Senatskommission benennt Grünfläche in Hamburg-Winterhude Jina-Mahsa-Amini-Park; Zwei neue Benennungen gewürdigt
Beschluß der Senatskommission
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Beschluss der Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen
Die Senatskommission für die Benennung von Verkehrsflächen hat am 03.08.2026 be- schlossen,
1.) die nachstehend beschriebene Verkehrsfläche wie folgt zu benennen:
im Bezirk Hamburg-Nord
Stadtteil Winterhude – Ortsteil 409 –
die Grünfläche zwischen der Meenkwiese und der Hudtwalckerstraße,
Jina-Mahsa-Amini-Park,
nach Jina Mahsa Amini (21.09.1999-16.09.2022), Aktivistin, wegbereitend in der Protestbewegung „Frau, Leben, Freiheit“,
2.) die nachstehend beschriebene Verkehrsfläche wie folgt umzubenennen:
im Bezirk Altona
Stadtteil Ottensen – Ortsteil 213 –
Die Verbindungsstraße zwischen Große Brunnenstraße und Erdmannstraße, vor- mals Bergiusstraße,
Esther-Bejarano-Straße,
nach Esther Bejarano (15.12.1924-10.07.2021), Aktivistin, Musikerin und Ver- folgte des NS-Regimes,
3.) die nachstehend beschriebenen Verkehrsflächen fortan wie folgt zu fassen:
im Bezirk Hamburg-Mitte
Stadtteil St. Georg – Ortsteil 113 –
Westphalensweg,
nach Adolph Libert Westphalen (1851-1916), Branddirektor der Stadt Hamburg,
die Mitbenennung nach Engel Christine Westphalen entfällt,
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4.) dass auf die Erhebung von Verwaltungsgebühren, die den Anliegenden und Ge- werbebetrieben der Esther-Bejarano-Straße im Zusammenhang mit der Umbenen- nung entstehen, verzichtet wird,
Hamburg, den 05.08.2026
Die Behörde für Kultur und Medien – Staatsarchiv –
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Erläuterungen zum Senatsbeschluss 3-2026
zu 1.) Jina Mahsa Amini Jina Mahsa Amini wurde am 21. September 1999 in Saqqez (Iran) geboren und starb am 16. September 2022 in Teheran. Amini wurde von der sogenannten „Sittenpolizei“ in Teheran wegen angeblich nicht vorschriftsgemäßen Tragens ihres Kopftuchs festgenommen. Die Festnahme ging mit schwerer körperlicher Misshandlung einher. Infolgedessen fiel Amini ins Koma und starb drei Tage später. Jina Mahsa Aminis Schicksal steht symbolisch für die Bewegung „Frau, Leben, Frei- heit“ im Iran. Auf ihre Ermordung folgten die größten und am längsten andauernden Proteste seit der Gründung der Islamischen Republik im Jahr 1979. Viele junge Frauen nahmen trotz der staatlichen Repressionen ihre Kopftücher ab und demonstrierten mit dem Slogan „Frau, Leben, Freiheit“ für Frauenrechte, Gleichheit und Demokratie und gegen das iranische Regime. Die iranische Regierung reagierte darauf mit massiver Gewalt; unzählige Menschen – darunter viele Minderjährige – wurden Opfer der Bruta- lität des Regimes. Auf der ganzen Welt fanden Solidaritätskundgebungen statt. Mit der Verleihung des renommierten Sacharow-Preises ehrte das Europäische Parlament 2023 Jina Mahsa Amini und die Bewegung „Frau, Leben, Freiheit“ und erinnerte an alle, die für Gleichberechtigung, Würde und Freiheit im Iran kämpfen und die ihr Leben für die Freiheit geopfert haben.
zu 2.) Esther Bejarano Esther Bejarano wurde am 15. Dezember 1924 als Esther Loewy in Saarlouis geboren und starb am 10. Juli 2021 in Hamburg. Als Jüdin war sie nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten zunehmender Ver- folgung ausgesetzt. 1941 wurde sie in ein Zwangsarbeitslager gebracht und 1943 nach Auschwitz deportiert; das Vernichtungslager überlebte sie, weil sie dort in das Mäd- chenorchester aufgenommen wurde. 1943 kam sie ins KZ Ravensbrück, wo sie Zwangsarbeit verrichten musste. 1945 gelang ihr während eines Todesmarsches die Flucht. Nach dem Krieg emigrierte sie nach Palästina, wo sie 1950 Nissim Bejarano heiratete und als Musikerin und Musiklehrerin tätig war. 1960 kehrte sie zurück nach Deutschland und zog mit ihrer Familie nach Hamburg. Hier arbeitete sie zunächst in ei- ner Wäscherei und einer Diskothek, später eröffnete sie eine Boutique. Zugleich wurde Esther Bejarano zu einer weit über Hamburg hinaus bekannten Aktivistin und enga- gierte sich, auch unter dem Eindruck des Erstarkens neuer rechter Strömungen bis zu ihrem Tode als Zeitzeugin und Musikerin gegen Antisemitismus, Rassismus und Rechtsextremismus. Solo und gemeinsam mit verschiedenen Musikgruppen nahm sie vor allem jiddische Lieder auf und stand bei Lesungen und Konzerten auf der Bühne. Esther Bejarano suchte immer wieder den Kontakt vor allem zu jungen Menschen. In Hamburg arbeitete sie mit den Gedenkstätten Bullenhuser Damm und Neuengamme zusammen. 1986 gründete sie das Auschwitz-Komitee in der Bundesrepublik Deutsch- land mit. Das Komitee organisiert Bildungsreisen, Zeitzeugengespräche, Vorträge und Begegnungen in Schulen und andere Veranstaltungen.
Die Umbenennung der Bergiusstraße erfolgt aufgrund einer festgestellten NS- Belastung des Chemikers und Unternehmers Friedrich Bergius. In dem Abschlussbe- richt von Dr. David Templin „Wissenschaftliche Untersuchung zur NS-Belastung von Straßennamen“ wird folgendes Fazit gezogen: „Der Chemiker und Erfinder Friedrich Bergius wurde zwar nicht Mitglied der NSDAP. Er stellte seine Forschungs- und Ent- wicklungsarbeit im ‚Dritten Reich‘ jedoch, u.a. bei Vorträgen, in den Kontext der Autar- kiepolitik des NS-Regimes. 1934 trat er öffentlich für ein ‚Ja‘ bei der Abstimmung zu-
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gunsten Adolf Hitlers ein, und war im Zweiten Weltkrieg bereit, für das Reichssicher- heitshauptamt als V-Mann zu arbeiten – mit dem Auftrag, ausländische Wissenschaft- ler auszuspionieren. […]“
zu 3.) Westphalensweg Die Mitbenennung nach Engel Christine Westphalen wurde am 23. Oktober 2023 vom Senat beschlossen und am 27. Oktober 2024 im Amtlichen Anzeiger Nr. 84 veröffent- licht. Die Mitbenennung wurde mit einem Verwandtschaftsverhältnis zwischen Adolph Libert Westphalen und Engel Christine Westphalen begründet. Da kein Verwandt- schaftsverhältnis festgestellt werden konnte, wird die Mitbenennung gelöscht.