Imkerverein Imme Bourtanger Moor bietet Imker-Ausbildung an der Imme-Schule in Emsland; 18 Teilnehmer 2026, weniger als 2019.

Wie die Honigbiene immer mehr Freunde im Emsland findet

Wie die Honigbiene immer mehr Freunde im Emsland findet

IImker-Ausbildung in der Imme-Schule vom Deutsch-Niederländischen Bienenzentrum

Route Wie erfolgt die Anreise? Mit dem Auto Anreise mit dem ÖPNV

Wer sich für Bienen interessiert, kann beim Imkerverein Imme Bourtanger Moor viel mehr lernen als nur, wie Honig ins Glas kommt. Der Verein versteht sich als Bildungszentrum für Artenvielfalt und Naturschutz im internationalen Naturpark Moor-Veenland. Seit 2012 werden dort auch junge und angehende Imker ausgebildet. Die Grundschulung dauert von Januar bis Dezember und unterscheidet sich damit von vielen anderen Lehrgangsangeboten. Theorie und Praxis werden über ein ganzes Bienenjahr miteinander verbunden. Sechs erfahrene Referenten stehen den Teilnehmern als Paten zur Seite. Auch nach der Ausbildung bleibt der Verein Ansprechpartner, wenn Fragen oder Probleme rund um die Bienenhaltung auftauchen.

Auf dem Lehrplan stehen u.a. die Lebensweise der Honigbiene, Honiggewinnung und Hygiene ebenso wie Fütterung, Bienenkrankheiten, Wachsgewinnung und der richtige Umgang mit einem Bienenschwarm. Auch die verschiedenen Wildbienenarten und ihre Bedeutung für die Artenvielfalt werden vermittelt. Die Anschaffungskosten liegen in Höhe von 1.500 Euro. Darin enthalten sind dann der Schutzanzug, eine Honigschleuder, was sonst noch benötigt wird und Kosten des Bienenvolkes. Beginnen sollte man mit zwei Bienenstöcken. Einiges kann man auch gebraucht erwerben. Der Imkereibedarf Gunar ist langjähriger Partner.

Einer der neuen Imker ist Leonard Pohlmann. Er hat einen Resthof im Sustrumer Moor gekauft und ist derzeit dabei, das Anwesen zu renovieren. Schon seit seiner Schulzeit faszinieren ihn Insekten und Bienen. Jetzt passt es auch zeitlich, sich eigene Bienenvölker zuzulegen. „Ich liebe Honig“, sagt Pohlmann mit sichtbarer Begeisterung. Für seinen Resthof hat er noch viele Ideen, die er nach und nach verwirklichen möchte. Die Bienenhaltung soll dabei auch ein Teil seines Traums vom Leben auf dem eigenen Hof werden. Zu den jüngsten Teilnehmern gehört Ahmed Elhüseyin. Im Bienenzentrum ist er längst ein unentbehrlicher Helfer und packt dort mit an, wo gerade Unterstützung benötigt wird. Lange hatte er Sorge, möglicherweise allergisch auf Bienenstiche zu reagieren. Diese Befürchtung bestätigte sich glücklicherweise nicht. Im kommenden Jahr möchte er selbst zwei Bienenvölker halten.

Auch Jung-Imkerin Joana Rösner ist mit großer Leidenschaft dabei. Sie befindet sich inzwischen im zweiten Jahr. „Ohne Honig und Bienen leben? Möglich, aber kaum vorstellbar“, beschreibt sie ihre Begeisterung. Inzwischen macht auch ihr Mann den Imkerkurs. Die junge Frau erzählt unter anderem vom Wandern der Bienenvölker. So können die Bienenstöcke beispielsweise mit Genehmigung eines Landwirts, während der Blüte in einem Rapsfeld aufgestellt werden. Für die Imker bedeutet das zusätzlichen Aufwand und manchmal auch Verzicht auf den Sommerurlaub. Besonders in der aktiven Zeit der Bienen. Dafür lockt am Ende ein wertvolles Naturprodukt und der Stolz, mit daran teilzuhaben. „Ein Volk bringt ungefähr einen Ertrag von 20 Kilo leckeren Honig“, sagt Joana Rösner.

Bienenhaltung ist auch in der Stadt möglich. Viel Platz braucht ein Bienenvolk nicht. Bienenstöcke stehen längst nicht nur auf großen Grundstücken. Auch auf Garagendächern, Balkonen oder mitten in der Stadt, können Bienenvölker gehalten werden, sofern die entsprechenden Voraussetzungen gegeben sind. Bei der Nahrungssuche legen die Bienen bis zu drei Kilometer bei einer Fläche von ca. 35 qm zurück. Nektar und Blütenpollen werden gesammelt und zum Stock gebracht. Die mit Pollen beladenen Hinterbeinchen wirken dabei fast wie kleine, dicke Hosen. Doch die Bienenhaltung bedeutet auch Verantwortung. Die gefürchtete Varroamilbe gehört zu den größten Feinden der Honigbiene und kann ganze Völker zum Zusammenbruch bringen. Regelmäßige Kontrollen sind deshalb unverzichtbar. Hinzu kommt die sich ausbreitende Asiatische Hornisse, die ebenfalls eine zunehmende Gefahr für Bienenvölker darstellt.

Für Hermann Hüsers ist neben der Arbeit mit den Bienen, vor allem der Zusammenhalt ein wichtiger Bestandteil des Vereinslebens. Er beschäftigt sich seit 45 Jahren mit der Imkerei. „Besonders schön ist hier die Gemeinschaft“, sagt der erste Vorsitzende. Ernsthafte Streitigkeiten habe es in all den Jahren nicht gegeben. Stattdessen unterstütze man sich, tausche Erfahrungen aus, berate sich und helfe einander. Der Nachwuchs war allerdings schon einmal größer. 2019 nahmen noch 54 Menschen an der Ausbildung teil. 2026 sind es noch 18. Nicht jeder Teilnehmer wird anschließend tatsächlich Bienenhalter. Nach den rückläufigen Zahlen der vergangenen Jahre, insbesondere nach der Corona-Zeit, beobachtet Hüsers jedoch wieder ein wachsendes Interesse.

Die Faszination für die Bienenwelt ist groß. Zweimal im Jahr wird in der Regel Honig geerntet. Im Frühjahr und im Juli. Danach wird ein Teil der Nahrung der Bienen durch Zuckerwasser ersetzt. Im Winter kehrt Ruhe am Bienenstand ein. Ganz vergessen darf man die Völker aber auch dann nicht: Die Stöcke müssen regelmäßig kontrolliert werden. Imkerei ist mehr ist als nur ein Hobby. Das zeigt auch ein Projekt der Justizvollzugsanstalt Meppen. Unter dem Titel „Vom Blütenzauber bis zum Gittergold“, werden dort Menschen an die Bienenhaltung herangeführt. Im August wurde das Vorhaben mit einer Auszeichnung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung gewürdigt (NBU).

Was macht die Imkerei letztlich so besonders? Die Antwort der Vereinsmitglieder fällt fast einstimmig aus: „Es erdet einen so.“ Ob allein am Bienenstand oder gemeinsam mit anderen Imkern. Die Beschäftigung mit den Bienen schafft Nähe zur Natur. Und sie erinnert daran, dass auch die kleinen Lebewesen eine große Bedeutung für den Artenschutz haben. Text: Gina de Münck Fotos: Marcus Isernhinke & Naturpark Bourtanger Moor-Veenland

© Naturpark Moor-Veenland, Verena Schepers |

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