FVH Stellungnahme zur Weiterentwicklung des ANK in Berlin; Anpassung der LULUCF-Klimaziele an realistische Projektionen
Fachverband Holzenergie im BBE ⚫ EUREF-Campus 16 ⚫ 10829 Berlin Tel.: 030 2758 179-21 ⚫ Fax: 030 2758 179-29 ⚫ buecheler@bioenergie.de ⚫ www.fachverband-holzenergie.de Vorsitzende des Vorstandes des BBE: Marlene Mortler ⚫ Geschäftsführer des FVH: Gerolf Bücheler
Stellungnahme zur Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz
Kontakt:
Fachverband Holzenergie im Bundesverband Bioenergie e.V. Gerolf Bücheler
buecheler@bioenergie.de Lobbyregisternummer: R000788 Datum:
20.8.2026
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Inhalt
- Grundsätzliche Anmerkungen ………………………………………………………………………………… 3 Anmerkungen im Detail ………………………………………………………………………………………………. 4
- Themenbereich 1: Moorschutz ………………………………………………………………………………. 4 a. Maßnahme 1.b1 Marktanreizprogramm für die Wertschöpfung von wiedervernässten Moorböden ……………………………………………………………………………………………………………….. 4 b. Maßnahme 1.b2 Förderung von Forschung und Entwicklung zu neuen Wertschöpfungsketten für Paludiprodukte ……………………………………………………………………. 4
- Themenbereich 2: Wälder und Holznutzung ………………………………………………………………. 4 c. Ziel 2.d / Maßnahme 2.d1 Expertengruppe „Beitrag zum Klimaschutz durch Wald, Holz und Forstwirtschaft“ ………………………………………………………………………………………………………….. 6 d. Ziel 2.e Klimaschutzwirkung durch Holz- und sonstige Biomassenutzung stärken …………. 6 e. Maßnahme 2.e1 Holz- und sonstige Biomassenutzung an Klimaschutzwirkung ausrichten7 f. Ergänzende Maßnahme zu Ziel 2.e………………………………………………………………………….. 9
- Themenbereich 7: Wildnis ……………………………………………………………………………………. 10 a. Maßnahme 7.a1 Fortführung KlimaWildnis und KlimaWildnisZentrale ……………………… 10
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- Grundsätzliche Anmerkungen Der Fachverband Holzenergie im Bundesverband Bioenergie e.V. (FVH) begrüßt die Zielsetzung der Bundesregierung, die Klimaresilienz von Wäldern zu stärken und den Waldumbau voranzubringen. Positiv hervorzuheben ist insbesondere, dass der Entwurf zur Weiterentwicklung des Aktionsprogramms natürlicher Klimaschutz (ANK) die Bedeutung einer nachhaltigen Waldbewirtschaftung sowie die Anpassung der Wälder an den Klimawandel ausdrücklich anerkennt. Gleichzeitig sieht der FVH einen grundlegenden Widerspruch zwischen den tatsächlichen Entwicklungen im LULUCF-Bereich und den politischen Zielvorgaben des Landnutzungssektors. Die grundlegende Herausforderung im LULUCF-Bereich besteht darin, dass sich das Emissionsgeschehen in Ökosystemen - im Gegensatz zu den Emissionen aus der Energienutzung - nur bedingt steuern lässt und stattdessen maßgeblich von externen Faktoren, allen voran dem Klima- und Wettergeschehen beeinflusst wird. Während die Emissionen aus Grün- und Ackerland relativ stabil bleiben und sich nur sehr langsam durch großflächig umgesetzte Maßnahmen beeinflussen lassen, wird der Wald stark durch Dürre und Kalamitäten beeinflusst, so dass sich die Emissionsentwicklung als sehr volatil gezeigt hat. Die aktuelle Bundeswaldinventur IV zeigt, dass die Senkenleistung des Waldes infolge von Dürre, Waldschäden und der Altersstruktur der Bestände deutlich zurückgeht. Auch der Entwurf des ANK selbst weist ausdrücklich auf die hohe Unsicherheit und die geringe Steuerbarkeit natürlicher Senken hin. Wie die Bundeswaldinventur IV ebenfalls gezeigt hat, befinden sich die Holzvorräte im Wald vielfach auf einem Rekordniveau, so dass ein weiterer Vorratsaufbau nicht nur sehr schwierig ist, sondern zudem das Risiko für Schäden deutlich erhöht. Durch die hohen Holzvorräte im Wald, den laufenden Waldumbau hin zu Wäldern mit höheren Laubbaumanteilen sowie die geringe CO2-Bindungsleistung von ganz alten und ganz jungen Wäldern ergibt sich ein Rückgang der möglichen CO2-Bindungsleistung des Waldes. Der FVH hält daher eine Anpassung der Klimaschutzziele des LULUCF-Sektors an realistische Projektionen für dringend erforderlich. Der wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Heimat empfiehlt daher eine Anpassung der Ziele im Klimaschutzgesetz, “um nicht dauerhaft unrealistische Ziele zu verfolgen” und “negative Folgewirkungen für die Volkswirtschaft, Beschäftigung, Leakage-Effekte im Ausland und eine Verringerung des Substitutionspotenzials” durch Einstellung der Holznutzung zu vermeiden.1 Der Festlegung von Maßnahmen sollte die politische Diskussion zur Erreichbarkeit der LULUCF-Ziele vorangestellt sein. Nur eine ehrliche und realistische Politik wird es schaffen, die nötige Akzeptanz für die Umsetzung von Maßnahmen zu erreichen und Gesellschaft und Wirtschaft mitzunehmen.
