Messstellenbetreiber sehen Probleme beim Smart Meter-Rollout in Deutschland; EU will 75% bis 2033
91 Prozent der befragten Messstellenbetreiber sehen Probleme beim Smart Meter-Rollout | Verbraucherzentrale Bundesverband
Quelle: Monkey Business - Adobe Stock
91 Prozent der befragten Messstellenbetreiber sehen Probleme beim Smart Meter-Rollout
Verbraucherzentrale fordert verbraucherfreundliche Digitalisierung der Energiewende
vzbv-Befragung offenbart Probleme beim Smart Meter-Rollout
Verbraucherzentrale fordert stattdessen passgenaue Messsysteme
Digitale Stromzähler sollen die Energiewende voranbringen. Doch eine aktuelle Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) zeigt: 91 Prozent der befragten Messstellenbetreiber sehen Probleme beim Smart Meter-Rollout in Deutschland. Trotzdem plant die EU-Kommission deutlich höhere, verpflichtende Ausbauquoten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert, zunächst die bestehenden Probleme beim Rollout zu lösen und statt pauschaler Einbauvorgaben auf passgenaue Lösungen für unterschiedliche Haushalte zu setzen.
„Ein digitaler Stromzähler nützt wenig, wenn die dahinterliegenden Prozesse nicht funktionieren. Die Erfahrungen von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie die Ergebnisse unserer Befragung zeigen, dass es beim Smart Meter-Rollout weiterhin erhebliche Probleme gibt“, sagt Henning Herbst, Energieexperte beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Ein noch schnellerer Einbau von Smart Metern allein löst keine Probleme. Entscheidend ist, dass die Technik funktioniert und Verbraucherinnen und Verbraucher einen konkreten Nutzen haben.“
Eine aktuelle Befragung des Verbraucherzentrale Bundesverbands von 199 Messstellenbetreibern zeigt, dass der Smart-Meter-Rollout weiterhin mit erheblichen Schwierigkeiten verbunden ist. 91 Prozent der befragten Unternehmen sehen Probleme beim Rollout. Als größte Probleme nennen diese Unternehmen die Komplexität gesetzlicher Vorgaben (80 Prozent), häufige Gesetzesänderungen (77 Prozent), technische Komplexität sowie Defizite bei der Marktkommunikation.
Probleme lösen statt neuer Quoten
Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert vor diesem Hintergrund, dass die Europäischen Kommission die Mitgliedsstaaten verpflichten will, bis spätestens 2034 mindestens 75 Prozent aller Messstellen mit Smart Metern auszustatten. Der Vorschlag berücksichtige die deutschen Besonderheiten nicht ausreichend: Intelligente Messsysteme nach deutschem Standard erfüllen besonders hohe Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Steuerbarkeit und sind deshalb vergleichsweise teuer. Aus Sicht des Verbraucherzentrale Bundesverbands muss die Digitalisierung der Energiewende aber unbedingt kosteneffizient erfolgen.
Smart Meter dort, wo sie einen Nutzen bringen
Der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützt den Smart-Meter-Rollout deshalb dort, wo die Geräte für Energiewende und Stromnetz einen besonderen Nutzen haben, etwa bei Haushalten mit Photovoltaikanlage, Wärmepumpe oder Wallbox. Für viele andere Haushalte könnte künftig ein sogenannter Smart Meter-Light eine Alternative sein. Es könnte Verbraucher:innen mehr Transparenz über ihren Stromverbrauch bieten und Zugang zu dynamischen Stromtarifen ermöglichen, ohne die Kosten eines vollwertigen Smart Meters zu verursachen.
„Nicht jeder Haushalt braucht dieselbe Technik. Verbraucherinnen und Verbraucher sollten die Lösung bekommen, die ihnen tatsächlich nützt und keine unnötigen Kosten verursacht. Wo ein Smart Meter notwendig ist, sollte er eingesetzt werden. Wo ein einfacheres System ausreicht, sollten günstigere Alternativen geprüft werden“, sagt Herbst.
Die Europäische Kommission will die Digitalisierung der Energiewende beschleunigen und schlägt deshalb verbindliche Smart-Meter-Quoten von 50 Prozent bis 2030 und 75 Prozent bis 2033 vor . Smart Meter sollen die Nutzung dynamischer Stromtarife erleichtern, die Netze besser beobachtbar machen und zusätzliche Flexibilität im Stromsystem erschließen. Da frühere Kosten-Nutzen-Analysen im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie einen flächendeckenden Rollout in Deutschland nicht empfohlen haben, wird derzeit von politischen Entscheidungsträgern und der Energiebranche über ein kostengünstigeres „Smart Meter-Light“ diskutiert. Es soll Haushalten außerhalb der gesetzlichen Pflichteinbaufälle mehr Verbrauchstransparenz und Zugang zu dynamischen Tarifen ermöglichen, ohne die Kosten eines vollwertigen Smart Meters zu verursachen.
