Oberbürgermeister Dr. Stefan Belz Böblingen präsentiert Digitalstrategie; Koordination offener Potenziale für künftige Prioritäten

www.boeblingen.de Digitale Strategie der Stadt Böblingen

Liebe Leserinnen und Leser, sehr geehrte Damen und Herren, die Digitale Transformation ist neben den Feldern Klimawandel und der Mobilitäts- frage eines der herausforderndsten und drängendsten Zukunftsthemen unserer heutigen Zeit. Sie hat im beruflichen und privaten Kontext längst Einzug gehalten und in den vergangenen Jahren gezeigt, wie wichtig sie als zusätzlicher Pfeiler für die Wahrung des städtischen Betriebs ist. Viele Prozesse werden bereits durch Informationstechno­ logie unterstützt und sind aus unserem Alltag nur schwer wegzudenken. Die damit verbundene Transformation wird sich in den kommenden Jahren noch weiter dynamisieren. Unter dem Schlagwort Smart City werden unterschiedliche Entwicklun­ gen an den Schnittstellen von IT und Bereichen wie Bildung, Nachhaltigkeit, Ressour­ cenversorgung, Mobilität, Gesundheit, Stadtplanung und öffentlicher Verwaltung zusammengefasst. Digitalstrategien sind zur Gestaltung von Smart City-Konzepten wesentlich und werden sich künftig noch deutlicher auf den Erfolg von Kommunen und die Zufriedenheit der Bürgerinnen und Bürger auswirken. Auch innerhalb der Stadtverwaltung Böblingen hat die Digitalisierung in den vergange­ nen Jahren viele Prozesse ausgelöst und Veränderungen erzeugt. Mit der Einführung des papierlosen Sitzungsdienstes, mit der Online-Terminvergabe im Bürgeramt oder auch mit einer guten Homeoffice-Ausrüstung für die Beschäftigten der Kernverwaltung und der digitalen Ausstattung in den Böblinger Schulen bearbeitet die Stadtverwaltung das Thema Digitalisierung bereits vielfältig und fortschrittlich. Beispielsweise wurden die städtischen Gebäude und Böblinger Schulen bereits in den Jahren 1998 bis 2001 an ein eigenes Glasfasernetz angebunden. Um die aktuellen und weiteren Digitalisierungsinitiativen und -aktivitäten zu koordinie­ ren, einen umfassenden Überblick über offene Potenziale zu erhalten und die Möglich­ keit zu bekommen, Schwerpunkte und Prioritäten für weitere strategische Schritte zu setzen, wurde nun eine Digitalstrategie als Digitale Agenda der Stadt und Stadtverwal­ tung Böblingen aufgesetzt. Vorwort Oberbürgermeister 3 Für die Erstellung der vorliegenden Digitalstrategie zeichnen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Herman Hollerith Zentrums Böblingen gemeinsam mit einem hausinternen Projektteam unter der Federführung des Referats Oberbürger­ meister verantwortlich. Die Mitglieder des Breitband- und Digitalisierungsbeirats haben ebenso wie ein sachkundiger Einwohner und verschiedene Expertinnen und Experten der Stadtverwaltung ihre Expertise eingebracht. Allen Mitwirkenden danke ich an dieser Stelle sehr herzlich für ihr Engagement und ihren Einsatz. Ich freue mich, die vorliegende Digitalisierungsstra­ tegie in den kommenden Jahren gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren unserer Stadtgesellschaft umzusetzen. Ihr Dr. Stefan Belz Oberbürgermeister der Stadt Böblingen

Inhaltsverzeichnis 5 Präambel – Böblingen digital gestalten Seite 6 Politikfelder der Digitalisierung Seite 8 Digitale Verwaltung Seite 10 Digitale Wirtschaft und Arbeit Seite 12 Digitale Bildung, Wissenschaft, Soziales und Kultur Seite 14 Digitale Infrastrukturen und Ressourcen Seite 18 Digitale Stadtplanung, Bauen, Umwelt und Resilienz Seite 20 Digitale Mobilität Seite 22 Digitale Bürgerbeteiligung Seite 24 Ergebnisse der Bürgerbefragung Seite 26

