Stadt Stuttgart löst Waldbeirat auf; 27.000 Euro Einsparsumme
Nr. 190 | Mittwoch, 19. August 2026 STUTTGARTER ZEITUNG Von Judith A. Sägesser Stuttgart. Als sie erfuhr, dass es den Wald- beirat nicht mehr gibt, da waren schon Fak- ten geschaffen, das Gremium war seit einem Vierteljahr aufgelöst. „Ich war geschockt“, sagt die Stuttgarterin, die ihren Namen nicht veröffentlichen will. Erstens von der Ent- scheidung, zweitens vom Vorgehen. Sie war stellvertretendes Mitglied, und bislang nur einmal bei einer Sitzung. Jörg Noetzel ging es ähnlich. Er sagt, er habe über Umwege er- fahren, dass der Waldbeirat Geschichte ist. „Ein Gremium für Bürgerbeteiligung und fachlichen Austausch wird abgeschafft, obwohl seine konkrete Einsparwirkung nicht bekannt ist.“ Ken Spohrer, Ansprechpartner für Waldschutz bei Greenpeace Stuttgart Noetzel hat das Gremium, das bundesweit Beachtung fand, im Jahr 2019 mit begründet. Die Idee hinter dem Stuttgarter Waldbeirat: Bürger und Interessenträger miteinander zu vernetzen und durch Information Konflikte zu verhindern. Die gab es in der Vergangen- heit in Stuttgart oft wegen „Abholzungen“. Am 26. März 2026 ging bei den Mitglie- dern des Waldbeirats jenes Schreiben der Stadt ein, das die Waldbeiräte erst einmal ratlos gemacht hat. Ein Unding, findet Jür- gen Gesierich vom Arbeitskreis Wald bei Greenpeace Stuttgart. Die Mitglieder hätten erstmals nach drei Monaten offiziell erfah- ren, dass es den Waldbeirat nicht mehr gibt. Greenpeace Stuttgart geht mit dem Vor- gang nun an die Öffentlichkeit; erst jetzt, weil es noch Hintergrundrecherchen bedurf- te. Die Auflösung des Waldbeirats sei ein „ein Offenbarungseid“, sagt auch Ken Spoh- rer, Ansprechpartner für Waldschutz bei Greenpeace Stuttgart. „Ein Gremium für Bürgerbeteiligung und fachlichen Aus- tausch wird abgeschafft, obwohl seine kon- krete Einsparwirkung nicht bekannt ist.“ Die Stadt Stuttgart gibt an, den Waldbei- rat „aufgrund der Maßnahmen im Zuge der Haushaltskonsolidierung“ eingespart zu ha- ben. So ist es in dem Brief an die Waldbeiräte zu lesen. Wie hoch der Einsparbetrag kon- kret ist, hat Greenpeace bisher noch nicht er- fahren. Die Stuttgarterin, die von der Post im März kalt erwischt wurde, sagt: „Ums Geld ging es mir doch nie.“ Sie habe zudem auch nie etwas bekommen. Auf Nachfrage unserer Redaktion teilt die Stadt Stuttgart mit, dass für den Waldbeirat in den Jahren 2024 und 2025 jeweils 5133 Euro im Haushalt eingeplant waren; in den Jahren zuvor seien es 4400 Euro pro Jahr ge- wesen, weil die Entschädigungen niedriger gewesen seien. Aktuell liegen sie bei 60 Euro für sachkundige Mitglieder und bei 80 Euro (ab drei Sitzungsstunden) für Stadträte. Ins- gesamt seien sieben Gremien gestrichen worden, die gesamte Einsparsumme liege bei 27.000 Euro. Die Stadt kündigt in ihrem Schreiben an die ehemaligen Waldbeiräte sogenannte Waldgespräche als Alternative an. „Zum Bei- spiel in Form eines Waldbegangs.“ Die Ter- mine und das Exkursionsthema würden auf der Homepage der Stadt veröffentlicht, die Teilnehmerzahl werde auf 25 Personen be- grenzt sein. „Das ist für uns viel zu unzureichend“, sagt Ken Spohrer. Man wolle nun öffentlich Druck machen, in der Hoffnung, dass der Waldbeirat doch noch eine Chance hat. „Hier ist etwas gründlich schief gelaufen, was schnell öffentlich diskutiert und korrigiert werden muss“, sagt Lutz Fähser, Leitender Forstdirektor im Ruhestand aus Lübeck. „Wälder im Eigentum einer Stadt gehören kollektiv allen Menschen dieser Stadt. Der Waldbeirat der Stadt Stuttgart muss umge- hend wieder eingesetzt werden.“ Nach einem Vortrag von Lutz Fähser und aufgrund seiner Empfehlung wurde 2019 der Waldbeirat in Stuttgart gegründet. Seit sei- nem Bestehen wurde der Stuttgarter Stadt- wald sowohl FSC als auch Naturland zertifi- ziert. Innovativer Waldbeirat Stuttgart aufgelöst Der angesehene Waldbeirat wurde wegen des Haushaltslochs aufgelöst. Dabei sagen die Mitglieder: ums Geld ging es ihnen nie. Um den Wald in Stuttgart gab es in der Vergangenheit viele Konflikte. Der Waldbeirat hat von 2019 bis 2025 dazu beitragen, dass es friedlicher zugeht. Foto: dpa/Andreas Arnold