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title: "Schulen im Kanton Bern führen das Schulentwicklungsprojekt «5 Lektionen am Vormittag» ein; Ab 2026/27 prüf- und umsetzbar."
sdDatePublished: "2026-08-21T14:48:00Z"
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Schulen im Kanton Bern führen das Schulentwicklungsprojekt «5 Lektionen am Vormittag» ein; Ab 2026/27 prüf- und umsetzbar.

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«5 Lektionen am Vormittag»
Checkliste und Hintergrund zum Schulentwicklungsprojekt

Das Schulentwicklungsprojekt «5 Lektionen am Vormittag» beinhaltet die Neuorganisation der Un-
terrichtzeiten. Der Kern des Schulentwicklungsprojekts ist die folgende strukturelle Anpassung: Am
Vormittag gelten für alle Schüler*innen vom Kindergarten bis zur 9. Klasse dieselben Unterrichts-
zeiten von 08.00 bis 12.15 Uhr. Exemplarisch wird die Umsetzung im Kapitel «Hintergrund zum
Schulentwicklungsprojekt» (S. 5) erläutert.
Durch die Anpassung der Allgemeinen Hinweise und Bestimmungen (AHB, 2017, Abs. 4.3.2) per
Schuljahr 2026/27 können interessierte Schulen im Kanton Bern dieses Schulentwicklungsprojekt
für sich prüfen und umsetzen. Deshalb wurde dieser Leitfaden im Auftrag der Bildungs- und Kul-
turdirektion (BKD) erstellt, der eine konkrete Checkliste für am Modell interessierte Schulen formu-
liert.

Was muss bei der Planung und Umsetzung des Schulentwicklungsprojekts be-
rücksichtigt werden?

Das Schulentwicklungsprojekt «5 Lektionen am Vormittag» kann systematisch entlang der drei
Stufen eines Veränderungsprozesses gestaltet werden: Start-, Umsetzungs- und Überprüfungs-
phase (Abbildung 1). Es ist empfehlenswert, in diesen verschiedenen Phasen konkrete Kommuni-
kations- und Informationsprozesse einzuplanen. In der Abbildung 1 werden mögliche Aktivitäten
dargestellt, die dabei helfen können, das Schulentwicklungsprojekt gut bei den Beteiligten und
Betroffenen zu verankern.

Abbildung 1. Möglicher zeitlicher Ablauf des Schulentwicklungsprojektes

In der Startphase wird die Idee der Neuorganisation der Unterrichtszeit formuliert und diskutiert –
sowohl zwischen Schulleitung und Schulkommission, aber auch im Kollegium. Wichtig ist dabei,
dass nicht nur eine kleine Gruppe von Personen von diesem Schulentwicklungsprojekt überzeugt
ist (z. B. die Steuergruppe oder eine Arbeitsgruppe1), sondern so viele Personen wie möglich das

1 Eine Steuergruppe ist eine längerfristig bestehende Gruppe aus an der Schule tätigen Personen, die sich mit der Schulent-
wicklung beschäftigen. Von einer Arbeitsgruppe spricht man, wenn eine temporäre Gruppe für ein Projektvorhaben gebildet
wird.

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Projekt mittragen. Die Entscheidung für die Umsetzung liegt bei den Führungspersonen (Schullei-
tung, kommunale Behörde). Die Steuergruppe kann gemeinsam mit der Schulleitung ein Konzept
erarbeiten.
Nach der Bewilligung des Projekts durch die zuständige kommunale Behörde, folgt die Umset-
zungsphase. Das Konzept wird mehrfach im Kollegium thematisiert und die konkreten Schritte in
der Umsetzung geklärt. Ebenso werden weitere wichtige Akteur*innen über den Schulentwick-
lungsprozess informiert (z. B. Eltern/Erziehungsberechtigte, Schüler*innen etc.). Die Neuorgani-
sation der Unterrichtszeiten erfolgt zu einem geplanten und festgelegten Zeitpunkt. Es ist wichtig,
dass die Lehrpersonen mehrmals über ihre Herausforderungen sprechen und gemeinsam Lösun-
gen finden. Vereinbarungen können im Rahmen von Stufensitzungen oder auch teamübergrei-
fend getroffen werden. Der Schulleitung kommt in diesem Prozess eine zentrale Rolle zu. Sie
übernimmt die Hauptverantwortung für die Projektleitung und die Erreichung der Meilensteine so-
wie Projektziele.
Im Rahmen der Überprüfungsphase kann es sinnvoll sein, eine Rückmeldung von verschiede-
nen Personen einzuholen – sei es im Rahmen einer externen Begleitung oder durch eigene Be-
fragungen (z.B. der Schüler*innen, Lehrpersonen und Eltern/Erziehungsberechtigte). Aufgrund
der Ergebnisse der Überprüfung wird das Projekt weiterentwickelt
Für die Gestaltung des Veränderungsprozesses ist die Balance von klaren Vorgaben und Zielen
und Handlungsspielraum für die Mitarbeitenden zentral. Die Schulleitung ist eine Schlüsselperson
für die Gestaltung dieser Kommunikations- und Informationsprozesse.

