Maximilian Heim, Abt des Stifts Heiligenkreuz, kündigt Rücktritt in September an; Visitation weckt Führungs-Spekulationen.
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Heiligenkreuz: Der Abt, die Visitation und der Rücktritt
VERÖFFENTLICHT AM 21.08.2026 UM 00:01 UHR – VON MATTHIAS ALTMANN – LESEDAUER: 6 MINUTEN
BONN - Der Heiligenkreuzer Abt Heim wird sein Amt abgeben. Bei der Ankündigung wurde die Visitation des Klosters im vergangenen Jahr nicht erwähnt. Doch es dürfte unwahrscheinlich sein, dass der Rücktritt nichts damit zu tun hat.
Für viele konservative Katholiken gilt das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald als eine Art Oase. Im Gegensatz zu anderen Klöstern im deutschsprachigen Raum, die große Nachwuchsprobleme haben und buchstäblich wegsterben, wuchs die österreichische Zisterzienserabtei in den vergangenen Jahren rasant und zog Novizen aus vielen Ländern an. Nach Angaben des Klosters waren im Jahr 2025 über 100 Mönche Teil des Konvents. Als Hauptgrund dafür sehen Gläubige, die dem Stift verbunden sind, den klar traditions- und lehramtsverbundenen Kurs der Gemeinschaft. Und der Hochschule, die die Abtei betreibt – nicht nur zur Ausbildung der eigenen Novizen, sondern anderer angehender Geistlicher.
Nun steht die Abtei vor einem einschneidenden Schritt – nach Wirbel in den vergangenen eineinhalb Jahren um die Apostolische Visitation, der sie unterzogen worden ist. Mitte September wird Maximilian Heim, seit gut 15 Jahren an der Spitze des Klosters, sein Amt als Abt abgeben. Er wolle es, auch aus gesundheitlichen Gründen, “in jüngere Hände legen”, und verwies auf seine Herzprobleme, die vergangenes Jahr auftraten. Der Abtpräses der österreichischen Zisterzienserkongregation, Pius Maurer, würdigten Heims Verdienste. Dieser habe “mit Gottvertrauen und großem Einsatz die Mönche von Heiligenkreuz in herausfordernden Zeiten geleitet” und “übergibt eine lebendige Gemeinschaft, die über die Grenzen Österreichs ausstrahlt”. Ein Zusammenhang zwischen dem Rücktritt Heims und der Visitation wird in der Pressemitteilung, die am Donnerstag veröffentlicht wurde, nicht hergestellt. Dass ein solcher tatsächlich nicht besteht, dürften allerdings die wenigsten Beobachter so sehen.
Hinweise “bezüglich der Leitung und Verwaltung”
Rückblick: Im Juni 2025 hatte das Stift angekündigt, dass das Ordensdikasterium die Lage im Kloster untersuchen will und dazu Visitatoren schickt. Etwa zur gleichen Zeit wurden mutmaßliche Missstände bekannt: In anonymen Schreiben an mehrere Stellen war von Vorwürfen der Nötigung, Missbrauch und Streitereien bei Postennachbesetzungen im Stift die Rede. Der Vatikan gab als Grund für die Visitation an, er habe Hinweise “bezüglich der Leitung und Verwaltung” erhalten.
Das Stift teilte anlässlich der Ankündigung mi t, der Vatikan wolle sich ein “genaues Bild über die Situation des monastischen Lebens und von der Leitung der Abtei” verschaffen. Und dass der Heilige Stuhl darum bitte, die Visitation “als einen Ausdruck wohlwollender Unterstützung zu verstehen, der darauf abzielt, die nachhaltige Entwicklung dieses blühenden Stiftes zu fördern und es vor möglichen inneren wie äußeren Gefährdungen zu bewahren”. Die Abtei betonte, sie nehme das gerne an.
Das Stift Heiligenkreuz im Wienerwald wurde 1133 gegründet. Die Abtei ist damit das zweitälteste noch bestehende Kloster des Zisterzienserordens.
Schon damals war die Kommunikationsstrategie der Abtei auffällig. Denn das Dekret zur Visitation, das einen Tag nach der Ankündigung über Medien an die Öffentlichkeit gelangte, war viel deutlicher – und etwas weniger wohlwollend. Demnach bestand der Auftrag der Visitatoren darin, “den Leitungsstil der Abtei in seiner Gesamtheit sowie das persönliche Führungsverhalten des Abtes eingehend zu prüfen”, und zu untersuchen, “in welchem Maß geistliche Autorität in verantwortungsbewusstes und dienendes Handeln umgesetzt wird und wie innerhalb der Gemeinschaft mit Kritik, Anregungen und Rückmeldungen umgegangen wird, insbesondere im Hinblick auf Offenheit, Dialogfähigkeit und konstruktive Konfliktkultur”. Schließlich sollten die “Verfahren zur Unterscheidung von Berufungen, die Anfangsphase der Ausbildung sowie die kontinuierliche Weiterbildung innerhalb der Gemeinschaft” in den Blick genommen werden.
