Grenzgängerinnen und Grenzgänger am Oberrhein pendeln täglich; Über 100'000 Pendler grenzüberschreitend
Chartbericht Oberrhein
Arbeitsmarkt am Oberrhein 2026
Herausgeberin Regio Basiliensis Verein für trinationale Zusammenarbeit St. Jakobs-Strasse 25 CH-4010 Basel T +41 61 915 15 15 info@regbas.ch www.regbas.ch Ansprechpartnerin Dr. Andrea Wagner T +41 61 279 97 38 andrea.wagner@bak-economics.com Adresse BAK Economics AG Elisabethenanlage 7 CH-4051 Basel T +41 61 279 97 00 info@bak-economics.com www.bak-economics.com Copyright Alle Inhalte dieser Studie, insbesondere Texte und Grafiken, sind urheberrechtlich geschützt. Das Urheberrecht liegt bei BAK Economics AG. Die Studie darf mit Quellenangabe zitiert werden («Quelle: BAK Economics»). Titelbild: Luftansicht von Basel-Stadt mit dem Universitätsspital Basel, © AdobeStock Copyright © 2026 by BAK Economics AG Alle Rechte vorbehalten ISSN 2673-6071 (Print) ISSN 2673-608X (Online)
Editorial S.4 Der Oberrhein im Überblick S. 5 Beschäftigungsentwicklung S. 6 Grenzgängerinnen und Grenzgänger S. 7 Arbeitslosigkeit und offene Stellen S. 8 Arbeitsmarkt und Gesundheitsversorgung S. 9 Grenzüberschreitende Initiativen im Gesundheitswesen S. 10 Indikatoren und Quellen S. 11 Kapitelübersicht
Editorial 4 Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen zählt zu den grössten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit. Am trinationalen Oberrhein ist er besonders spürbar. Die verflochtenen Arbeitsmärkte und unterschiedlichen Gesundheitssysteme von Deutschland, Frankreich und der Schweiz verschärfen den Druck und machen grenzüberschreitende Lösungen unausweichlich. Eine aktuelle TRISAN-Studie bestätigt: Der Mangel an Fachkräften nimmt in allen Teilregionen des Oberrheins weiter zu. Demografischer Wandel, steigende Nachfrage und bevorstehende Pensionierungswellen belasten die Gesundheitssysteme. Gleichzeitig konkurrieren die Regionen um dieselben qualifizierten Arbeitskräfte. Isolierte Lösungen greifen hier zu kurz. Die gute Nachricht: Es gibt bereits vielversprechende Ansätze. In der Grenzregion haben sich zahlreiche Projekte und Initiativen für eine bessere Patientenversorgung etabliert. Viele davon sind wegweisend in ihrem Pioniergeist, ihrem Umfang und ihrer Wirkung. Das Pilotprojekt «GRUEZ» zwischen den Kantonen Basel-Landschaft und Basel-Stadt sowie dem Landkreis Lörrach ist ein eindrückliches Beispiel. Es bewirkte eine Änderung des Schweizer Krankenversicherungsgesetzes KVG und ermöglicht es seither, in Grenznähe unter bestimmten Voraussetzungen auch im Ausland behandelt zu werden. Auf diesem Fundament baut die Region weiter auf. So wurde 2016 auf Initiative der Oberrheinkonferenz das trinationale Kompetenzzentrum TRISAN mit Sitz im deutschen Kehl gegründet. Ziel dieser Plattform ist es, die grenzüberschreitende Gesundheitsversorgung für Menschen in der Region zwischen Deutschland, Frankreich und der Schweiz zu verstetigen und zu verbessern. Zuletzt haben sich Basel-Stadt und das Südelsass auf eine vertiefte Zusammenarbeit in der Notfallversorgung geeinigt. Das neue Dreiland-Klinikum in Lörrach, das 2027 eröffnen soll, wird zu einer modernen Gesundheitsinfrastruktur mit Kooperationspotential über die Landes- grenzen hinaus. Diese Entwicklungen stärken die Gesundheitsregion Oberrhein und zeigen, was gemeinsam möglich ist. Die vorliegende Studie liefert einen Beitrag für diese Diskussion. Sie zeigt die aktuellen Entwicklungen und Herausforderungen im Arbeitsmarkt in der Grenzregion am Oberrhein auf, macht regionale Unterschiede sichtbar und soll dazu beitragen, gemeinsame Lösungsansätze zu identifizieren. Als Regio Basiliensis setzen wir uns weiterhin für die Stärkung des grenzüberschreitenden Arbeitsmarkts in der Dreiländerregion ein, fördern den Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsakteuren in der Region und unterstützen konkrete Kooperations- und Pilotprojekte. Langfristig arbeiten wir auf die Entwicklung einer gemeinsamen Vision für einen integrierten Gesundheitsraum Oberrhein hin. Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre! Dr. Kathrin Amacker Präsidentin Regio Basiliensis Dr. Manuel Friesecke Geschäftsführer Regio Basiliensis
