Privathaushalte in Thüringen sinken 2045; 2,5% in Gemeinschaftsunterkünften
Aufsatz aus dem Statistischen Monatsheft Juni 2026
30 Statistisches Monatsheft Juni 2026, Thüringer Landesamt für Statistik AUFSATZ Private Haushalte stellen die kleinste gemeinsam wirtschaftende Einheit von Personen dar. Viele private und öffentliche Güter wie Teile der Wohnungsaus- stattung und Infrastruktur werden nicht von einzel- nen Personen, sondern von Haushalten nachgefragt. Die Daten zur Anzahl und Größe privater Haushalte dienen somit Wirtschaft und Verwaltung als wichtige Planungsgrundlage. Mit Hilfe der Ergebnisse der Haushaltevorausberechnung kann die zukünftig zu erwartende Anzahl und Struktur der Privathaushalte ermittelt werden. Die vorliegende Analyse liefert dar- über hinaus einen tieferen Einblick in das Haushalts- bildungsverhalten der verschiedenen Altersgruppen und die Entwicklung der einzelnen Haushaltsgrößen. Mit dieser Analyse wird die Aufsatzreihe zum Projekt „THÜRINGEN 2045“ begonnen, welches die Ergebnisse der Anschlussrechnungen zur 4. regionalisierten Be- völkerungsvorausberechnung (4. rBv) anschaulich einer breiten Öffentlichkeit präsentiert. Ein Aufsatz zur Entwicklung der Bevölkerung Thüringens und seiner Kreise wurde bereits im Statistischen Monatsheft April 2026 des Thüringer Landesamtes für Statistik und auf dem Internetportal „THÜRINGEN 2045“ veröffentlicht. Aufsätze zur Vorausberechnung der Erwerbspersonen, der Kindertagesbetreuung und Schülerzahlen, der Pflegebedürftigen und der Krankenhausfälle werden sukzessive folgen.
- Vorbemerkungen Im Mikrozensus1), der wichtigsten Informations- quelle zu Haushalten und Familien, ist jede Perso- nengemeinschaft, die zusammenwohnt und eine wirtschaftliche Einheit bildet, ein Privathaushalt. Zum Haushalt können außer verwandten auch fa- milienfremde Personen gehören, z. B. häusliches Dienstpersonal, gewerbliche oder landwirtschaft- liche Arbeitskräfte. Jede Personengemeinschaft, die zusammenwohnt und eine wirtschaftliche Einheit bildet, ist ein Privathaushalt Auch eine allein wohnende und wirtschaftende Per- son (z. B. ein Untermieter) ist ein Privathaushalt. In einem Haushalt können gleichzeitig mehrere Lebens- formen (z. B. ein Ehepaar ohne Kinder sowie eine alleinerziehende Mutter mit 2 Kindern) vorhanden sein. Alle zu einem Haushalt gehörenden Personen, auch wenn sie an einem anderen Ort einen weiteren Wohnsitz haben, werden als Haushaltsmitglieder bzw. Bevölkerung in Privathaushalten bezeichnet. Da eine Person in mehreren Privathaushalten wohn- Weniger und kleinere Haushalte in Thüringen 2045 Ergebnisse der neuen Haushaltevorausberechnung BEVÖLKERUNG, MIKROZENSUS Dr. Susanne Knabe Referat Bevölkerungs- und Haushaltsstatistiken Yvonne May Referat Bevölkerungs- und Haushaltsstatistiken
- Der Mikrozensus ist eine gesetzlich vorgeschriebene Haushaltsbefragung der amtlichen Statistik, mit der grundlegende Daten über die Struktur der Bevölkerung, die Entwicklung des Arbeits- marktes und die Art der Er- werbsbeteiligung ermittelt werden. Insgesamt wird rund ein Prozent aller Haus- halte stellvertretend für die gesamte Bevölkerung über das Jahr verteilt befragt. In Thüringen sind das jährlich rund 13 500 Haushalte.
