Lisa-Kristin Kapteinat besucht Stiftsklinikum Proselis in Recklinghausen; Insolvenzgefahr für 57 katholische Kliniken.
Krankenhäuser: Das „Monstrum“ der Bürokratie wächst
Pressemitteilung Das „Monstrum“ der Bürokratie wächst Bei einem Besuch in Stiftsklinikum Proselis in Recklinghausen hat die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im NRW-Landtag, Lisa-Kristin Kapteinat, die Auswirkungen der steigenden Anforderung an des Abrechnungssystem im Gesundheitswesen kennenlernen können. Erschienen am: 21.08.2026 Herausgeber: Caritasverband für die Diözese Münster e. V. Kardinal-von-Galen-Ring 45 48149 Münster 0251 8901-0 0251 8901-0 info@caritas-muenster.de www.caritas-bistum-muenster.de
Vielen Dank für die Weiterempfehlung!
Das „Monstrum“ der Bürokratie wächst
Bei einem Besuch in Stiftsklinikum Proselis in Recklinghausen hat die Stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD im NRW-Landtag, Lisa-Kristin Kapteinat, die Auswirkungen der steigenden Anforderung an des Abrechnungssystem im Gesundheitswesen kennenlernen können.
Viel Aufwand bedeutet viel Zeit und Kosten: Lisa-Kristin Kapteinat konnte sich ein umfangreiches Bild von der Bürokratie im Abrechnungssystem für die Krankenhäuser machen. Michael Bönte, Caritasverband für die Diözese Münster
“Viel zu kompliziert.” Lisa-Kristin Kapteinat hat bei ihrem Besuch im Stiftungsklinikum Proselis in Recklinghausen die Anforderungen an die Bürokratie im Gesundheitssystem kennengelernt und deutliche Kritik an den bestehenden Verfahren geübt. Die Stellvertretende Vorsitzende der SPD -Fraktion im Landtag NRW beschrieb das System als “frustrierend”: “Eigentlich müssten dabei alle Akteure zusammenarbeiten, das ist aber oft nicht der Fall.”
Kapteinat konnte sich ein umfassendes Bild von der aufwendigen Datenerfassung, der umfangreichen Dokumentationspflicht und den komplexen Kommunikationswegen machen. Dabei durchlief sie auch ein klassisches Patientenaufnahme-Gespräch, bei dem sie 16 Seiten ausfüllen und zwölf Unterschriften leisten musste. Auch der Besuch des Medizincontrollings und der Patientenabrechnung stand auf dem Programm ihres Besuchs.
“Es ist ein aufgeblähtes, hochkompliziertes System mit einem furchtbar überdehnten Grat an Bürokratie, das oftmals über das sicherlich Sinnvolle hinausgeht”, kommentierte der ärztliche Leiter des Bereichs Erlösmanagement-Medizincontrolling im Stiftungsklinikum, Dr. Matthias Dittes, die Abrechnungsanforderungen, dessen tägliche Herausforderungen er im Detail vorstellte. Ein “bürokratisches Monstrum”, das finanzielle und personelle Ressourcen binde. “Gerade in Zeiten begrenzter Mittel und knapper Personalressourcen erleben wir nun einen von der Politik ab 2027 aufgebürdeten Zuwachs an Bürokratie durch die drastische Erhöhung der Prüfquoten des Medizinischen Dienstes - wir sollten eher in die Versorgung des Patienten investieren.”
Die Krankenhäuser erlebten einen starken Anstieg an Prüfungen von Leistungen, sagte Dittes. “Eine Atmosphäre des Misstrauens” sei entstanden, in der sich Krankenhäuser dem Generalverdacht ausgesetzt sähen, nicht exakt abzurechnen. Mittlerweile wendeten Pflegende und Ärzte einen großen Teil ihrer Arbeitszeit für die Dokumentation auf, die dann durch die Abrechnungsstellen weiterbearbeitet werden müssten. “Und darauf folgt oft ein Hin und Her mit Anfragen und Nachforderungen von den Krankenversicherungen.” Bei jährlich fast 100.000 Behandlungen in den zwei Krankenhäusern des Stiftsklinikums explodiere so der Bearbeitungsaufwand.
Die Verschlankung des Systems ist für Marcus Proff vom Caritasverband für die Diözese Münster ein wichtiger Ansatzpunkt, auch im Kontext der aktuellen Reformen im Gesundheitswesen und des Sparpakets zugunsten der Krankenkassen. “Bevor Pauschalen gekürzt und Leistungen gestrichen werden, muss durch den Abbau bürokratischer Aufwände finanzieller Spielraum geschaffen werden.”
Der Leiter des Bereichs Krankenhäuser, Palliativ und Pflegeausbildung im Diözesancaritasverband blickte mit Sorge auf den wachsenden Druck auf die 57 katholischen Kliniken im Bistum Münster. “Es besteht die Gefahr, dass bis zur Hälfte von ihnen in die Insolvenz geraten könnte.” Das Spargesetz belaste die Leistungserbringer im Gesundheitswesen enorm, insbesondere die Krankenhäuser. “Sie sollen in den kommenden Jahren Milliardenbeträge einsparen - wie das gelingen soll, ist aber bislang nicht geklärt”, sagte Proff.
Lisa-Kristin Kapteinat konnte bei ihrem Besuch eine Vielzahl an Hürden, Verzögerungsmechanismen und Fehlanreizen in der täglichen Kommunikation zwischen Krankenhäusern, Krankenkassen und dem Medizinischen Dienst kennenlernen. “Eigentlich müssten alle Beteiligten das Ziel haben, die bestmögliche Versorgung aller Patienten zu sichern”, sagte die Politikerin. “Das kann aber nicht gelingen, indem die Krankenhäuser bei der Stabilisierung der Kosten die finanzielle Hauptlast tragen müssen.” Für sie liegt eine Lösung daher nicht darin, “in dem vorhandenen System immer weiter nachzubessern”. Es müsse noch einmal grundsätzlich darauf geschaut werden, um nicht noch weiter zu “verschlimmbessern”.
Von Recke bis Recklinghausen, von Emmerich bis Lengerich - die Caritas im Bistum Münster ist für Menschen in Notsituationen da. Ob Jung oder Alt, Alleinstehend oder Großfamilie, mit Behinderung oder Migrationshintergrund, körperlicher oder psychischer Erkrankung. Unter dem Motto “Not sehen und handeln” sind 80.000 hauptamtliche Mitarbeitende und 30.000 Ehrenamtliche rund um die Uhr im Einsatz. Für die Hilfe vor Ort sorgen 25 örtliche Caritasverbände, 18 Fachverbände des Sozialdienstes katholischer Frauen (SkF) und 3 des SKM - Katholischer Verein für Soziale Dienste. Hinzu kommen 57 Kliniken, rund 150 Einrichtungen der Behindertenhilfe, 205 Altenheime, 95 ambulante Dienste, 115 Tagespflegen, 27 Pflegeschulen, 89 Kindertageseinrichtungen und 22 stationäre Einrichtungen der Erziehungshilfe. Über 6.200 Teilnehmende nutzen jährlich die 350 Fort- und Weiterbildungsangebote des Diözesancaritasverbands.
Caritasverband für die Diözese Münster e. V. Kardinal-von-Galen-Ring 45 48149 Münster
Deutscher Caritasverband e. V. Reinhardtstr. 13 10117 Berlin