Ärzte ohne Grenzen (MSF) Wandbild vor dem Genfer Unispital (HUG) ruft Schutz der Gesundheitsversorgung auf; 22 Tote Canal Hotel, 42 Tote Kundus

Genf: MSF-Wandbild vor dem Genfer Unispital (HUG) ruft zum Schutz der Gesundheitsversorgung auf | Ärzte ohne Grenzen (MSF)

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Genf: MSF-Wandbild vor dem Genfer Unispital (HUG) ruft zum Schutz der Gesundheitsversorgung auf

Das Wandgemälde zeigt ein grosses Blatt Papier, das über medizinischen und humanitären Einsatzkräften und Patient:innen schwebt. Es steht für die 2016 verabschiedete Resolution 2286 des UN-Sicherheitsrats, die Angriffe auf Verletzte und Kranke, medizinisches Personal, humanitäre Helfer:innen, Spitäler und Krankenwagen in bewaffneten Konflikten entschieden verurteilt.

Auf dem Gemälde ist das Papier jedoch zerknittert, durchlöchert und verbrannt und schützt die Menschen darunter nur unzureichend. Für Ärzte ohne Grenzen zeigt dieses Bild eine schmerzliche Realität: Trotz Gesetzen, Resolutionen und wiederholter Verurteilungen werden weiterhin Spitäler angegriffen, Krankenwagen behindert, humanitäre und medizinische Mitarbeitende bedroht und getötet und Patient:innen der sichere Zugang zu medizinischer Versorgung verwehrt.

Schutz darf nicht nur auf dem Papier bestehen. In Konfliktregionen weltweit erleben unsere Teams, was geschieht, wenn Spitäler angegriffen werden, Krankenwagen nicht mehr fahren können und Menschen aus Angst oder aufgrund anderer Hindernisse keinen Zugang zu medizinischer Versorgung mehr haben. Die Regeln sind klar. Was fehlt, ist ihre Einhaltung durch alle Konfliktparteien.

Auch Partnerorganisationen wie das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schliessen sich dieser Forderung an. Sie weisen mit Nachdruck darauf hin, wie dringend notwendig der Schutz der Gesundheitsversorgung, von Patient:innen und medizinischem Personal in bewaffneten Konflikten ist.

Das Wandgemälde verweist zudem auf zwei humanitäre und medizinische Einrichtungen, die angegriffen wurden: das Canal Hotel in Bagdad im Irak im Jahr 2003 und das Traumatologie-Spital von Ärzte ohne Grenzen in Kundus, Afghanistan, im Jahr 2015. Der Welttag der humanitären Hilfe wurde als Reaktion auf den Bombenanschlag auf das Canal Hotel ins Leben gerufen, bei dem 22 humanitäre Einsatzkräfte ums Leben kamen. Zwölf Jahre später wurden beim Angriff auf das Spital von Ärzte ohne Grenzen in Kundus 42 Menschen getötet, darunter Patient:innen, Pflegekräfte und Mitarbeitende von Ärzte ohne Grenzen. Auch elf Jahre später hat sich für humanitäre und medizinische Einsatzkräfte nur wenig geändert. Ihr Schutz ist weiterhin unzureichend, und in vielen Konfliktregionen riskieren sie nach wie vor ihr Leben, um Menschen in Not medizinisch zu versorgen.

Das Wandgemälde vor dem Universitätsspital im Herzen Genfs schlägt eine Brücke zwischen einem Ort in der Schweiz, der für medizinische Versorgung und Sicherheit steht, und Gesundheitseinrichtungen, die in Konfliktgebieten weltweit bedroht sind.

«Ein Spital ist in erster Linie ein Zufluchtsort, wo medizinische Versorgung, Würde und Menschlichkeit gewährleistet werden», sagt Robert Mardini, Generaldirektor des Universitätsspitals Genf. «Mit diesem Wandgemälde vor unserem Spital möchten wir unsere Solidarität mit Patient:innen und Gesundheitsfachkräften zum Ausdruck bringen, die bei ihrer Arbeit Gewalt ausgesetzt sind. Humanitäre Hilfe kennt keine Grenzen und ergreift keine Partei. Medizinische Versorgung schützen heisst Menschlichkeit bewahren.»

Für NEVERCREW ist das zerknitterte Blatt Papier das zentrale Motiv des Kunstwerks. «Das Papier wird zu einem schützenden Dach. Doch die Löcher darin machen sichtbar, wie ungewiss dieser Schutz ist», so NEVERCREW. «Es verweist auf die bestehende Diskrepanz: Einerseits haben wir Versprechen auf dem Papier und andererseits die Gewalt, der medizinische und humanitäre Einsatzkräfte in Konfliktgebieten weiterhin ausgesetzt sind.»

Mit diesem Kunstwerk möchte Ärzte ohne Grenzen Schweiz die Angriffe auf die Gesundheitsversorgung ins öffentliche Bewusstsein rücken. Es lädt Passant:innen, Patient:innen, Gesundheitsfachkräfte und die Genfer Bevölkerung dazu ein, innezuhalten und sich mit einer einfachen, aber dringlichen Botschaft auseinanderzusetzen: Gesundheitsversorgung darf niemals zum Ziel von Angriffen werden.