Max Abwandner studiert Sportwissenschaft an der Universität Leipzig; Zum stellvertretenden Senatsbeauftragten gewählt

Universität Leipzig: „In Sport und Bildung können Menschen mit Behinderung viel mehr erreichen, als ihnen oft gesagt wird“

Max Abwandner über das Studieren mit Behinderung und sein Engagement als stellvertretender Senatsbeauftragter

„In Sport und Bildung können Menschen mit Behinderung viel mehr erreichen, als ihnen oft gesagt wird“

Als kleinwüchsige Person erlebte Max Abwandner (28) mehr Barrieren auf dem Weg in ein Sport-Studium als andere. Seit dem Wintersemester 2025

26 studiert der ausgebildete Physiotherapeut und Absolvent der Therapiewissenschaften an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig. Im März wurde er zum stellvertretenden Senatsbeauftragten für Studierende mit Behinderung und chronischen Erkrankungen gewählt. Von seinem Weg erzählt er im Interview.

Was hat Sie motiviert, Sportwissenschaft an der Universität Leipzig zu studieren?

Sport ist seit meiner Kindheit ein fester Bestandteil meines Lebens und hat mir dabei geholfen, zahlreiche Barrieren und Hindernisse zu überwinden, die sich aufgrund meines Kleinwuchses ergeben haben. Im gesamten Versorgungsbereich für kleinwüchsige Menschen gibt es meines Wissens bislang keine Anlaufstelle für gesundheitssportliche Interventionen – dabei sind diese, meiner Meinung und Erfahrung nach, gerade für kleinwüchsige Menschen essenziell. Dieses Ziel kann ich in dieser Art und Weise, unter anderem durch die Unterstützung der Carl und Marisa Hahn-Stiftung verwirklichen, wofür ich sehr dankbar bin.

Ich habe mich gezielt für den Studiengang „Sportwissenschaft – Bewegung, Gesundheit, Rehabilitation" an der Universität Leipzig entschieden, weil er meine medizinisch-therapeutischen Vorkenntnisse mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen verbindet. Besonders am Herzen liegt mir dabei das Wohl kleinwüchsiger Kinder: Sie haben noch so viele Möglichkeiten, wobei gerade im Sport ein enormes Entwicklungspotenzial für sie liegt. Nebenbei möchte ich einer der Gründe dafür sein, dass sie sehen, dass sie gerade im Sport und ebenso in der Bildung viel mehr erreichen können, als ihnen oft gesagt wird.

Welche Pläne haben Sie für die Zeit nach dem Studium?

In Zukunft habe ich vor, eine inklusive Anlaufstelle für kleinwüchsige Menschen im Bereich Bewegung und Gesundheit aufzubauen.

„Ich möchte Konzepte entwickeln, die gezielt auf die körperlichen Voraussetzungen und Bedürfnisse eingehen, um ein aktiveres und selbstbestimmteres Leben zu ermöglichen.“

Eine solche Einrichtung gibt es bislang nicht, und ich sehe es als meine Aufgabe, diese Lücke zu schließen.

Darüber hinaus möchte ich künftig eine Stimme für jene sein, deren Potenzial oft übersehen wird – sei es durch formale Ausschlusskriterien oder mangelndes Verständnis für individuelle Leistungsfähigkeit. Ich sehe mein Studium nicht nur als persönlichen Schritt, sondern als Grundlage für eine fachliche und gesellschaftliche Verantwortung, die ich tragen möchte.

Wie erleben Sie den Studienalltag in der Sportwissenschaft, insbesondere mit Blick auf praktische Übungen, Seminare und Prüfungen?

Bislang sind mir in meiner Fakultät keine schwerwiegenden Barrieren aufgefallen. Meine derzeitigen Dozierenden sind kommunikativ und stets bemüht, gemeinsam mit mir Anpassungen und Lösungen zu finden – wobei man dazu sagen muss, dass die praktischen Anteile erst in höheren Semestern verstärkt zum Tragen kommen. Neben dem regulären Studienalltag nehme ich außerdem an verschiedenen praktischen Angeboten des Hochschulsports teil. Auch dabei stelle ich fest, dass es so gut wie keine Barrieren gibt, die sich nicht ausgleichen oder beheben lassen.

