APNs implementieren Versorgung multimorbider Patienten in neun deutschen Hausarztpraxen; keine Reduktion der Endpunkte, Kosten 446,45€ pro Patient/Jahr
Ergebnisbericht gemäß Nr. 14.1 ANBest-IF
Ergebnisbericht 1 Ergebnisbericht (gemäß Nr. 14.1 ANBest-IF) Konsortialführung: Gemeinnützige Gesellschaft zur Förderung von Wissenschaft und Bildung mbH Förderkennzeichen: 01NVF19012 Akronym: FAMOUS Projekttitel: Fallbezogene Versorgung multimorbider Patient/innen in der Hausarztpraxis durch Advanced Practice Nurses (APN) Autorinnen und Autoren: Prof. Dr. Renate Stemmer, Sabine Karlstätter, Joachim Klein Förderzeitraum:
- Oktober 2020 – 31. Dezember 2024 Ansprechpartner: Prof. Dr. Renate Stemmer, Katholische Hochschule Mainz, Fachbereich Gesundheit und Pflege, Saarstr. 3, 55122 Mainz Das dieser Veröffentlichung zugrundliegende Projekt FAMOUS wurde mit Mitteln des Innovationsausschusses beim Gemeinsamen Bundesausschuss unter dem Förderkennzeichen 01NVF19012 gefördert.
FAMOUS (01NVF19012)
Ergebnisbericht 2
Zusammenfassung Hintergrund: Der gesundheitsbezogene Betreuungsbedarf von Menschen mit Multimorbidität geht über die rein medizinische Perspektive hinaus. Eine Advanced Practice Nurse (APN) kann wesentliche Anteile der Betreuung von multimorbiden Patient:innen in der Hausarztpraxis übernehmen und somit zu einer besseren Versorgung beitragen. Ziel des FAMOUS-Projektes ist die Implementierung der APN in den hausärztlichen Versorgungskontext. Methodik: Neun in neun Hausarztpraxen angestellte APNs oblag die Steuerung des Versorgungsprozesses von Menschen mit Multimorbidität, d.h. sie führten ein Assessment durch, erstellten einen Behandlungs- und Versorgungsplan, führten diesen ggf. selbst durch oder bezogen Netzwerkpartner:innen oder An-/Zugehörige in die Versorgung mit ein. Ihr Handeln bewegte sich dabei stets innerhalb des gültigen Rechtsrahmens. Die Evaluation erfolgte im Design einer zweiarmigen nicht randomisierten multizentrischen Interventionsstudie mit einer Nachverfolgungszeit von einem Jahr. Verglichen werden die Patient:innen mit Matches, die im Verhältnis 1:2 aus einer Population der Routineversorgung gezogen wurden. Matchingvariablen waren: Alter, Geschlecht sowie Anzahl und Art der chronischen Erkrankungen. Endpunkt der quantitativen und gesundheitsökonomischen Evaluation waren: (1) Inanspruchnahme von Notfallkontakten, (2) ungeplante stationäre Aufenthalte, (3) Nutzung weiterversorgender Institutionen, (4) Hausbesuche durch die Hausärzt:innen und (5) Nutzung von Pflegeheimen. Zur Prozessevaluation wurden Interviews mit am Projekt beteiligten Hausärzt:innen, APNs und Patient:innen geführt. Ein zusätzliches Monitoring zielte mit einem Mixed-Method-Design darauf ab, die Versorgungsprozesse in der Interventionsgruppe vertieft zu verstehen. Ergebnisse: 873 Patient:innen wurden rekrutiert, 709 Patient:innen absolvierten den geplanten Beobachtungszeitraum von 12 Monaten. In der Prozessevaluation zeigte sich eine hohe Zufriedenheit und Akzeptanz der APN-Versorgung seitens der Patient:innen und Hausärzt:innen. Die APN entlastet den Hausarzt/ die Hausärztin und versorgt multimorbide Patient:innen bedarfsgerecht über den medizinischen Bereich hinaus. Diese Ergebnisse werden durch die Auswertung des Monitorings bekräftigt. In den quantitativen und gesundheitsökonomischen Evaluationen zeigt sich keine Reduktion in den Inanspruchnahmen in den Endpunkten im Vergleich zur Routineversorgung. Die Kosten einer APN pro Patient:in pro Jahr beliefen sich auf 446,45€. Diskussion: Das Projekt FAMOUS hat gezeigt, dass eine Implementation einer APN in den hausärztlichen Arbeitsalltag gut umsetzbar ist und dass die APN von allen Beteiligten gut angenommen wird. In der quantitativen und gesundheitsökonomischen Evaluation zeigten sich keine Unterschiede zur Routineversorgung, was aber durch einen wahrscheinlichen Selektionsbias hinsichtlich der Interventions- und Kontrollgruppe sowie durch die mangelnde Aussagekraft von GKV-Routinedaten hinsichtlich der Abbildbarkeit der Erkrankungsschwere beeinflusst sein könnte. Mit den vergleichsweise niedrigen Kosten pro Patient:in kann eine APN die Versorgungssituation von Menschen mit Multimorbidität verbessern, zur Entlastung im hausärztlichen Bereich beitragen und dem Hausärztemangel entgegenwirken, sofern rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen sichergestellt werden. Schlagworte: Advanced Practice Nurse, Multimorbidität, Hausärzt:innen, Primärversorgung
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Ergebnisbericht 3
