Deutsche Bahn Masterplan Frankfurter Hauptbahnhof; erster Teil der B-Ebene eröffnet
Frankfurter Hauptbahnhof: Historisches Tor zur Stadt im Wandel
Frankfurter Hauptbahnhof: Historisches Tor zur Stadt im Wandel
Dreck, Drogen und Diebstähle – glaubt man den Google Rezensionen des Frankfurter Hauptbahnhofs gibt es viele Orte, an denen sich Reisende lieber aufhalten würden als auf den Bahnsteigen der hessischen Metropole. Mit seiner über 135-jährigen Geschichte bietet der Bahnhof jedoch viel mehr, als im ersten Moment zu sehen ist. Neben beeindruckenden architektonischen und verkehrstechnischen Fakten rücken dabei zunehmend auch Sauberkeit, Sicherheit und soziale Verantwortung in den Fokus.
Imposantes Bauwerk mit langer Geschichte
Der Frankfurter Hauptbahnhof zählt zu den bedeutendsten Verkehrsknotenpunkten Europas und ist für viele Reisende der erste Eindruck, den sie von der Mainmetropole gewinnen. Rund eine halbe Million Menschen durchqueren den Bahnhof täglich, was ihn nach dem Hamburger Hauptbahnhof zum zweitfrequentiertesten Fernbahnhof Deutschlands macht – noch vor dem Münchner Hauptbahnhof.
Der Frankfurter Hauptbahnhof wurde 1888 – damals noch unter dem Namen „Centralbahnhof Frankfurt“ – eröffnet. Bei seiner Fertigstellung galt er als größter Kopfbahnhof Europas. Die Eingangshalle sowie die drei zentralen Bahnsteighallen wurden im Stil der Neorenaissance gebaut und prägen bis heute das Erscheinungsbild des denkmalgeschützten Gebäudes. Später wurden noch zwei Hallen an den Außenseiten ergänzt. Als Prestigeprojekt sollte der Bahnhof schon damals die Wichtigkeit Frankfurts als schnell wachsender Handels- und Finanzplatz symbolisieren.
Heute ist der Frankfurter Hauptbahnhof die wichtigste deutsche Verkehrsdrehscheibe im Zugverkehr und ein zentrales Zugangstor zur Stadt. Als klassischer Kopfbahnhof verfügt die Anlage über fünf markante Bahnsteighallen, in denen sich insgesamt 25 oberirdische Gleise erstrecken. Ergänzt wird dieses Angebot durch einen unterirdischen Tiefbahnhof mit vier weiteren Gleisen, der ausschließlich dem S-Bahn-Verkehr dient, sowie einen U-Bahnhof, der die Anbindung an den städtischen Nahverkehr sicherstellt. Täglich verbinden über 1.100 Züge Frankfurt mit zahlreichen nationalen und internationalen Zielorten, rund 700 S-Bahnen bringen die Fahrgäste zu Stationen innerhalb Frankfurts und ins Umland.
Als Kopfbahnhof ist der Hauptbahnhof in Frankfurt am Main einer von 20 größeren Bahnhöfen dieser Art in Deutschland. Im Gegensatz zu Durchgangsbahnhöfen , bei denen die Züge einfach durch den Bahnhof hindurch fahren, enden die Hauptgleise in einem Kopf- oder Sackbahnhof in der Bahnsteighalle. Jeder Zug, egal ob mit Endstation in Frankfurt oder nicht, muss zunächst in den Bahnhof hineinfahren und wechselt beim Hinausfahren die Fahrtrichtung .
In der aktuellen Ausgabe des Magazins “mittendrin in Hessen, Thüringen und Sachsen” in der ADAC Motorwelt blicken die Redakteure auf die beiden größten Kopfbahnhöfe Deutschlands in Frankfurt am Main und Leipzig.
Ursprünglich wurden viele dieser Bahnhöfe extra so gebaut, um möglichst nah an dem Stadtzentrum liegen zu können. Zudem war der Kostenfaktor ein wichtiger Punkt bei der Erbauung, da keine zusätzlichen Baumaßnahmen für die Weiterführung der Gleise durch das Stadtgebiet notwendig wurden. In einzelnen Städten wurde nach Verstaatlichung und Zusammenlegungen der Bahngesellschaften ein Teil der in Kopfbahnhöfen endenden Strecken durch durchgehende Strecken ersetzt. Der Frankfurter Hauptbahnhof blieb jedoch als Kopfbahnhof bestehen.