Checkliste zur Umsetzung des Schulentwicklungsprojektes

Im Rahmen eines solchen Schulentwicklungsprozesses ergeben sich Veränderungen auf ver-
schiedenen Ebenen: Auf der strategischen Ebene (Konzept, Strategie, Ziele und Leitbild, Informa-
tionsprozesse, Erwartungen usw.), auf der strukturellen Ebene (Schulbeginn und -ende, Nachmit-
tagsunterricht, Aufteilung von Unterricht und Freizeit) wie auch auf der pädagogischen Ebene
(Rhythmisierung, andere Lernformen, Formen der Zusammenarbeit, usw.). Insgesamt wird sicht-
bar, dass erfolgreiche Schulentwicklung eine Passung von Strategie, Struktur und Kultur erfor-
dert. Die folgenden Fragestellungen sollten von der Schulleitung geprüft und allenfalls mit einer
Steuergruppe / Arbeitsgruppe bearbeitet werden.

•In welchem Kontext befindet sich die Schule? (Lage, Bevölkerungsstruktur,
Rahmenbedingungen an der Schule, Klassenstufen und -grössen, Infrastruktur,
soziale und kulturelle Bedingungen, usw.)
•Warum ist das Schulentwicklungsprojekt für die Schule geeignet?
•Welche Ziele verfolgen Schulleitung, Steuergruppe, Gemeinde mit dem
Schulentwicklungsprojekt?
•In welchem zeitlichen Rahmen soll das Schulentwicklungsprojekt umgesetzt
werden? (siehe Abbildung 1, S. 1)
•Welche Schritte / Meilensteine sind bei bei der Umsetzung wichtig?
Rahmenbedingungen & strategische Überlegungen

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•Zu welchem Zeitpunkt wird die Schulkommission / kommunale Behörde in das
Vorhaben einbezogen? Inwiefern nimmt sie Entscheidungskompetenz hinsichtlich
des Schulentwicklungsprojekts wahr?
•Inwiefern dürfen Eltern/Erziehungsbrechtigten ihre Interessen und
Erwartungen/Bedenken im Schulentwicklungsprozess einbringen?
•Zu welchem Zeitpunkt sollen alle Eltern/Erziehungsbrechtigten über diesen
Schulentwicklungsprozess informiert werden?
Kommunikation & Partizipation
•Wie übernimmt die Schulleitung Verantwortung für diesen
Schulentwicklungsprozess?
•Wann und mit wem definiert die Schulleitung die zentralen strukturellen und
pädagogischen Anpassungen?
•Mit wem reflektiert die Schulleitung zentrale Herausforderungen und Risiken des
Schulentwicklungsprozesses?
Rolle der Schulleitung
•Wie und wann werden die Ziele des Schulentwicklungsprozesses überprüft?
•Findet eine externe Begleitung des Entwicklungsvorhabens statt? Wenn nein, wie
werden die Meinungen und Erfahrungen verschiedener Akteur*innen
berücksichtigt?
•Wer ist für das Monitoring zu welchem Zeitpunkt zu ständig?
•Was passiert mit den Ergebnissen des Monitorings?
Qualitätsmonitoring
•Wie werden die Unterrichtszeiten konkret angepasst? Gibt es Abweichungen zum
Modell des Schulstandorts Spitalacker/Breitenrain?
•Gibt es eine Anpassung der Pausenzeiten? Wann wird die grosse Pause gelegt?
•An welchen Nachmittagen findet Unterricht im Zyklus 2 und 3 statt?
•Gibt es im Zyklus 1 eine Ankommenszeit? Wie wird diese an die Eltern
kommuniziert (z. B. hinsichtlich Flexibilität der Nutzung und Pensenreduktion)?
Neuorganisation der Unterrichtszeiten