Inhaltsverzeichnis I Abkürzungsverzeichnis …………………………………………………………………………………………………. 5 II Abbildungsverzeichnis ………………………………………………………………………………………………….. 6 III Tabellenverzeichnis ……………………………………………………………………………………………………… 6 1 Projektziele ……………………………………………………………………………………………………………….. 10 1.1 Hintergrund und Ziele ……………………………………………………………………………………… 10 2 Projektdurchführung ………………………………………………………………………………………………….. 11 2.1 Projektbeteiligte …………………………………………………………………………………………….. 11 2.2 Beschreibung/ Darstellung des Projekts …………………………………………………………….. 14 2.2.1 Zielgruppe der nVF ………………………………………………………………………………. 14 2.2.2 Darstellung der neuen Versorgungsform ………………………………………………… 15 2.3 Beschreibung Ablauf des Projekts …………………………………………………………………….. 20 2.3.1 Ablauf des geplanten Projektverlaufs …………………………………………………….. 20 2.3.2 Laufzeitverlängerung ……………………………………………………………………………. 23 2.3.3 Wechsel der Datengrundlage ………………………………………………………………… 23 2.3.4 Hinzuziehung externer Expertise zum Umgang mit Routinedaten ……………… 24 2.3.5 Änderung des Evaluationskonzepts ……………………………………………………….. 24 2.4 Erfahrungen mit der Implementierung/ Maßnahmen …………………………………………. 25 2.4.1 Erfahrungen mit der Implementierung …………………………………………………… 25 2.4.2 Abweichungen vom Studienprotokoll …………………………………………………….. 26 2.5 Rechtsgrundlage …………………………………………………………………………………………….. 27 3 Methodik ………………………………………………………………………………………………………………….. 27 3.1 Methodik zu primären und sekundären Zielgrößen …………………………………………….. 27 3.1.1 Ziele der Evaluation ……………………………………………………………………………… 27 3.1.2 Darstellung des Evaluationsdesigns ……………………………………………………….. 27 3.2 Gesundheitsökonomische Evaluation ……………………………………………………………….. 34 3.2.1 Kosten der neuen Versorgungsform ………………………………………………………. 34 3.2.2 Analyse der Unterschiede zwischen Praxen mit guter und unzureichender Dokumentation und Drop out Analysen …………………………………………………. 35 3.2.3 Kontaktanalysen ………………………………………………………………………………….. 35 3.2.4 Kostenanalysen …………………………………………………………………………………… 36 3.2.5 Kostenanalyse Vorher-Während-Vergleich ……………………………………………… 37 3.2.6 Prozessevaluation ………………………………………………………………………………… 37 3.3 Methodik zum Monitoring ……………………………………………………………………………….. 38 3.3.1 Logic Model ………………………………………………………………………………………… 38 3.3.2 Stichprobe und Datenerhebung …………………………………………………………….. 41 3.3.3 Datenauswertung ………………………………………………………………………………… 45
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Ergebnisbericht 4
4 Projektergebnisse ………………………………………………………………………………………………………. 47 4.1 Ergebnisse der externen Evaluation ………………………………………………………………….. 47 4.1.1 Quantitative Evaluation ………………………………………………………………………… 47 4.1.2 Gesundheitsökonomische Analysen ………………………………………………………. 61 4.2 Ergebnisse Monitoring / Prozessevaluation ……………………………………………………….. 69 4.2.1 Datengrundlage Monitoring /Prozessevaluation ……………………………………… 69 4.2.2 Auswertung Monitoring und Prozessdaten …………………………………………….. 73 5 Diskussion der Projektergebnisse ………………………………………………………………………………. 112 6 Verwendung der Ergebnisse nach Ende der Förderung …………………………………………………. 117 6.1 Beitrag von FAMOUS zur Weiterentwicklung der GKV-Versorgung ……………………… 117 6.2 Konkrete Schritte, um Projektergebnisse in die Regelversorgung zu überführen ….. 120 6.2.1 Versichertenpotential und benötigtes Behandlungsnetz ………………………… 122 6.2.2 Vergütungsspanne ……………………………………………………………………………… 123 6.3 Übertragbarkeit der Ergebnisse ………………………………………………………………………. 123 7 Erfolgte bzw. geplante Veröffentlichungen …………………………………………………………………. 124 7.1 Erfolgte Veröffentlichungen …………………………………………………………………………… 124 IV Literaturverzeichnis ………………………………………………………………………………………………….. 130 V Anlagen …………………………………………………………………………………………………………………… 133
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Ergebnisbericht 5
I Abkürzungsverzeichnis adj. adjustiert APN Advanced Practice Nurse BKK Betriebskrankenkassen EBM Einheitlicher Bewertungsmaßstab G-BA Gemeinsamer Bundesausschuss GKV Gesetzliche Krankenversicherung HA Hausarzt/Hausärztin IA Innovationsausschuss ICD International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problems IFP Infrastrukturpauschale IG Interventionsgruppe IMBEI Institut für Medizinische Biometrie, Epidemiologie und Informatik der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität IZKS Interdisziplinäres Zentrum für Klinische Studien der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Kap. Kapitel KG Kontrollgruppe KF Konsortialführung KH Katholische Hochschule KP Konsortialpartner KV Kassenärztliche Vereinigung Rheinland-Pfalz LV Landesverband MFA Medizinische Fachangestellte MW Mittelwert NäPA nichtärztliche Praxisassistenz nVF Neue Versorgungsform o.Ä. oder Ähnliches OR Odds Ratio Q