22’400 1’000 Die Oberrheinregion ist ein stark vernetzter, trinationaler Ballungs- und Wirtschaftsraum mit 6,4 Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern. Mit einem Bruttoinlandsprodukt pro Kopf von 56'200 Euro zählt der Oberrhein zu den wohlhabenderen Regionen Euro- pas. Der trinationale Arbeitsmarkt am Ober- rhein umfasst 3.4 Millionen Beschäf- tigte und zeichnet sich durch eine hohe grenzüberschreitende Durchlässigkeit aus. Dies zeigt sich eindrücklich an der grossen Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger: Über 100'000 Personen pendeln täglich zur Arbeit in eines der Nachbarländer. Drei Viertel davon wohnen im Elsass oder in den deutschen Oberrheingebieten und arbeiten in der Nordwestschweiz. Das verbleibende Viertel lebt im Elsass und ist in Baden oder in der Südpfalz be- schäftigt. Zusätzlich zu diesen in der Karte dargestellten Arbeitskräftebewegungen pendeln rund 9'300 Personen aus der Franche-Comté in den Kanton Jura. Oberrheingebiet: wirtschaftsstark und vernetzt 5 Arbeitsmarkt am Oberrhein: Der Oberrhein im Überblick Die Bevölkerung insgesamt ist am Oberrhein von rund 5.8 Millionen im Jahr 2004 auf 6.4 Millionen im Jahr 2024 gewachsen. Der Anteil der erwerbsfähigen Bevölkerung hat von 67% auf 64% abgenommen. Die absolute Zahl der erwerbsfähigen Personen ist jedoch vor allem durch Zuwanderung von 3.9 Mio. auf fast 4.1 Mio. gestiegen. Von den Teilre- gionen des Oberrheins hat die erwerbsfähige Bevölkerung in der Nordwestschweiz mit Abstand am stärksten zugenommen, gefolgt von Baden und dem Elsass. Entwicklung der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, 2004-2024 D O J 2 e 6 a P Z 4 g e N s 0% 5% 10% 15% Südpfalz Baden Elsass Nordwestschweiz
6 Beschäftigung am Oberrhein: Wachstum in Chemie, Pharma und Gesundheit Arbeitsmarkt am Oberrhein: Beschäftigungsentwicklung Beschäftigungsentwicklung nach Branchen Anm.: Branchen mit einem Wachstum von 1.0% und mehr wurden hervorgehoben. Zwischen 1995 und 2024 ist die Beschäftigung in allen Teilregionen des Oberrheins gestiegen, allerdings mit deutlich unterschiedlicher Dynamik. Das Elsass wuchs zunächst am schnellsten, stagnierte dann aber von rund 2000 bis Mitte der 2010er Jahre und gewann anschliessend wieder an Dynamik. Die frühen 2000er Jahre waren durch geringes Wachstum gekennzeichnet. Anschliessend wuchs die Beschäftigung aber in den schweizerischen und deutschen Teilre- gionen, abgesehen von sehr kurzfristigen Krisen, deutlich. Die derzeitige deutsche Wachstumsschwäche seit 2022 ist ebenfalls erkennbar. Die Beschäftigung ist in der Oberrheinregion gemäss den aktuellsten Zahlen zwischen 2019 und 2024 moderat gewachsen. Die Beschäftigungsausweitung war in der Nordwestschweiz am stärksten, gefolgt vom Elsass, während sie in den deutschen oberrheinischen Regionen nur geringfügig ausfiel. Überdurchschnittlich gewachsen ist die Beschäftigung vor allem in der Chemie-, Pharma- und Kunststoffindustrie, in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) sowie in den öffentlichen Dienstleistungen und im Gesundheits- und Sozialwesen (ausser im Elsass). Diese Entwicklung ist auch ein Ergebnis der COVID-19-Krise, von der die Pharmaindustrie profitierte und die einen Digitalisierungsschub sowie Kapazitätsausweitungen im Gesundheitswesen auslöste. Wenig dynamisch entwickelten sich hingegen die Beschäftigtenzahlen in der Metall-, Elektro- und Maschinenbauindustrie (MEM). Insgesamt war die Industrie in diesem Zeitraum zahlreichen Herausforderungen wie Lieferkettenproblemen und Energiepreissteigerungen ausgesetzt; in der Nordwestschweiz kam zudem der starke Franken hinzu. Lediglich im Elsass war das Wachstum in dieser Branche überdurchschnittlich. Beschäftigtenentwicklung seit 1995 Branchen Baden Südpfalz Elsass Nordwest- schweiz Oberrhein Gesamtwirtschaft 0.2% 0.2% 1.0% 1.3% 0.7% Konsumgüter -0.2% 4.7% 1.1% -0.3% 0.3% Chemie & Pharma & Kunststoff 2.6% 11.0% 0.9% 2.3% 2.3% MEM 0.2% -0.7% 1.5% 0.8% 0.5% Handel & Logistik -0.4% -0.4% 0.7% 0.7% 0.2% Gastgewerbe -0.5% -1.3% 0.6% -0.2% -0.2% IKT 2.2% -1.7% 2.9% 1.9% 2.2% Finanzdienstl. 0.1% 0.8% 0.5% 1.5% 0.7% Bau & Immo 0.9% 0.7% -0.3% 0.6% 0.6% Öffentlicher Sektor 1.1% 1.5% 0.3% 2.5% 1.2% Gesundheit & Soziales 1.9% 1.2% 0.7% 2.4% 1.7% Unternehmensdienstl. 0.8% 2.3% 2.4% 0.9% 1.2% Sonstige Dienstl. -0.3% 2.1% 2.1% 1.1% 0.8% Durchschnittliches jährliches Wachstum (2019-2024) in %
