Andrea Mantler und Sarah Schmocker teilen Führungsrolle als Co-Leiterinnen im Ressort Technischer Dienst bei UFA; Rotation alle zwei Monate, nahtlose Vertretung
Topsharing: Doppelte Power in der Führung | fenaco
- August 2026 Story 5 Minuten
Topsharing: Doppelte Power in der Führung
Wird die Führungsrolle gemeinsam ausgeübt, sprechen wir von Topsharing. Immer mehr Frauen und Männer schätzen dieses neue Arbeitsmodell. Die Agronominnen Andrea Mantler und Sarah Schmocker erzählen, wie sie sich als Verantwortliche für Futterrezepturen bei UFA die Ressortleitung Technischer Dienst teilen.
Wie seid ihr auf die Idee gekommen, euch eine Führungsposition zu teilen? Sarah: Unser Vorgesetzter ist darauf gekommen. Er wusste, dass wir beide nach dem Mutterschaftsurlaub unsere Arbeitszeit reduzieren wollten. Gleichzeitig wusste er, dass wir beide hohe Ansprüche an uns selbst stellen und uns auch beruflich weiterentwickeln wollen. So hat er uns vor drei Jahren die Führungsfunktion in Co-Leitung vorgeschlagen. Das war für uns beide eine Win-win-Situation. Wir selber haben gar nicht an diese Möglichkeit gedacht, weil es dieses Modell bei UFA vorher nicht gab. Andrea: Für viele Frauen wird es im Beruf schwieriger, wenn sie eine Familie gründen. Doch wer seine Arbeit gern macht, möchte nicht zurückstecken, nur weil zu Hause mehr zu tun ist. Schliesslich geht das Leben weiter, und alle sollten die Chance haben, sich weiterzuentwickeln – ob mit oder ohne Kinder.
Wie teilt ihr die Arbeit als Co-Leiterinnen auf? Sarah: Ein Job lässt sich auf verschiedene Arten aufteilen, vor allem zeitlich und fachlich. Zeitlich arbeiten wir versetzt: Andrea montags und dienstags, ich jeweils mittwochs und freitags. Am Donnerstag sind wir beide im Büro. Das ist der «Touchpoint» für das ganze Team. Führungsaufgaben erledigen wir gemeinsam. Darunter fallen zum Beispiel die personelle Führung oder die Stellvertretung unseres Vorgesetzten. Auch die Beschaffung der Bio-Rohwaren und die Zusammenarbeit mit dem Mischfutterwerk in St. Margrethen verantworten wir gemeinsam. Jedoch hat jede von uns ein Spezialgebiet, das wir nicht teilen. Andrea: Futterrezepturen für Wiederkäuer, also Kühe, Kälber und Rinder, sind mein Spezialfach. Futter für Legegeflügel sind Sarahs Fachgebiet. Bei der Futterrezeptur geht es zum Beispiel darum, wie viel Mais ins Kuhfutter kommt oder aus wie viel Protein ein bestimmtes Hühnerfutter bestehen soll. Gewisse Aufgaben tauschen wir auch ab: Im Moment geht Sarah an die Werkssitzungen nach St. Margrethen. Im Gegenzug übernehme ich die Meetings für die Bio-Rohwaren mit fenaco GOF. Nach zwei Monaten rotieren wir. Sarah übernimmt dann die Bio-Rohwaren und ich die Werksbetreuung.
Ihr müsst also alle zwei Monate wieder umdenken. Ist das nicht kompliziert? Andrea: Nein, eigentlich ist es eher ein Vorteil, denn wir bleiben in beiden Gebieten à jour. Wenn also eine von uns krank wird oder einen Notfall hat, kann die andere nahtlos übernehmen. Sarah: Auch in der Teilzeitarbeit unter der Woche ist das ein Vorteil. Wenn ich am Montag und Dienstag nicht da bin, muss mich Andrea ja vertreten können. Und umgekehrt, wenn sie nicht da ist. Durch die Rotation sind wir beide immer am Ball.