Statistisches Monatsheft Juni 2026, Thüringer Landesamt für Statistik 31 AUFSATZ berechtigt sein kann, sind Doppelzählungen mög- lich. So ist z. B. eine Person, die in einer anderen Gemeinde arbeitet und dort als Untermieter eine zweite Wohnung hat, Angehöriger von 2 Haushalten. Diese Regelung ist dadurch gerechtfertigt, dass Haus- halte an jedem Wohnsitz entsprechend Wohnraum in Anspruch nehmen und die Einrichtungen der jeweiligen Gemeinde nutzen. Die Bevölkerung in Gemeinschaftsunterkünften (z. B. Pflegeheime, Gefängnisse, betreute Wohnheime, Kasernen und Klöster) zählt hingegen nicht zur Bevölkerung in Privathaushalten, da hier die Ver- sorgung durch die Einrichtung übernommen wird (gemeinschaftliche Versorgung). In den Gebäuden der Gemeinschaftsunterkünfte können jedoch Privat- haushalte wohnen, z. B. der Haushalt der Anstalts- leitung, die zur Grundgesamt der Haushalte zählen. Im Durchschnitt des Jahres 20252) betrug die Be- völkerung in Gemeinschaftsunterkünften (am Haupt- und Nebenwohnsitz) im Freistaat rund 54 Tausend Personen. Das entsprach also einem Anteil an der Bevölkerung von rund 2,5 Prozent. Etwa 98 Prozent bzw. 2,1 Millionen Thüringer lebten in Privathaus- halten (am Haupt- und Nebenwohnsitz) und werden in den vorliegenden Analysen betrachtet. Bevölkerung in Privathaus halten entspricht nicht der Einwohnerzahl der Bevölkerungsfortschreibung Die Zahl der Bevölkerung in Privathaushalten unter- scheidet sich demnach in verschiedener Hinsicht von der mit der Bevölkerungsfortschreibung ermittelten Einwohnerzahl eines Gebietes. Zu Unterschieden kommt es, da • die Bevölkerung in Privathaushalten Ergebnis des Mikrozensus und damit einer Stichproben- erhebung im Jahresdurchschnitt ist, • Bewohnerinnen und Bewohner im Bereich von Gemeinschafts- bzw. Anstaltsunterkünften nicht gezählt werden und • Personen mehrfach gezählt werden, wenn sie in mehreren Haushalten wohnberechtigt sind. 2. Methodik der Haushalte- vorausberechnung Grundlage für die Haushaltevorausberechnung ist der Mikrozensus. Hierbei handelt es sich um eine rund 1-prozentige Stichprobe aller privaten Haushal- te, die u. a. Ergebnisse über die Anzahl und Struktur der Privathaushalte liefert. Daneben stützt sich die Haushaltevorausberechnung auf die Ergebnisse der 4. regionalisierten Bevölkerungsvorausberechnung Thüringens. Diese zeigen auf, wie sich die Bevöl- kerung in Thüringen bis 2045 unter bestimmten Annahmen zur Fruchtbarkeit, zur Lebenserwartung und zum Wanderungsverhalten entwickeln wird. Mikrozensus und 4. rBv als Grundlage der Haushalte- vorausberechnung Da die 4. rBv ausschließlich Ergebnisse für die Hauptwohnsitzbevölkerung (entsprechend der Bevölkerungsfortschreibung) liefert, muss für die Haushaltevorausberechnung zunächst die Umrech- nung der Bevölkerung am Ort der Hauptwohnung auf die Bevölkerung in Privathaushalten erfolgen. Der Umrechnungsfaktor wird ermittelt, indem man die Bevölkerung in Privathaushalten (am Ort der Haupt- und Nebenwohnung ohne die Personen in Gemeinschaftsunterkünften) ins Verhältnis zur Be- völkerung am Ort der Hauptwohnung (durchschnitt- liche Jahresbevölkerung aus der Bevölkerungs- fortschreibung) setzt. Hierfür wurden alters- und geschlechtsspezifische Quoten des Durchschnitts der Jahre 2023 bis 2025 herangezogen, um eventuelle jährliche Schwankungen auszugleichen. Anschließend werden Haushaltsmitgliederquoten geschlechtsspezifisch für 20 Altersgruppen als Durch- schnitt der Jahre 2023 bis 2025 (Referenzzeitraum) ermittelt, sodass für die künftige Entwicklung hin- sichtlich der Haushaltsgrößen ein Haushaltsbil- dungsverhalten wie im Mittel dieser Jahre erwartet wird (Status-Quo-Szenario). Für die Berechnung dieser Haushaltsmitgliederquoten werden eben- falls die Daten des Mikrozensus genutzt. Dabei wird zwischen Haushalten mit 1, 2, 3 sowie 4 und mehr Personen unterschieden. 2) Bei allen Ergebnissen des Jahres 2025 in diesem Auf- satz handelt es sich um vor- läufige Erstergebnisse des Mikrozensus 2025.