Onlinebefragung (18. Mai bis 8. Juni 2026) des Verbraucherzentrale Bundesverbands. Basis: 199 Messstellenbetreiber in Deutschland (von 1.162 eingeladenen Unternehmen).
Die Digitalisierung ist neben Energieeffizienz und dem Ausbau erneuerbarer Energien ein wichtiger Baustein der Energiewende. Intelligente Messsysteme (Smart Meter) können dabei helfen, Stromerzeugung und Stromverbrauch besser aufeinander abzustimmen, Netze effizienter zu nutzen und Verbraucher:innen den Zugang zu dynamischen Stromtarifen zu ermöglichen. Gleichzeitig entstehen durch Einbau und Betrieb dieser Systeme zusätzliche Kosten.
Haushalte in Deutschland zahlen vergleichsweise hohe Strompreise. Netzentgelte, Steuern, Abgaben und Umlagen machen einen erheblichen Teil der Stromkosten aus. Vor diesem Hintergrund müssen neue digitale Lösungen für Verbraucher:innen bezahlbar bleiben. Der Verbraucherzentrale Bundesverband unterstützt Maßnahmen, die Stromkosten senken und die Energiewende kosteneffizient gestalten.
Gerade bei Smart Metern zeigt sich ein Zielkonflikt: Die in Deutschland eingesetzten Systeme erfüllen hohe Anforderungen an Datenschutz, Datensicherheit und Steuerbarkeit. Dadurch sind sie im Vergleich zu anderen in Europa eingesetzten Systemen vergleichsweise teuer.
Verbraucher:innen dürfen erwarten, dass das System zuverlässig funktioniert.
transparente Informationen über Kosten und Nutzen,
Eine Befragung von 199 Messstellenbetreibern zeigt erhebliche Probleme bei der Umsetzung. 91 Prozent der v om Verbraucherzentrale Bundesverband befragten Unternehmen sehen Probleme beim Smart Meter-Rollout in Deutschland.
Nach der Komplexität der gesetzlichen Vorgaben (80 Prozent) und häufigen Gesetzesänderungen (77 Prozent) wird vor allem die technische Komplexität (74 Prozent) als Problem gesehen. Darauf folgt die Marktkommunikation (56 Prozent), die fehlende Wirtschaftlichkeit bei kleinen Einbauzahlen (56 Prozent) sowie die fehlende Standardisierung und Vereinheitlichung von Prozessen (55 Prozent).
Auch bei den offenen Fragen zu Lösungsansätzen zeigt sich, dass ein Teil der Messstellenbetreiber die technischen Anforderungen als Herausforderung wahrzunehmen scheint und praxisnahe Unterstützung befürwortet. Daneben werden unter anderem fehlende Fachkräfte, Probleme bei der Umsetzung durch beauftragte Software-Hersteller und IT-Dienstleister als Probleme genannt.
Unter Marktkommunikation werden die digitalen Prozesse verstanden, über die Netzbetreiber, Messstellenbetreiber, Stromlieferanten und weitere Akteure Daten austauschen.
Die Europäische Kommission schlägt vor , dass bis 2030 mindestens 50 Prozent und bis 2033 mindestens 75 Prozent aller Messstellen in den Mitgliedstaaten mit Smart Metern ausgestattet werden.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband lehnt solche verpflichtenden Ausbauquoten ab. Die in Deutschland verbauten Smart Meter haben einen hohen Funktionsumfang und sind deshalb vergleichsweise teuer. Deshalb lohnen sie sich in der Regel nur für Haushalte, die Energiewendetechnologien (Photovoltaik-Anlage, Heimspeicher, E-Auto-Ladestation) nutzen.
Der Begriff Smart-Meter-Light beschreibt derzeit verschiedene denkbare Konzepte für einfachere und kostengünstigere digitale Messsysteme. Eine verbindliche technische Definition gibt es bislang nicht.
Ein Smart-Meter-Light könnte eine sinnvolle Ergänzung zum bestehenden Rollout sein, wenn es die Bedürfnisse der Verbraucher:innen berücksichtigt.
Der Verbraucherzentrale Bundesverband fordert insbesondere:
der Smart-Meter Light muss kostengünstig sein
Stromkosten für private Haushalte senken
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