Wie macht ihr es, wenn eine von euch in die Ferien geht? Arbeitet die andere dann 100 %? Andrea: Nein, das wäre nicht machbar mit kleinen Kindern. Meist organisieren wir uns so, dass alle wichtigen Pendenzen vor den Ferien erledigt sind. Drei von fünf Wochentagen sind automatisch durch die anwesende Co-Leiterin abgedeckt. An den verbleibenden zwei Arbeitstagen übernimmt unser Chef alle unvorhergesehenen dringlichen Entscheide. Sarah: Natürlich müssen wir sehr leistungsbereit sein und auch einmal ein Telefonat an einem freien Tag machen können. Wir gehen aber gerne eine Extrameile. Umso mehr, wenn es die Arbeit für die Person im Büro einfacher macht.
Wie gehen eure Kolleginnen und Kollegen mit dem Topsharing um? Sarah: (lacht) Die kennen uns alle nur als «Doppelpack». Viele unserer heutigen «Gspänli» kamen erst nach unserer neuen Funktionsaufteilung dazu. Es braucht schon ein bisschen Flexibilität von allen. Aber die bringen wir grundsätzlich mit bei UFA. Man muss sich einfach daran gewöhnen. Das passiert mittlerweile meistens automatisch. Auch die neuen digitalen Möglichkeiten unterstützen das Topsharing. Wir führen zum Beispiel gemeinsame Notizen in der One-Note-App. So haben wir jederzeit Einblick und Kontrolle über den Stand der Arbeiten.
Muss man gut befreundet sein, um einen Job zu teilen? Andrea: Nein. Aber es hilft sicherlich, dass wir uns gut verstehen. Wir müssen Teamplayer sein. Gemeinsam Lösungen finden zu wollen, ist schliesslich die Voraussetzung für jede gute Zusammenarbeit. Beim Topsharing gehört eine gute Portion Toleranz dazu, denn jeder Mensch hat seine eigene «Denke». Der eigene Weg ist aber meist nicht der einzig richtige. Viele Wege führen zum Ziel. Entscheidend ist: Man muss andere gut informieren sowie strukturiert denken und arbeiten, damit alle Dokumente auffindbar sind, auch wenn man sie nicht selbst abgelegt hat. Sarah: Durch das Topsharing haben wir uns mit der Zeit automatisch gut kennengelernt. Es hilft, dass wir offen und kompromissbereit sind und über alles reden können. Es ist schon etwas anderes, im Alleingang die Entscheidungen zu fällen. Zu zweit braucht es mehr Absprachen. Das führt aber auch zu einem «Double Check» bei Entscheidungen und steigert deren Qualität.
Wie geht ihr mit Meinungsverschiedenheiten um? Sarah: Grundsätzlich haben wir eine offene Diskussionskultur. Es kommt vor, dass Andrea etwas anders macht, als ich es gemacht hätte. Dann fragen wir einfach nach, warum etwas so lief, wie es lief. Oft lernen wir in solchen Momenten voneinander. Andrea macht zum Beispiel die Bio-Rohwaren schon viel länger als ich und weiss mehr in diesem Bereich. Wenn ich mir da nicht sicher bin, spreche ich mich gerne erst mit ihr ab. Andere Dinge entscheide ich gleich selbst. Andrea: Dafür hast du das grössere Wissen, wenn es um die Prozesse und Abläufe im Mischfutterwerk St. Margrethen geht. Dann ist es umgekehrt. Das ist auch ein grosser Vorteil. Wir können diskutieren und so auf neue Lösungen kommen.
Was kommt für euch nach dem Topsharing? Sarah: Solange die Kinder klein sind, ist dieses Modell die ideale Lösung für mich. Aber in ein paar Jahren, wenn die Kinder etwas grösser sind, könnte ich mir sehr gut vorstellen, grössere Teams zu leiten und mehr Verantwortung zu übernehmen. Andrea: (lacht) Dem kann ich nur zustimmen. Wir werden sehen, was die Zukunft für uns bereithält.
Die fenaco unterstützt neue Arbeitszeitmodelle und damit die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben je nach Lebensphase. Teilzeitarbeit, Jobsharing oder Topsharing – fenaco machts möglich