32 Statistisches Monatsheft Juni 2026, Thüringer Landesamt für Statistik AUFSATZ Die ermittelten alters- und geschlechtsspezifischen Haushaltsmitgliederquoten werden abschließend auf die berechnete Bevölkerung in Privathaushalten übertragen, woraus sich die Zahl der Haushalte ergibt und die Zahl der Haushaltsmitglieder nach Haushaltsgröße für die Vorausberechnungsjahre bis 2045 ermittelt werden kann. Abbildung 1 veranschaulicht für 6 Altersgruppen, welche Haushaltsgrößen im Referenzzeitraum ty- pisch waren. So wohnten insgesamt rund 22 Prozent der Bevölkerung in Privathaushalten in 1-Personen- Haushalten. Besonders hoch war der Anteil bei den 85-Jährigen und Älteren mit 55,8 Prozent, während von den unter 20-Jährigen weniger als 2 Prozent alleine lebten, da Kinder und Jugendliche zu knapp 90 Prozent in größeren Haushalten mit 3 und mehr Personen wohnten. Wenn sich der Anteil der Altersgruppen in der Be- völkerung zum Beispiel durch Zuwanderung oder Alterung verschiebt, verändern sich somit auch die Anzahl und der Anteil der verschiedenen Haushalts- größen. Die Veränderungen bei den Haushaltsgrö- ßen in der Haushaltevorausberechnung lassen sich aufgrund des Status-Quo-Szenarios ausschließlich auf demografische Entwicklungen der 4. rBv zu- rückführen, nicht jedoch auf Veränderungen des Haushaltsbildungsverhaltens. 3. Entwicklung der Privat- haushalte 2005 bis 2045 Zur besseren Einordnung der Ergebnisse der Haus- haltevorausberechnung werden im folgenden Ab- schnitt zunächst die Veränderungen zwischen 2005 und 2025 dargestellt. Anschließend werden die zukünftigen Entwicklungen bis 2045 detailliert er- läutert. In der Vergangenheit sank die Bevölkerung stärker als die Zahl der Haushalte Während die Bevölkerung in Privathaushalten zwischen 2005 und 2025 um fast 12 Prozent bzw. 272 Tausend Personen zurückging, sank die Zahl der Haushalte hingegen um rund 4 Prozent bzw. 46 Tausend (Abbildung 2). Dies lässt sich mit der Verringerung der durchschnittlichen Haushaltsgröße von 2,08 auf 1,92 Personen je Haushalt im selben Zeitraum begründen, einer bereits länger anhal- tenden Entwicklung. So lag die durchschnittliche Haushaltsgröße 1991 noch bei 2,45 Personen. Abbildung 1: Bevölkerung in Privathaushalten nach Haushaltsgröße und Alter im Durchschnitt der Jahre 2023 bis 2025 (Anteil der Haushaltsgröße in Prozent) 29,2 18,8 22,1 29,5 55,8 21,7 9,0 27,7 17,6 51,1 62,7 37,5 36,5 89,7 43,2 63,7 26,8 7,8 41,9 0 10 20 30 40 50 60 70 80 90 100 unter 20 20 - 35 35 - 50 50 - 65 65 - 85 85 und mehr INSGESAMT 1 Person 2 Personen 3 und mehr Personen Bevölkerung in Haushalten mit … Bevölkerung im Alter von … bis unter … Jahren Prozent Bei Kategorien ohne Wertangabe ist die Zahl nicht sicher genug.
Statistisches Monatsheft Juni 2026, Thüringer Landesamt für Statistik 33 AUFSATZ Größere Haushalte durch mehr Geburten und erhöhte Zuwanderung ab 2015 Insbesondere zwischen 2005 und 2015 ging so- wohl die Anzahl (− 27,9 Prozent) als auch der An- teil (− 8,0 Prozentpunkte) der größeren Haushalte mit 3 und mehr Personen zurück, während bei den kleinen 1- und 2-Personen-Haushalten die An- zahl (+10,5 Prozent) und der Anteil (+8,0 Prozent- punkte) im selben Zeitraum deutlich zunahmen (Abbildung 3). Der Rückgang der Gesamtzahl der Privathaushalte wäre ohne diese Strukturänderung in den Haushaltsgrößen deutlich stärker ausgefallen. Durch die umfangreiche Zuwanderung von Schutz- suchenden 2015 und 2022 und die hohen Geburten- zahlen zwischen 2014 und 2017 kam es zwischen- zeitlich zu einer leichten Trendumkehr. Es erhöhte sich bis 2025 die Zahl der Haushalte mit 4 und mehr Personen, während die Zahl der Haushalte mit 2 und 3 Personen gleichzeitig sank. Die 1-Personen-Haus- halte blieben seit 2015 relativ konstant. Mehr als 40 Prozent aller Haushalte sind heute 1-Personen-Haushalte Abbildung 2: Privathaushalte, Bevölkerung in Privathaushalten und durchschnittliche Haushaltsgröße 2005 bis 2045 2 338 2 216 2 141 2 109 2 066 1 968 1 889 1 822 1 755 1 123 1 120 1 114 1 094 1 077 1 030 999 969 930 1,6 1,7 1,8 1,9 2,0 2,1 0 500 1 000 1 500 2 000 2 500 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 Bevölkerung in Privathaushalten Privathaushalte Durchschnittliche Haushaltsgröße Ergebnis des Mikrozensus Ergebnis der Haushaltevorausberechnung Tausend Haushalte / Personen Haushaltsgröße (Personen je Haushalt) 0,0 Abbildung 3: Privathaushalte 2005 bis 2045 nach Haushaltsgröße 410 425 454 456 454 440 435 427 410 382 423 421 400 374 367 356 342 324 195 169 141 132 135 122 116 110 107 135 103 97 106 114 101 93 89 89 0 200 400 600 800 1 000 1 200 2005 2010 2015 2020 2025 2030 2035 2040 2045 Tausen