Wo begegnen Ihnen im Studium Barrieren und was funktioniert aus Ihrer Sicht bereits gut?

Am besten funktioniert derzeit die stetige Kommunikation mit den Dozierenden.

„Bislang gab es keine Situation, in der sich eine Barriere nicht lösen ließ.“

Sei es durch einen Übungswechsel oder eine Anpassung der Parameter in der Praxis oder durch eine Verlagerung des Fokus von der eigenen Durchführung hin zur Anleitung anderer.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Prüfungsausschuss und der Studienkoordinatorin funktioniert sehr gut. Wenn es um die Gestaltung von Prüfungssituationen oder um individuelle Lösungen für bestimmte Module geht, erlebe ich beide als ansprechbar und lösungsorientiert. Das gibt mir die Sicherheit, dass ich Herausforderungen frühzeitig ansprechen kann, ohne befürchten zu müssen, dass daraus Nachteile entstehen.

Was bedeutet Inklusion im Bereich Sportwissenschaft aus Ihrer persönlichen Perspektive?

Inklusion im Bereich der Sportwissenschaft bedeutet für mich im praktischen Sinne Sport auf Augenhöhe, damit ist nicht die körperliche Ebene gemeint, sondern die Haltung, keine Grenzen aufgrund von Körpergröße oder anderen Besonderheiten zu ziehen.

Für mich bedeutet Inklusion im Sport und der Sportwissenschaft zum einen, dass ich mein Können und meine Leistungsfähigkeit unter fairen Bedingungen unter Beweis stellen kann. Zum anderen heißt das aber nicht, dass ich dies fernab der anderen, also isoliert, tue. Mir ist wichtig, beide „Welten" miteinander zu verbinden: Sowohl die etablierten Normen der Sportwissenschaft als auch die Besonderheiten von Sport mit Menschen mit Behinderung gehören für mich gleichermaßen in das Feld der Sportwissenschaft, wenn es um Inklusion geht. Es geht also nicht darum, ein separates Angebot „daneben" zu schaffen, sondern echte Teilhabe innerhalb desselben Feldes zu ermöglichen.

Was war Ihre Motivation, als stellvertretender Senatsbeauftragter für Studierende mit Behinderung und chronischen Erkrankungen zu kandidieren?

Ich selbst habe einen langen Weg hinter mir, bis es mir endlich gelang, Sportwissenschaft studieren zu dürfen – ganze sechs Jahre musste ich dafür kämpfen. Das größte Hemmnis war, dass ich von mehreren Hochschulen die Einschätzung bekam, die Sporteignungsprüfung sei für mich nicht machbar. Die Chance auf ein Studium an der Universität Leipzig in Richtung Sportwissenschaft habe ich letztlich durch den besonderen Einsatz eines Mitarbeiters der Stabsstelle Chancengleichheit, Diversität und Familie bekommen. Er stellte den Kontakt zum Prüfungsausschuss der Sportwissenschaftlichen Fakultät her, und am Ende gelang es uns, die Übungen der Sporteignungsprüfung an meine Bedürfnisse anzupassen.

Vor allem diese Arbeit hat mich begeistert, woraufhin mein Augenmerk auf den Tätigkeitsbereich Chancengleichheit fiel.

„Zukünftig möchte ich versuchen, anderen den langen und beschwerlichen Weg zu ersparen. Mein Ziel ist es, Studierenden mit Handicap zu einer gerechten Chance zu verhelfen, ihren Studienwunsch trotz Beeinträchtigung verwirklichen zu können.“

Wie bereits gesagt, geht es mir nicht nur darum, mich selbst sportlich und beruflich weiterzuentwickeln, sondern auch andere kleinwüchsige Menschen zu bestärken: Ich möchte ihnen zeigen, dass sie nicht an systemischen Barrieren scheitern müssen. Ich selbst habe meinen Traum nie aufgegeben, nur weil ich kleinwüchsig bin – auch wenn der Weg lang, herausfordernd und oft mit Ablehnung verbunden war. Gerade deshalb ist es mir ein Anliegen, mich aktiv für mehr Chancengleichheit im Bildungssystem einzusetzen.

Erstellt von: Die Fragen stellte Philipp Klemm.

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