1 Wissenschaftliche Beirat für Waldpolitik beim BMEL, 2024: Einordnung wichtiger Ergebnisse der Bundeswaldinventur 2022 in Bezug auf waldpolitische Handlungsfelder; https://www.bmleh.de/SharedDocs/Downloads/DE/_Ministerium/Beiraete/waldpolitik/einordnung-bwi-2022.html
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Anmerkungen im Detail 2. Themenbereich 1: Moorschutz a. Maßnahme 1.b1 Marktanreizprogramm für die Wertschöpfung von wiedervernässten Moorböden Der FVH unterstützt grundsätzlich den Aufbau von Wertschöpfungsketten für Paludibiomasse. Der Entwurf berücksichtigt jedoch nicht ausreichend, dass sich viele dieser Verwertungspfade noch im Entwicklungsstadium befinden und kurzfristig keine ausreichenden Absatzmärkte für größere Biomassemengen bereitstehen. Bis sie jedoch in ausreichendem industriellem Maßstab verfügbar sind, sollte auch eine effiziente energetische Nutzung geeigneter Paludibiomassen – insbesondere in regionalen Wärmesystemen – als ergänzender Verwertungspfad berücksichtigt werden. Fehlende Absatzmöglichkeiten für anfallende Biomasse dürfen nicht zu einem wirtschaftlichen Hemmnis für nasse Bewirtschaftung werden. Vorschlag Die Maßnahme sollte um die folgende Formulierung ergänzt werden: „Neben der stofflichen Nutzung soll auch die effiziente energetische Nutzung geeigneter Paludibiomassen, insbesondere in regionalen und kommunalen Wärmenetzen sowie in Kraft-Wärme- Kopplungs-Anlagen, als ergänzender Verwertungspfad unterstützt werden.“
b. Maßnahme 1.b2 Förderung von Forschung und Entwicklung zu neuen Wertschöpfungsketten für Paludiprodukte Der FVH unterstützt Forschung zu neuen Verwertungsmöglichkeiten für Paludibiomasse grundsätzlich. Dabei ist es wichtig, dass auch die Forschung zur energetischen Nutzung von Paludibiomasse unterstützt wird, um eine möglichst breite Absatzbasis zu garantieren. Energetische Nutzungspfade können einen wichtigen Beitrag leisten, um Wiedervernässung wirtschaftlich tragfähig zu gestalten.
- Themenbereich 2: Wälder und Holznutzung Der FVH begrüßt ausdrücklich, dass der Entwurf anerkennt, dass Wald, Waldbewirtschaftung und Holzverwendung untrennbar miteinander verbunden sind und ganzheitlich betrachtet werden müssen. Ebenso positiv ist die ausdrückliche Anerkennung von Substitutionswirkungen der Holzverwendung in den Bereichen Gebäude, Industrie und Energie. Allerdings werden diese Grundsätze in den konkreten Maßnahmen nicht konsequent umgesetzt. Stattdessen zielen die Maßnahmen in eine Richtung, die der
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energetischen Holznutzung kritisch gegenübersteht. Der FVH weist an dieser Stelle darauf hin, dass Deutschlands Primärenergieverbrauch zu 80 Prozent auf fossilen Energieträgern beruht2, die zu weit überwiegendem Anteil importiert werden müssen. Die aktuelle Energiekrise trifft den Wärme- und Verkehrsbereich am stärksten. Im Gegensatz zur Stromerzeugung liegen sie beim Ausbau der erneuerbaren Energien deutlich zurück. Der Anteil erneuerbar erzeugter Wärme liegt erst bei 19 Prozent.3 Damit ist die Wärmeversorgung stark von importiertem Gas und Öl abhängig. Holzenergie dominiert mit zwei Dritteln den Verbrauch erneuerbarer Wärme – und liefert insgesamt rund ein Viertel der gesamten erneuerbaren Energien über alle Sektoren hinweg. Eine Erhöhung des Anteils erneuerbarer Energien im Bereich Wärme – gerade auch durch nachhaltige Holzenergie – stärkt die Resilienz Deutschlands, indem die Abhängigkeit von importierten fossilen Energieträgern und damit auch die Anfälligkeit gegenüber externen Versorgungsschocks und Preisschwankungen verringert wird. Dies muss sich auch in den Maßnahmen des ANK widerspiegeln. Bei Erdöl und Erdgas, die zusammen für mehr als 60 Prozent des deutschen Primärenergieverbrauchs stehen, ist Deutschland fast vollständig auf Importe angewiesen.
