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title: "Bundesregierung will Blockmodell der Altersteilzeit abschaffen Deutschland; Rente ab 63 gestrichen"
sdDatePublished: "2026-08-20T12:58:00Z"
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Bundesregierung will Blockmodell der Altersteilzeit abschaffen Deutschland; Rente ab 63 gestrichen

Altersteilzeit in Gefahr: Was Beschäftigte jetzt wissen müssen :: IG Metall Leipzig

Altersteilzeit in Gefahr: Was Beschäftigte jetzt wissen müssen

19.08.2026 | Altersteilzeit ist ein wichtiger Weg in den Ruhestand. Doch die Bundesregierung will das sogenannte Blockmodell der Altersteilzeit abschaffen. Warum dieser Plan an den Bedürfnissen vieler Beschäftigter vorbeigeht – und was die IG Metall stattdessen fordert.

Die Nachricht kam für Manfred Tezky wie ein Schock. Es war ein Abend Ende Juni und der Metaller saß vor dem Fernseher und schaute Nachrichten.

Da hörte er es: Die Bundesregierung will das Blockmodell bei der Altersteilzeit abschaffen. Auch die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren („ Rente ab 63 “) soll gestrichen werden. Das Renteneintrittsalter soll steigen.

„Das war, also ab einem der Boden unter den Füßen weggezogen wird“, erinnert sich der 58-Jährige. „Du schaffst und rechnest und machst, und dann kommt sowas.“

Dass der Metaller so alarmiert ist, hat einen Grund: Ende 2024 hat er seinen Vertrag zur Altersteilzeit unterschrieben. Alles war geplant: Der Zeitpunkt für den Beginn der Altersteilzeit, der Zeitpunkt für das Ende und der Start der abschlagsfreien Rente.

2033 sollte das Arbeitsleben für den gelernten Maschinenbau-Techniker beendet sein. Dann wäre er 65 Jahre alt und hätte insgesamt 48 Versicherungsjahre auf seinem Rentenkonto vorzuweisen. Ein langes Leben voller Arbeit. „Eine Vereinbarung zur Altersteilzeit trifft man nicht spontan“ sagt der Metaller. „Sie ist Teil einer langfristigen Lebens-, Berufs- und Finanzplanung“.

Diese über Jahre aufgebaute Planung sieht er nun in Gefahr. Viele Fragen schwirren ihm durch den Kopf: Wird sich zwischen dem Ende der Altersteilzeit und dem Rentenbeginn eine Lücke auftun? Wird er Abschläge bei seiner Rente hinnehmen müssen? Wird ihm in der Rente Geld fehlen?

Ursache für Manfred Tezkys Ängste ist die Rentenkommission der Bundesregierung. Sie hat Ende Juni 33 Punkte für eine Rentenreform vorgelegt. Die Bundesregierung will diese Vorschläge komplett übernehmen.

„Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden“, sagte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bei der Vorstellung des Kommissionsberichts. Die Reform soll ein großer Wurf werden und die gesetzliche Rentenversicherung für die nächsten Jahrzehnte neu aufstellen.

Doch was bedeuten die Reformpläne für die arbeitenden Menschen, für Menschen wie Manfred Tezky?

Noch sind viele Fragen offen . Die Empfehlungen der Rentenkommission sind noch lange kein gültiges Recht. Im Herbst soll es einen Gesetzentwurf geben. Der muss dann noch durch den Bundestag. Dabei kann viel passieren.

Für bereits unterschriebene Altersteilzeitverträge mit Blockmodell dürfte es zwar einen Bestandsschutz für bereits vereinbarte Verträge geben. Aber für die Zukunft könnte dieser Weg in den Ruhestand verbaut sein.

Außerdem gibt es weitere offene Fragen. Denn auch das Rentenalter soll steigen und die sogenannte „Rente ab 63“ soll wegfallen. Damit rückt das Ufer, dass Beschäftigte erreichen müssen, weiter nach hinten. Oder sie müssen höhere Rentenabschläge in Kauf nehmen, mit denen sie beim Abschluss des Altersteilzeitvertrags nicht gerechnet haben.

