliche und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Professor Winking und dessen Team.
In diesen Tagen ist der chinesische Chefarzt wieder zurück in seine Heimat geflogen. Der Kontakt wird jedoch bestehen bleiben, versichern sowohl Winking, wie auch Song Lin. Denn für beide Ärzte ist klar, aus der Hospitation ist weit mehr entstanden als ein fachlicher Austausch. Die drei Monate seien zu einer Begegnung zweier Medizinkulturen geworden, bei der beide Seiten ihren Horizont erweitern konnten, fasst es Professor Dr. Michael Winking zusammen.
Kommunikation Telefon: 0541- 405-5100 Mobil: 0176 103 601 26 E-Mail: silvia.kerst@klinikum-os.de
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