Schwarz-rote Koalition plant Ausweitung sachgrundloser Befristungen von zwei auf vier Jahre in Deutschland; Beschäftigte verlieren Planungssicherheit

Prekäre Arbeit: Büchse der Befristungen schließen | DGB Niedersachsen - Bremen - Sachsen-Anhalt

Prekäre Arbeit: Büchse der Befristungen schließen

Bisher standen bei den Reformvorhaben der Bundesregierung vor allem die sozialen Sicherungssysteme im öffentlichen Fokus. Kaum verwunderlich: Bei Rente , Gesundheit und Pflege drohen empfindliche Einschnitte. Aber auch auf dem Arbeitsmarkt droht Ungemach. Dort plant die schwarz-rote Koalition die Ausweitung sachgrundloser Befristungen von zwei auf maximal vier Jahre. Beschäftigten wird damit de facto ein wichtiges Recht genommen, das sie vor einer längeren Verweildauer in einer prekären Arbeitsform schützt – auch wenn die Regelung vorerst nur bis 2030 gelten soll.

Zu den Fakten: Wie das Statistische Bundesamt kürzlich bekannt gab , hatten im letzten Jahr etwa 2,2 Mio. Beschäftigte einen befristeten Arbeitsvertag inne. Seit 2015 sind die Zahlen zwar leicht rückläufig, verbleiben aber insgesamt auf einem hohen Niveau. Im Branchenvergleich sind anteilig die meisten Befristungen im Bildungssektor ( Hochschulen! ), im Gastgewerbe, bei Kunst und Unterhaltung zu finden. Zwischen den Geschlechtern bestehen hingegen kaum Unterschiede.

Es trifft vor allem junge Menschen

Heraussticht allerdings die konkrete Verteilung auf die verschiedenen Altersgruppen. Während bei älteren Jahrgängen befristete Arbeitsverhältnisse eine eher untergeordnete Rolle spielen, ist das Phänomen unter jungen Menschen sehr weit verbreitet. Fast ein Fünftel der 15- bis 24-Jährigen wird quasi einer verlängerten Probezeit unterworfen, im Alter zwischen 25 und 34 Jahren sind es immer noch über 10 Prozent (siehe Grafik). Gerade der Berufseinstieg sowie das erste Jahrzehnt des Erwerbslebens geraten damit für viele junge Beschäftigte zu einer mit großen Unwägbarkeiten behafteten Zitterpartie. Oft müssen sie sich von Befristung zu Befristung hangeln.

Stete Unsicherheit und ihre Folgen

Neben der steten Ungewissheit über die Einkommensbasis, zeigen sich auch andere Negativfolgen für die Betroffenen. Kontinuierliche Sorgen um die Zukunft beeinträchtigen nicht nur die Gesundheit . Mit einem befristeten Arbeitsvertrag fällt es Beschäftigten sehr viel schwerer eine passende Wohnung zu mieten, einen langfristigen Kredit zu erhalten oder den Wunsch nach einer Familie zu realisieren . Zudem wird die Durchsetzung der eigenen Interessen im Unternehmen unterminiert, während erhöhte Jobchancen nicht nachweisbar sind.

Doch auch wenn Arbeitgeber immer nach Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt rufen, sind ausgeweitete Befristungsmöglichkeiten für sie auch ein schlechter Deal. Wer keinen unbefristeten Arbeitsvertrag hat, ist weniger produktiv , weil die Identifikation mit dem Unternehmen leidet. Es ist außerdem rätselhaft, warum einerseits ein Mangel an Fachkräften beklagt wird, auf der anderen Seite aber keine langfristige Bindung erfolgen soll.

Deshalb sollte die Bundesregierung die Büchse der Befristungen keineswegs noch weiter öffnen. Im Gegenteil: Gerade befristete Arbeitsverträge ohne Sachgrund gehören endlich abgeschafft. Beschäftigte brauchen Planungssicherheit im Job statt mehr Prekarität in ihrem Leben. Um sich für einen starken Sozialstaat und den Schutz der Arbeitnehmerrechte einzusetzen, rufen die Gewerkschaften am 26. September zum bundesweiten Aktionstag auf. Dann geht es auch in Hannover auf die Straße .

2026 - Prekäre Arbeit: Büchse der Befristungen schließen (pdf)