Die Digitalisierung deutscher Städte und Gemeinden macht Fortschritte. Eine Studie der Initiative Stadt.Land.Digital zeigt auf, dass sich acht von zehn befragten Kommunen mit der Konzeption einer Digitalstrategie befassen. Damit hat sich der Anteil der Kommunen mit aktiver Gestaltung digitaler Strategien seit dem Jahr 2015 fast verdoppelt. Vor allem größere Kommunen sind aktiv: So hat nahezu jede zweite Stadt mit mehr als 20.000 Einwohnerinnen und Einwohnern bereits eine fertige Strategie, unter den Kommunen mit weniger als 20.000 Einwohnerinnen und Ein­ wohnern dagegen noch nicht einmal jede fünfte.1 Präambel – Böblingen digital gestalten Präambel – Böblingen Digital Gestalten 7 An der Notwendigkeit einer Digitalisierungsstrategie gibt es kaum noch Zweifel: Die Digitalstrategie strukturiert und orientiert die digitale Agenda einer Stadt und stellt eine Priorisierung der digitalen Maßnahmen für die folgenden Jahre auf. Häufig ist die Digital­ strategie Grundlage für die Einwerbung von Drittmitteln. Dabei ist die Strategie nicht starr. Sie passt sich vielmehr dynamisch und lebendig an die Entwicklung der Stadt an. Für die Digitalstrategie in Böblingen ist die Vision handlungsleitend, relevante Gestaltungsbereiche der Stadt in Form eines sogenannten „Digitalen Zwillings“ abzubil­ den. Ein digitaler Zwilling ist eine digitale Darstellung physischer Objekte und zeigt sich beispielsweise bei der digitalen Dokumentation von Akten, Gebäuden, Straßen sowie bei der Sammlung von Daten zu Energie, Umwelt, Klima, Mobilität sowie zu städtischen Schulen und Kulturveranstaltungen. Durch die Digitalstrategie und die fortschreitende Gestaltung eines digitalen Zwillings werden übergeordnete Ziele adressiert. Das wesentliche Ziel der Digitalisierung liegt dabei in der Steigerung des Bürgernutzens und der Bürgerzufriedenheit. Durch einfache und schnelle Abläufe, schlanke Verwaltungsprozesse, einfache Online-Services und Möglichkeiten der Bürgerbetei­ ligung wird die Gemeinschaft der Bürgerinnen und Bürger gestärkt. Eine wesentliche Bedingung dafür liegt in der Zufriedenheit der Mitarbeiterin­ nen und Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung. Diese steht ebenfalls im Mittelpunkt der Digitalstrategie. Durch moderne Arbeitsformen, Home-Office und die Nutzung relevanter IT-Werkzeuge wird der Arbeitsalltag der Verwal­ tung schrittweise modernisiert und verbessert. Eine optimier­ te, digitale Verwaltung ist also auch Voraussetzung für einen digitalen Bürgerservice. Digitalisierung ist jedoch mit Investitionen verbunden. Daher muss die Digitalstrategie auch auf die optimierte Nutzung von Ressourcen und Kosten­ einsparungen eingehen. Durch die Verschlankung von Verwaltungsabläufen lassen sich Effizienzgewinne erzielen. Dies wird in unterschiedlichen Studien deutlich.2 Daher geht es auch darum, durch die Digitalstrategie bisherige Erfolge der Digitali­ sierung und mögliche Quick Wins darzustellen. Gerade Quick Wins – also schnelle Erfolge – haben die Stärke, kosten- und ressourcengünstig umgesetzt werden zu können, und liefern somit schnell sichtbare Ergebnisse. Bei den weiteren Maßnahmen der Digitalstrategie ist jeweils eine sorgfältige Kosten-/Nutzen- Analyse vorzunehmen. Die Digitalisierung ist in diesem Sinne eine langfristige Aufgabe, die den Gemeinderat und die Stadtverwaltung über viele Jahre fordert. In diesem Sinne bietet das vorliegende Dokument einen Überblick und eine Planungsgrundlage für die kommenden Jahre der digi- talen Zukunft. 1 Bundesministerium für Wirtschaft und Energie (2020): Wie smart sind Deutschlands Kommunen? 2 Bitkom (2020): Smart City Index 2020.