7 Arbeitsmarkt am Oberrhein: Grenzgängerinnen und Grenzgänger Grenzgängerinnen und Grenzgänger: mehr Ältere und mehr Frauen Ein Drittel der Arbeitskräfte, die in die Nordwestschweiz über die Grenze zur Arbeit pendeln, war im ersten Quartal 2026 Frauen. Der Frauenanteil hat damit in den letzten beiden Dekaden leicht zugenommen. In allen Kantonen ist die Zahl der Grenzgängerinnen gestiegen, aber nicht in allen Kantonen der Nord- westschweiz stärker als die Zahl der Männer. In der Folge weisen die Kantone Basel-Landschaft und Solothurn einen leichten Rückgang des Frauenanteils auf. Mit 42% hat Basel-Stadt den mit Abstand höchsten Frauenanteil und verzeichnete gleichzeitig gegenüber 2006 den höchsten Anstieg um 4 Prozentpunkte. Die Altersstruktur der Grenzgängerinnen und Grenzgänger hat sich zwischen 2016 und 2026 spürbar verschoben. Dominierte 2016 noch die Gruppe der 45- bis 54-Jährigen mit 32% das Bild, so ist ihr Anteil bis 2026 auf 24% zurückgegangen. Gleichzeitig haben die 55- bis 64-Jährigen stark an Bedeutung gewonnen: Ihr Anteil stieg von 15% auf 21%. Diese Entwicklung zeigt die zunehmende Alterung der Erwerbsbevölkerung. Ein Fünftel der Grenz- gängerinnen und Grenzgänger wird in den nächsten 10 Jahren aus dem Erwerbsleben ausscheiden. Die quantitativ wichtigste Gruppe bleibt die der 35- bis 54-Jährigen, die 2026 zusammen rund die Hälfte aller Grenzgängerinnen und Grenzgänger stellt. Die 25- bis 34-Jährigen sind mit gut einem Fünftel weiterhin die zweit- stärkste Gruppe. Die Jüngsten sowie die über 65-Jährigen spielen mit zusammen 7% eine untergeordnete Rolle. Anteil Grenzgängerinnen an allen Grenzgängern Grenzgängerentwicklung nach Altersgruppen 0% 10% 20% 30% 40% 50% Nordwestschweiz Basel-Stadt Basel-Landschaft Aargau Solothurn Jura 2006 2026 2016 e s % s r e r
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r e 5% 22% 26% 32% 15% 1 % 5% 21% 27% 24% 21% 2% 15-24 25-34 35-44 45-54 55-64 65 u. mehr 2026
Künstliche Intelligenz und weltweite Unsicherheiten belasten den Arbeitsmarkt Arbeitsmarkt am Oberrhein: Arbeitslosigkeit und offene Stellen 8 Der Fach- und allgemeine Arbeitskräftemangel trägt dazu bei, dass die Unternehmen trotz schwächerer Wirtschaftslage weiter Arbeitskräfte suchen. Die Zahl der offenen Stellen ist in der Nordwestschweiz und in den deutschen Gebieten nach wie vor hoch. Nachdem sich die Zahl der offenen Stellen in der Nordwestschweiz zwischen 2017 und 2022 mehr als verfünffacht hatte, war sie zwischen 2022 und 2025 rückläufig. Sie hat sich zu Jahresbeginn 2026 wieder erhöht. In Baden sind die gemeldeten offenen Stellen relativ konstant hoch. Sie lagen aber im April 2026 deutlich unterhalb des Wertes von 2017. Entwicklung der Zahl offener Stellen Regionale Arbeitslosenquoten Die durchschnittliche Arbeitslosenrate ist am Oberrhein mit 5.0% im Jahr 2025 moderat. Eine besonders niedrige Arbeitslosenquote mit 3.3% ist in der Nordwestschweiz zu finden. Im Elsass und in Frankreich ist sie mit 6.9% bzw. 7.6% deutlich höher. Im Vergleich zu den nationalen Arbeitslosenquoten sind die deutschen und französischen Regionen des Oberrheins aber gut aufgestellt. Die industrielle Schwäche durch globale Unsicher- heiten wirkt sich zunehmend auf den Arbeits- markt aus. Zusätzlich verstärkt der begin- nende technologische Wandel hin zur Künstlichen Intelligenz die Zurückhaltung beim Stellenaufbau im Dienstleistungssektor. Die Arbeitslosigkeit hat zwischen 2022 und 2025 in allen oberrheinischen Regionen leicht zugenommen. Im Oberrheingebiet ist sie im Durchschnitt von 4.1% auf 5.0% gestiegen Daten Elsass nicht verfü