Quelle: Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, 04/2026: Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990- 2024
2 Arbeitsgemeinschaft Energiebilanzen, 04/2026: Auswertungstabellen zur Energiebilanz 1990-2024; https://ag- energiebilanzen.de/wp-content/uploads/EBD24e_Auswertungstabellen_deutsch.xlsx 3 AGEE Stat, 02/2026: Zeitreihen zur Entwicklung erneuerbarer Energien; https://www.umweltbundesamt.de/system/files/document/zeitreihen-zur-entwicklung-der-erneuerbaren-energien-in- deutschland-excel_uba_deu_0_0.xlsx_0.xlsx
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c. Ziel 2.d / Maßnahme 2.d1 Expertengruppe „Beitrag zum Klimaschutz durch Wald, Holz und Forstwirtschaft“ Die Einrichtung einer Expertengruppe wird grundsätzlich begrüßt. Die vorgesehene Zusammensetzung aus BMUKN und BMLEH greift jedoch zu kurz. Die Bewertung der Klimawirkung von Holz betrifft ebenfalls die Energie-, Industrie- und Wirtschaftspolitik und sollte deshalb um eine Beteiligung des BMWE ergänzt werden. Die Aufgabe der Expertengruppe sollte zudem nicht nur in der Bearbeitung von Zielkonflikten bezüglich CO2-Senkenleistung des Waldes, stofflicher Holzverwendung und dem Schutz der Biodiversität bestehen, sondern auch die Auswirkungen von Maßnahmen des ANK auf die Substitution fossiler Energie und Ressourcen bewerten. Mit Blick auf die Zielsetzung des ANK, einen Beitrag zu den Klimazielen zu leisten, ist der Fokus klar auf die Klimawirkung durch die Substitution fossiler Energien zu richten. Vorschlag Die Maßnahme sollte wie folgt formuliert werden: „Wir richten eine Expertengruppe „Wald, Holz und Klima“ bestehend aus je drei von BMUKN, BMWE und BMLEH benannten Experten ein, um bestehende Zielkonflikte im Umgang mit Wäldern im Kontext Klimaschutz, Substitution fossiler Energie und Ressourcen sowie und Holzverwendung mittelfristig besser adressieren zu können. Diese soll unter Berücksichtigung bestehender Stellungnahmen der wissenschaftlichen Beiräte für natürlichen Klimaschutz und für Waldpolitik, sowie der Ergebnisse des Runden Tischs zur Biomasse-/Holznutzung (Maßnahme zum ANK 2.0-Ziel 2.e) ggf. weitere erforderliche Maßnahmen vorschlagen, die auf den Beitrag des Waldes zur Erreichung der Klimaschutzziele und der Substitution fossiler Energie und Ressourcen ausgerichtet sind. Damit sollen insbesondere potenzielle Zielkonflikte zwischen der Förderung der CO2- Senkenleistung des Waldes, der erwünschten stofflichen Holzverwendung, der Substitution fossiler Energie und Ressourcen und dem Schutz der Biodiversität gleichermaßen adressiert und Lösungsmöglichkeiten aufgezeigt werden, die auch die drohende Verschärfung der Vitalitäts- und Produktivitätseinbußen in den Wäldern durch den Klimawandel berücksichtigen.“
d. Ziel 2.e Klimaschutzwirkung durch Holz- und sonstige Biomassenutzung stärken Der FVH unterstützt ausdrücklich das Ziel einer Stärkung der Klimaschutzwirkung durch Holz. Die Stärkung der Klimaschutzwirkung durch Holz und andere B