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title: "Ruedi Ott koordiniert Rettungstransport nach Venezuela; 80 Spezialistinnen, 8 Suchhunde, 18 Tonnen Material"
sdDatePublished: "2026-08-21T07:07:00Z"
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Ruedi Ott koordiniert Rettungstransport nach Venezuela; 80 Spezialistinnen, 8 Suchhunde, 18 Tonnen Material

24 Stunden und 10 Minuten

Mitteilung Veröffentlicht am 21. August 2026

24 Stunden und 10 Minuten

Als um 3.50 Uhr das Telefon klingelt, beginnt für Ruedi Ott ein Wettlauf gegen die Zeit. Innerhalb von Stunden muss der stellvertretende Logistikchef der Schweizer Rettungskette zusammen mit Dutzenden Kolleginnen und Kollegen einen hochkomplexen Einsatz organisieren: 80 Spezialistinnen und Spezialisten, acht Rettungshunde und 18 Tonnen Material sollen möglichst schnell ins Erdbebengebiet in Venezuela gelangen. Jede Stunde zählt – und jedes Glied der Rettungskette muss funktionieren. Ein langer Tag steht bevor.

3.50 Uhr: Als das Telefon auf dem Nachttisch klingelt, weiss ich, dass etwas Gravierendes passiert ist. Und tatsächlich: Vor wenigen Stunden hat ein Jahrhundertbeben Venezuela erschüttert. Unser Pikett wurde kurz darauf vom Schweizer Erdbebendienst über das Ereignis informiert und hat in der Zwischenzeit bereits erste Informationen zur Lage vor Ort eingeholt. In Absprache mit dem Delegierten für humanitäre Hilfe und der Botschaft in Caracas wurde entschieden, den Krisenstab einzuberufen. Treffpunkt: 7.30 Uhr im Krisenraum der DEZA in Bern. Mir bleiben noch gut drei Stunden. Ich bin hellwach.

4.30 Uhr: Die Drähte laufen heiss. Auf allen Kanälen werden Personen aufgeboten und Informationen beschafft. Meine Aufgabe als Logistiker ist es, zu prüfen, wie wir möglichst schnell Rettungskräfte ins Katastrophengebiet bringen können. Oder anders gesagt: Ich brauche Flugzeuge. Bis zum Meeting prüfe ich sämtliche Optionen – von der SWISS-Maschine über einen Charter-Broker bis zur Rega.

Um 7.30 Uhr findet die erste Einsatzleitungssitzung statt. Vertreten sind alle für einen möglichen Soforteinsatz relevanten Stellen: der Delegierte des Bundesrats für humanitäre Hilfe und Chef des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe (SKH), die Armee, die Botschaft in Caracas, Personalverantwortliche, Logistikerinnen und Logistiker, Mediensprechende und weitere Fachleute. Die zentrale Frage lautet: Schickt die Schweiz ein Team von Spezialistinnen und Spezialisten ins Katastrophengebiet?

Die Antwort ist einhellig: Ja. Venezuela hat den Notstand ausgerufen und um internationale Hilfe gebeten. Unser Ziel ist es, möglichst rasch vor Ort zu sein – solange die Chancen auf Lebendrettungen intakt sind. Meine Abklärungen zeigen: Ein Rega-Jet kann ab 18.30 Uhr mit einem Vorausdetachement ab Zürich starten. Ein grosser Passagierjet für die Such- und Rettungskräfte sowie das Material konnte bisher aber noch nicht gefunden werden, da SWISS nicht nach Venezuela fliegen kann. Die Suche nach Alternativen läuft auf Hochtouren, der Druck ist gross…

Um 9.30 Uhr der erlösende Anruf: Wir haben ein Passagierflugzeug für den Transport der Rettungskette. Abflug ab Zürich Flughafen ist frühestens um 2.00 Uhr.

Um 11.30 Uhr beschliesst die Einsatzleitung den Einsatz der Rettungskette, das Such- und Rettungssystem für aussergewöhnlich grosse Erbeben in urbanen Gebieten. 80 Spezialistinnen und Spezialisten, acht Suchhunde und 18 Tonnen Einsatzmaterial und Gepäck müssen bis zum Abend mobilisiert und reisefertig gemacht werden. Für unser Logistikteam bedeutet das: Material bereitstellen, kontrollieren und transportfertig machen sowie die Mitglieder der Rettungskette mobilisieren.

Ab 14.30 Uhr verladen wir das Einsatzmaterial vom Lager in Bern-Wabern auf die Lastwagen: Zelte, Verpflegung, Generatoren, Wasserversorgung, Ortungs- und Rettungsgerät sowie medizinische Ausrüstung. Alles ist bereit für den Cargo-Verlad.

15.30 Uhr: Der Flughafen Zürich bestätigt die Ausnahmebewilligung für den Nachtflug. Damit liegen wir innerhalb des kritischen Zeitfensters, um Überlebende finden und retten zu können. Unser Team wird als eines der ersten in Venezuela eintreffen. Wo genau ist zurzeit noch unklar, da der Flughafen in Caracas beschädigt ist und nicht angeflogen werden kann.

Um 18.30 Uhr heulen die Turbinen der Challenger 650 vor dem Rega-Hangar auf. An Bord ist das von der DEZA entsandte Vorausdetachement. Die sechs Spezialistinnen und Spezialisten des SKH sollen den Boden bereiten für die Ankunft des Rettungsteams. Ihr Auftrag ist es, sich vor Ort ein Bild der Lage zu machen, sich mit den nationalen Behörden und internationalen Teams zu vernetzen, einen Standort für unser Camp zu suchen und den Transport des Einsatzmaterials sowie der Korpsangehörigen zum Schadengebiet zu organisieren.

Um 21.00 Uhr treffen die Korpsmitglieder am Mobilmachungsplatz im Rega-Hangar Zürich ein. Vor wenigen Stunden arbeiteten sie noch als Ingenieur, Ärztin oder dienten bei der Armee. Jetzt stehen sie im orangen Tenü bereit. Ich weiss, wie gross die Anspannung vor so einem Einsatz ist. In jungen Jahren steckte ich ebenfalls in dieser Uniform und leistete zwei Einsätze nach den Beben in der Türkei. Heute organisiere ich ihren Transport in den Einsatz, und mein Team stellt die Ausrüstung mit Funkgeräten, Satellitentelefonen und weiterem technischem und medizinischem Material sicher.

Um 2.47 Uhr hebt der Airbus A340-300 Richtung Venezuela ab. Ziel ist der rund 8000 Kilometer entfernte Ausweichflughafen in Maracay, ca. 150 Kilometer westlich von Caracas. Geschafft – dank des tollen Zusammenspiels in unserem Logistikteam sowie den Kolleginnen und Kollegen in der Zentrale, den Korpsmitgliedern und unseren zahlreichen externen Partnern. Vom Alarm bis zum Abladen des Materials auf dem Schadenplatz entscheidet jedes Glied der Rettungskette über den Erfolg der Mission. Die Kette hat wieder einmal tadellos funktioniert, und ich mache mich zufrieden auf den Heimweg.

4.00 Uhr: Das Telefon liegt wieder auf dem Nachttisch. 24 Stunden und 10 Minuten nach der Alarmierung komme ich langsam für ein paar Stunden zur Ruhe. Es sind Tage wie dieser, die mich seit 20 Jahren bei der DEZA-Logistik halten.

+41 58 462 67 66