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•Wer kümmert sich um die Gestaltung/Festlegung des Stundenplans über alle
Zyklen hinweg? (Einzelperson bei der Stundenplanlegung (z.B. SL) oder Team)
•Wie können Fach- und Raumwechsel am Vormittag möglichst reduziert werden?
(Insbesondere bei Fächern wie Musik, Sport und Zeichnen/Werken und v. a. im
Zyklus 3)
•Wie können die Ressourcen von IF-Lehrpersonen sinnvoll eingesetzt werden?
(zeitliche Einplanung am Vormittag)
•Welche Räume können zu welchen Zeiten belegt werden? (z. B. Turnhallen,
Werkräume, usw.)
•Welche weiteren Akteur*innen müssen bei der Stundenplanlegung resp.
Raumbelegung berücksichtigt werden (z. B. Tagesschule, Vereine, Musikschule)?
Stundenplanlegung
•Inwiefern sollen verbindliche Präsenzzeiten für die Lehrpersonen an den freien
Nachmittagen festgelegt werden?
•Wann finden gemeinsame Austauschgefässe für die Lehrpersonen statt? (durch
freie Nachmittage mehr Optionen möglich)
•Wie wird ein Konsens hinsichtlich der Gestaltung der Übergänge bei fehlender 5
Minuten-Pause erreicht?
Zusammenarbeit & Teamkultur
•Wie wird der Unterricht rhythmisiert und bewusst gestaltet (Pausen, Bewegung,
Erholungszeiten)?
•Wann und wozu werden individuelle Pausen eingesetzt?
•Inwieweit können die Bedürfnisse der Schüler*innen im Unterricht berücksichtigt
werden?
•Wo können sich Schüler*innen bei Bedarf zurückziehen? (Rückzugsorte,
"Lernnischen")
•Wie können Lehrpersonen gezielt verschiedene Lern- und Arbeitsformen
einsetzen? (Projektarbeit, Selbstorganisiertes Lernen, Churer Modell, usw.)
•Wie werden die Übergänge zwischen den Fächern im Unterricht, aber besonders
bei Raum-/Lehrpersonenwechsel gestaltet?
•Wie können pädagogische Massnahmen in der Regelschule (MR) gezielt
eingesetzt und eingeplant werden?
•Welches Ziel hat die Ankommenszeit im Rahmen dieses Schulentwicklungs-
projekts? Wie kann sie gestaltet werden?
•Wie können Flowerleben (siehe Fussnote 2, S. 7) und vertiefte
Konzentrationsphasen der Schüler*innen (insbesondere im Zyklus 2 und 3)
ermöglicht werden?
Unterrichtsentwicklung

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Hintergrund zum Schulentwicklungsprojekt «5 Lektionen am
Vormittag»

Die Erfahrung aus dem Schulversuch zeigt: Nachhaltige Veränderung gelingt dann, wenn ein kla-
res Fernziel formuliert ist, wenn strukturelle Anpassungen dieses Ziel konsequent unterstützen
und wenn die gesamte Schule den Entwicklungsprozess gemeinsam trägt und weiterentwickelt.
Die Abbildung 2 (S. 11) zeigt eine Übersicht der Einflussfaktoren, Anpassungen und Chancen des
Schulentwicklungsprojekts.
Welche gesellschaftlichen, bildungspolitischen und kontextspezifischen Rahmenbedingun-
gen führten zum Schulentwicklungsprojekt?
Die folgenden Aspekte der aktuellen bildungspolitischen und gesellschaftlichen Lage wurden als
Gründe für die Initiierung des Schulentwicklungsprojekts wahrgenommen:
-
Lehrplan 21: Die angepasste Lektionentafel des Lehrplan 21 in Kombination mit der Abschaf-
fung der Frühstunden, hat dazu geführt, dass im Zyklus 2 und Zyklus 3 der Unterricht an meh-
reren Nachmittagen oft 3 bis 4 Lektionen dauerten. Diese Nachmittage waren sowohl für die
Schüler*innen wie auch für die Lehrpersonen eine Herausforderung (Konzentration, Müdig-
keit).
-
Ausserschulische Aktivitäten: Durch die langen Nachmittage litten die ausserschulischen Akti-
vitäten der Schüler*innen, so konnten sie z. B. Trainings erst spät abends oder gar nicht be-
suchen und auch das Planen von Musikstunden wurde erschwert.
-
Partizipation verschiedener Akteursgruppen in der Schulentwicklung: In der Stadt Bern haben
sich die Elternräte stark engagiert, z. B. für die Abschaffung der Frühlektionen. Ausserdem
gab es Bestrebungen in der Stadt Bern, mehr Freiraum bezüglich Lektionenraster und Pau-
senregelungen zu schaffen. Der Elternrat des Schulstandorts Spitalacker/Breitenrain war sehr
engagiert, ein Entwicklungsprojekt zu starten und die Unterrichtszeiten zu vereinheitlichen.
Ausserdem hat die Schule Spitalacker/Breitenrain parallele Schulentwicklungsprojekte in den Jah-
ren zuvor oder gleichzeitig implementiert, die eine Neuorganisation der Unterrichtszeiten begüns-
tigt haben: Flächendeckende Umsetzung von Basisstufe für alle Zyklus 1-Klassen, Einführung
von Ganztagesschulklassen, Mehrjahrgangklassen im Zyklus 2 und Modell 4 im Zyklus 3. Grund-
sätzlich ist eine Umsetzung des Schulentwicklungsprojekts auch ohne diese parallelen Schulent-
wicklungsprojekte (z.B. in einer Schule mit Kindergärten) möglich.
Was waren die Ziele der Neuorganisation der Unterrichtszeiten?
Mit dem Schulentwicklungsprojekt waren verschiedene Ziele verbunden. Diese wurden von den
beteiligten Leitungspersonen, Lehrpersonen und Eltern in unseren Gesprächen mit den Beteilig-
ten als Argumente vorgebracht.
-
Vereinbarkeit von Familie und Beruf: Berufstätige Eltern sollen am Morgen einen längeren
Block am Stück arbeiten können und am Mittag weniger nach Hause eilen müssen.
-
Einfachere Freizeitgestaltung: Die Schüler*innen sollen mehr Zeit am Nachmittag für