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Abbildung: BIM-Hauptprozesse und Verantwortungssphären im BIM, siehe https://bit.ly/3BYeNSM Maßnahme DSZ2HF2M3: Entwurf Infrastruktur und Systeme zum Gebäudemonitoring Entsprechend der in der BIM-Strategie festgelegten Prozesse/ Services und Informationen, sollte die Monitoring-Technologie (Haustechnik) der Gebäude mit Sensoren (Smart-Meter, CO2-Sensoren, Wassersensoren, Rauchmelder, Brandschutzklappen, etc.), Bussystemen, Datenbanken und Hardware geplant und projektiert werden. Bei Neubauten erfolgt die Planung der Monitoring Systeme mit späterer Anbindung an das CAFM-System im Projektierungsprozess. Bei Bestandsbauten lassen sich einzelne Nachhaltigkeitsmanagementkomponenten (z. B. digitale Energieeffizienzmonitoring Systeme) mittels Sensor Retrofitting realisieren (s. u.). Handlungsfeld DSZ2HF3: Modellierung Digitaler Zwillinge für Bestandsgebäude BIM lässt sich nach heutigen Erkenntnissen auch gut für Bestandsgebäude einsetzen. Dies lohnt sich umso mehr bei sehr kostenintensiven großen öffentlichen Gebäuden mit erheblichem Wartungsaufwand und potenziellem Umbau/ Sanierungsbedarf. Bei diesen Projekten ist zu beachten, dass zu Beginn ein höherer Aufwand darauf verwendet werden muss, das Bestandsgebäude digital zu beschreiben, sprich einen Digitalen Zwilling davon zu produzieren. Es müssen Maße aus alten, analogen Plänen in das digitale Abbild übernommen werden, genauso wie Informationen zu Baustoffen und der Statik. Umgekehrt lassen sich aus den Vergangenheitsdaten z. B. die Energiekosten relativ gut ermitteln. Einmal modelliert kann der Digitale Zwilling dann sehr gut für Umbau oder Sanierungsarbeiten und am Ende des Lebenszyklus selbst zum professionellen Abriss/ Rückbau der Immobilie verwendet werden. Die Verwendung von BIM in Bestandsimmobilien wird sehr detailliert in der VDI-Publikation: Building Information Modelling beschrieben https://bit.ly/3AVynhf. Maßnahme DSZ2HF3M1: Erstellung eines digitalen Gebäudemodells (Digitaler Zwilling) für kostenintensive Bestandsgebäude mit Metadaten für Betrieb und Abriss Für in die Jahre gekommene Großimmobilien über deren Weiternutzung, Sanierung bzw. Umbau man im Unklaren ist, kann sich die nachträgliche Produktion eines Digitalen Zwillings lohnen. Mit einem solchen Modell können dann Fragestellungen nach Gefahrstoffen und Gefährdungslagen (z. B. Entsorgung von Asbest), Sanierungsentscheidungen (Fassade oder Energiesystem) oder Umbauvorhaben (Erweiterung von Räumlichkeiten vs. Statik) relativ gut und integriert beantworten lassen.

32 Digitale Wirtschaft und Arbeit (DWA) Digitale Wirtschaft bedeutet in digitalen Geschäftsmodellen und -prozessen mit qualifizierten Fachkräften und vernetzten Arbeitsformen neue Chancen zu finden. Dies gilt für Gründer, Mittelständler und die Wirtschaftsförderung der Zukunft.

Böblingen ist ein attraktiver Wirtschaftsstandort mit hohen Wachstumsraten, was die Besiedlung der Industriegebiete wie z.B. Böblingen- Hulb betrifft. Was Böblingen jedoch von anderen Standorten unterscheidet ist die Diversität der angesiedelten Betriebe. Dies hat im Sinne einer Risikostreuung für den Standort große Vorteile, macht aber die Arbeit der Wirtschaftsförderung anspruchsvoll, da sie Ihre Angebote sehr individuell zuschneiden und an die Unternehmen kommunizieren muss. Eine gute Datenbasis sowie ein geschlossener digitaler Kommunikations- und Wissensgenerierungskreislauf ist dabei unerlässlich. Herausforderungen für den Einzelhandel haben sich in Böblingen eher kurzfristig durch die Covid19-Pandemie ergeben. Eine Beratung in Sachen Digitalisierung für KMU gewinnt damit weiter an Bedeutung. Mit Einrichtungen und Projekten wie dem ZD.BB dem Softwarezentrum Böblingen Sindelfingen bzw. dem Projekt AI-Express sollen in Zukunft weitere Anstrengungen unternommen werden, um den Digitalisierungsgrad der ansässigen Kleinunternehmen zu erhöhen. Dies betrifft auch die Digitalisierungsmöglichkeiten durch Breitband-Infrastrukturen. Transparenz mit Raumbezug, der einen integrierten Blick über die verfügbaren Netzkapazitäten im Stadtgebiet ermöglicht, ist z.Zt. nicht verfügbar. Übersicht Ziele

DWAZ1: Digitalisierung der Wirtschaftsförderungsprozesse

DWAZ2: Digital mündige KMU

DWAZ3: Erhöhung der Sichtbarkeit und Interaktivität Böblinger Unternehmen

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Digitalstrategie der Stadt Böblingen

Version 1.0 Stand: 27.10.2021

Digitalisierung ist eine Querschnittsaufgabe, die sich quer durch alle Politik­ felder kommunalen Handelns und Entscheidens zieht. Ihre Auswahl für die Digitalstrategie der Stadt Böblingen erfolgte in Anlehnung an die Politikfelder der Digitalisierung in Bund und Land. Einige Akzente in der Zusammen­ fassung der den Politikfeldern nachgeordneten Themeng