Altersteilzeit muss zwingend mit dem Beginn der gesetzlichen Altersrente enden. Bei einem späteren Renteneintrittsalter müssten die Planung entsprechend angepasst werden. Die Politik hat noch keine Antwort darauf geliefert, dass sich für viele mit Altersteilzeit die Bedingungen für ihren Renteneintritt verändern könnten.

Weil so vieles noch unklar ist, sorgen die Rentenpläne derzeit für große Verunsicherung . In vielen Betrieben ist sie mit Händen zu greifen, berichtet Andrea Sicker, Zweite Geschäftsführerin der IG Metall Bamberg: „Wenn wir auf Betriebsversammlungen zu diesem Thema informieren, dann kommen danach viele Anfragen“.

Der drohende Wegfall des Blockmodells bei der Altersteilzeit und der Rente ab 63 seien die brennendsten Themen in der aktuellen Debatte um die Sozialpolitik. „Die Kolleginnen und Kollegen machen sich Sorgen um ihre Lebensplanung“, sagt die Metallerin.

Die Industrie baut seit vielen Monaten massiv Stellen ab. Die Altersteilzeit ist dabei ein wichtiges Instrument. Sie ermöglicht einen gesicherten Übergang in den Ruhestand. In vielen Betrieben der IG Metall-Branchen wird sie genutzt. Verlässlich, auf Basis von Tarifverträgen , mit guten Konditionen für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen.

Das Blockmodell dominiert. Dabei zerfällt die Altersteilzeit in zwei gleich lange Phasen: In der ersten Phase (Arbeitsphase) arbeiten die Beschäftigten regulär weiter. In der zweiten Phase (Freistellungsphase) wird nicht mehr gearbeitet.

Über alle Branchen und Tätigkeiten wählt die große Mehrheit diese Variante. Die Quote liegt bei rund 80 Prozent.

„Fatal“ nennt IG Metall-Sozialvorstand Ralf Reinstädler deshalb das mögliche Aus für das Blockmodell. „Altersteilzeit ist kein Frühverrentungsprogramm“, sagt er. „Gerade im industriellen Wandel hilft sie dabei, den Übergang zwischen den Generationen sozialverträglich zu gestalten, erfahrene Beschäftigte würdig aus dem Erwerbsleben zu begleiten und zugleich Perspektiven für Jüngere zu schaffen.“

Sogar die Arbeitgeber sind dagegen

Der hohe Nutzen ist ein Grund dafür, warum selbst die Arbeitgeber das Blockmodell behalten wollen. Arbeitgeber-Präsident Rainer Dulger nennt es ein „bewährtes Instrumente zur Gestaltung des Übergangs in den Ruhestand“, das Unternehmen und Beschäftigten Flexibilität gebe . Dulger kommt selbst aus der Metallindustrie und kennt die Verhältnisse in der Branche gut.

Ohne das Blockmodell wäre der Renteneintritt unflexibler. Beschäftigten und Betrieben würde Autonomie und Entscheidungsfähigkeit genommen.

Dabei sind die Zahlen zur Altersteilzeit ohnehin überschaubar. Von einer „massenhaften Frühverrentung“ kann kaum die Rede sein. Im Jahr 2024 waren rund 274 000 Beschäftigte in Altersteilzeit. Vor 15 Jahren waren es mehr als doppelt so viele .

Manfred Tezky wünscht sich vor allem, dass es bei dem Thema bald Entwarnung gibt. Dass er seine Lebensplanung ohne weitere Sorgen umsetzen kann.

„Ich komme aus einer Arbeiterfamilie, in der viele früh gestorben sind“, sagt der Metaller. Er wolle noch ein bisschen was von seiner Rente haben. „Bald habe ich 45 Jahre gearbeitet, irgendwann ist auch mal gut.“

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