Ein Masterplan für den Frankfurter Hauptbahnhof
Eine über 130-jährige Geschichte und hunderttausende Reisende jeden Tag hinterlassen auch an einem imposanten Gebäude wie dem Hauptbahnhof Spuren. Die Deutsche Bahn hat daher schon vor einigen Jahren den sogenannten „Masterplan Frankfurter Hauptbahnhof“ ins Leben gerufen. Nach Angaben der Bahn erlebt der Bahnhof damit derzeit eine der größten Umgestaltungen seiner Geschichte , die mehr als 20 einzelne Teilprojekte umfasst. Viele dieser Arbeiten finden dabei an Stellen statt, die für Reisende gar nicht sichtbar sind.
Anders hingegen der Umbau der sogenannten B-Ebene : die unterirdische Verteilerebene ist das zentrale Nadelöhr für Reisende im Regionalverkehr . Seit Oktober 2020 wird hier gearbeitet, um dunkle Ecken verschwinden zu lassen und helle Aufenthaltsflächen schaffen. Dafür wurde extra ein neues Beleuchtungskonzept konzipiert. Seit Juni 2026 ist der erste Teil der neuen B-Ebene eröffnet und lockt mit hellem Raumkonzept und freundlicher Gestaltung. Erste Shops und Gastronomieangebote haben sich bereits angesiedelt – bis Ende 2027 sollen auf der Ebene rund 30 Geschäfte auf die Reisenden warten. Auch der barrierefreie Zugang wurde bereits verbessert: Der Eingang „Kaisertor“ wurde modernisiert und erleichtert nun den Zugang zur B-Ebene sowie zu Straßenbahnen, S- und U-Bahnen.
Obwohl der Hauptbahnhof Frankfurt 25 Gleise hat, werden nur 24 von ihnen angezeigt. Die Erklärung: Bahnsteig 1 ist in die Gleise 1 und 1A aufgeteilt. „Gleis 25“ ist eine Frankfurter Kneipe am Nordausgang der Station. Die Deutsche Bahn plant jedoch, perspektivisch ein weiteres Gleis in den Bahnhof zu integrieren.
Das mit Abstand größte Zukunftsprojekt bleibt jedoch der geplante Fernbahntunnel Frankfurt am Main, der den Hauptbahnhof entlasten und zu einem unterirdischen Durchgangsbahnhof für den Fernverkehr machen soll. Mit Baukosten von rund 3,6 Milliarden Euro gehört dieses Vorhaben zu den bedeutendsten Infrastrukturprojekten des sogenannten „Deutschlandtakts“. Der Baubeginn wird für die 2030er-Jahre erwartet, die Inbetriebnahme für Anfang der 2040er-Jahre.
Der Frankfurter Hauptbahnhof ist schon immer Spiegelbild und Schauplatz gesellschaftlicher Themen und Entwicklungen. Ob Drogenkonsum, Wohnungslosigkeit oder Flucht – wer über den Bahnhofsvorplatz und durch die Bahnsteighallen geht, kann sich diesen Themen kaum entziehen. Die Bahnhofsmission ist hierbei seit vielen Jahren eine wichtige und bewährte Anlaufstelle für Menschen in Not . Zusätzlich sind über die Jahre weitere Projekte und Angebote hinzugekommen, die Dialog und Hilfe bieten sollen.
Ein zentraler Baustein der Frankfurter Bahnhofspolitik ist der in den 1980er -Jahren entwickelte sogenannte „Frankfurter Weg“ im Umgang mit Drogenkonsum und Wohnungslosigkeit. Statt drogenabhängige Menschen ausschließlich mit Strafen zu belegen, verbindet der Ansatz gesundheitliche und soziale Hilfen mit polizeilichen Maßnahmen gegen den illegalen Drogenhandel. Das Ziel ist es, Leben zu retten, die Risiken des Drogenmissbrauchs zu minimieren und den Konsum im öffentlichen Raum zu verringern.
Für einen attraktiven, sicheren und sauberen Bahnhof, der für gesellschaftliche und soziale Herausforderungen gerüstet ist, bedarf es auch weiterhin der Umsetzung vielfältiger Projekte . Die bisherigen Entwicklungen zeigen jedoch, dass diese Themen stetig angegangen werden, um den Frankfurter Hauptbahnhof kontinuierlich zu verbessern.
Der Frankfurter Hauptbahnhof ist die wichtigste Verkehrsdrehscheibe in Deutschland.