Das stützt in einigen Punkten die Sicht derer, die schon länger skeptisch auf die Entwicklungen in Heiligenkreuz blicken. Kritik gibt es nicht nur an einer als zu konservativ empfundenen Ausrichtung, sondern insbesondere an der Praxis bei der Aufnahme neuer Novizen. Es werde dabei eher auf Quantität statt auf Qualität geachtet, heißt es aus Ordenskreisen. Der Vorwurf lautet oftmals, man gehe zu großzügig und unkritisch bei Kandidaten vor, denen in anderen Klöstern oder in Diözesen der geistliche Weg aus verschiedenen Gründen verwehrt worden wäre oder ist. Außerdem seien durch den starken Zulauf in den vergangenen Jahren organisatorische und menschliche Spannungen sowie Machtkämpfe in der Gemeinschaft entstanden.
Zudem war rund einen Monat vor Visitationsankündigung ein Pater der Abtei, Edmund Waldstein, wegen seiner Positionen in die Schlagzeilen geraten : Die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Innsbruck distanzierte sich von ihm und legte ihn nahe, auf die geplante Einreichung seiner Habilitationsarbeit zu verzichten. Als Begründung führte die Fakultät Medienberichte an, die Waldstein in die Nähe von rechtskonservativen und reaktionären Netzwerken gerückt hatten. Die Hochschule Heiligenkreuz, an der Waldstein lehrt, wies eine Verbindung von ihm zu christlich-fundamentalistischen Gruppierungen zurück.
Als Visitatoren hatte das Ordensdikasterium Jeremias Schröder, Abtprimas der Benediktinischen Konföderation, und Christine Rod, Generalsekretärin der Österreichischen Ordenskonferenz, bestellt. Diese führten im Hebst 2025 dem Vernehmen nach Gespräche mit allen Mönchen des Konvents und externen Personen. Im Juni dieses Jahres wurde schließlich über die Ergebnisse der Visitation informiert – erneut vom Stift. So habe das vatikanische Ordensdikasterium die Abtei unter anderem angewiesen, die interne und externe Kommunikation zu verbessern und klare strategische Prioritäten für die Gemeinschaft zu entwickeln. Auch die theologische und spirituelle Ausrichtung des Klosters solle überprüft werden. Weitere Schwerpunkte seien die sinnvolle Heranführung junger Menschen an das Ordensleben sowie die Schärfung von Identität und Selbstbild des Stifts.
Immer wieder wird der Abtei Heiligenkreuz vorgeworfen, sie sei bei der Aufnahme von Kandidaten zu unkritisch.
Ein Kenner der österreichischen Ordenslandschaft erklärte gegenüber katholisch.de, dass das Stift und der Abt die Ergebnisse wohl etwas anders dargestellt hätten, als sie vom Ordensdikasterium gemeint waren. Während das Stift von “Empfehlungen” schrieb, habe der Vatikan dezidiert von Anordnungen gesprochen.
Auch der Wiener Kirchenhistoriker Rupert Klieber sprach kurz nach der Veröffentlichung der Ergebnisse durch Heiligenkreuz von “erkennbaren Problemen hinter einer zunächst positiven Darstellung des Visitationsverlaufs”. Diese vermittle zunächst “den Eindruck einer sehr wohlwollenden Evaluierung dieses Stiftes”. Doch bei genauerem Hinsehen zeigten sich “sehr deutliche Kritikpunkte”. Mit Blick auf die Leitung durch Abt Maximilian Heim sagte Klieber, wenn ein Evaluationsteam feststelle, “dass meine Kommunikation verfehlt war, dass ich in der Auswahl des Nachwuchses zu großzügig war oder dass ich kein Konzept für die Zukunft habe”, müsse man überlegen, “ob man diesen Prozess nicht in andere Hände legen müsste”.
Im Stift selbst fühlt man sich offenbar schlecht informiert, wie katholisch.de erfuhr. Die Mönche hätten vieles rund um die Visitation erst aus den Medien erfahren und nicht bedeutend mehr Information bekommen als die, die in der entsprechenden Pressemittelung vom April standen. Der Unmut unter ihnen sei groß, die aktuelle Stimmung in der Abtei wird als schlecht beschrieben.
Nun steht für die Abtei eine Übergangszeit an. Diese wirkt mit der Ankündigung, in Absprache mit dem Vatikan zunächst einen Administrator, also einen Übergangsleiter, für drei Jahre zu wählen, fast verordnet. Der Vatikan jedenfalls dürfte genau hinsehen, wie mit seinen Forderungen im Stift in dieser Zeit umgegangen wird. Denn trotz aller Probleme, die die Visitatoren offensichtlich festgestellt haben: Die Dynamik in Sachen Berufungen in Heiligenkreuz abzuwürgen, dürfte wohl kaum unter den vatikanischen Anliegen sein.
Heiligenkreuzer Abt Maximilian Heim tritt zurück
Er wolle das Amt “in jüngere Hände” legen. Abt Maximilian Heim von Stift Heiligenkreuz hat seinen Rücktritt angekündigt. In den vergangenen Monaten war die Zisterzienserabtei wegen einer vatikanischen Visitation im Fokus.
Wahl eines Administrators im September