VBS/Armasuisse Immobilien entwickelt Cuira-Munitionsmagazin in Chur-Haldenstein; Daten verbessern Risikobewertung und Schutzbau

Die neue Generation standardisierter Munitionsmagazine

Mitteilung Veröffentlicht am 24. August 2026

Die neue Generation standardisierter Munitionsmagazine

Standardisierung | Geht es um die ausreichende Munitionsbevorratung, ist ein Aspekt besonders wichtig: die Lagerung in sicheren Infrastrukturen. An letzterem hat das VBS unter dem Codenamen «MM Cuira» in den vergangenen Jahren intensiv gearbeitet. Fabio Brantschen, Umwelt, Normen, Sicherheit und Technik, armasuisse Immobilien

Eine neue Generation von standardisierten Munitionsmagazinen soll die vielen in die Jahre gekommenen Munitionslager auf den schweizerischen Schiess- und Waffenplätzen nach und nach ersetzen. Das Ziel ist, der Truppe Infrastrukturen zur Verfügung zu stellen, in der sich alle Arten von Munition einfach, flexibel und allem voran sicher lagern lassen.

Prototyp seit 2017 in Betrieb

Seit 2017 ist der Prototyp des Truppenmunitionsmagazins Cuira in Chur-Haldenstein – daher auch der Name – in Betrieb, bestehend aus einem Grundmodul sowie vier weiteren Modulen mit zusätzlichen Munitionskammern. Der Prototyp wird von der Truppe genutzt, um Munition und Explosivstoffe wie Granaten und Rauchkörper für die Ausbildung der Kompanien sicher zu lagern. Der modulare Bau vereint die Vorteile der standardisierten Bauweise in sich, wie zum Beispiel optimierte Kosten und Realisierungsdauer und mehr Flexibilität bei der Nutzung. Je nach Standort und Gelände werden nur noch minimale Anpassungen bei der Projektierung erforderlich sein, was viel Zeit und Geld spart. Der Prototyp hat grundlegende Fragen hinsichtlich der Projektierung, den Bau und den Betrieb des Modulbautyps «MM Cuira» beantwortet. Dennoch fehlten für eine detaillierte Risikoabschätzung – insbesondere für die Bestimmung der Gefährdungszonen rund um das Magazin durch Trümmerwürfe im Ereignisfall – wissenschaftliche Grundlagen. So stützten sich die Standortauswahl neuer Magazine und die Festlegung der sie umgebenden Gefährdungszonen bisher auf internationale Vergleichsdaten und auf eigene Modellberechnungen.

Um die Gefährdungszonen für das Munitionsmagazin Cuira realitätsnah zu ermitteln, musste der Modulbautyp eins zu eins getestet werden. Das geschah mit einer Reihe von Sprengversuchen. Dank der langjährigen, guten Zusammenarbeit mit internationalen Partnern hat das VBS beschlossen, die Testreihe im Rahmen des Memorandum of Understanding «Force Protection and Weapons Effects» durchzuführen. Der rechtliche und finanzielle Rahmen liess sich dadurch rasch regeln. Die Studiengruppe Schutz Infrastruktur Militär des VBS übernahm unter der Leitung von Armasuisse Immobilien. dem Immobilienkompetenzzentrum des VBS, die Koordination mit den internationalen Partnern. Vertreter der Fachstelle Sicherheit im Umgang mit Munition und Explosivstoffen des Armeestabs waren für die technische Vorbereitung und die Auswertung der Versuche verantwortlich. Die Sprengversuche fanden im Sommer 2022 auf einem Testfeld des über 5oo Quadratkilometer grossen Schiessplatzes Älvdalen statt, der vom Gastgeberland Schweden in Miete zur Verfügung gestellt wurde. Am Munitionsmagazin mit insgesamt drei Boxen wurden im Abstand von mehreren Tagen drei Sprengungen mit unterschiedlichen TNT-Ladungen durchgeführt. Jeder Sprengversuch lieferte innerhalb von Sekundenbruchteilen umfassende Daten. Für die Messung setzte der Kompetenzbereich Wissenschaft und Technologie von Armasuisse High-Speed-, Wärmebild-, Go- Pro-Kameras, Drohnen, Lasermesstechnik sowie Luft-, Erd- und Dehnmessungen und Zeugensteine ein. Zudem haben die Partnernationen weitere Messinstallationen und Manpower zur Verfügung gestellt. Die drei Sprengversuche haben verlässliche Daten geliefert, welche die Sicherheit und Effektivität des neuen Munitionsrnagazintyps steigern.

Dazu gehören Erkenntnisse im Bereich

Nachweis der Übertragungssicherheit: Die Versuche ermöglichten die detaillierte Untersuchung der Explosionsübertragung zwischen zwei Kammern, was entscheidend ist, um mögliche Gefahren durch Übertragungen zu minimieren.

Trümmerausbreitung: Die Messungen der Ausbreitung von Trümmern nach einer Explosion lieferten grundlegende Daten zur Bestimmung der Gefährdungszonen, die letztlich die Risikoermittlung überhaupt erst ermöglichen.

Identifikation von Optimierungspotential: Ein wichtiger Aspekt war die gezielte Suche nach Verbesserungsmöglichkeiten im Bau, um diese Erkenntnisse in die laufenden Projekte einzubringen.

Schweiz unter Führenden im militärischen Schutzbau

Das modulare Truppenmunitionsmagazin Cuira zeigt, dass die Schweiz im militärischen Schutzbau und bei der Entwicklung von Risikomodellen nach wie vor zu den führenden Staaten zählt. Sie ist ausserdem weiterhin in der Lage, als projektführende Nation umfassende Grossversuche durchzuführen. Die internationale Zusammenarbeit zwischen den Partnernationen Deutschland, USA, Norwegen und England wirkt sich positiv auf die Weiterentwicklung von Schweizer Schutzbauten aus. Insbesondere entstand durch den gegenseitigen Datenaustausch ein einzigartiger Datensatz, der auf nationaler Ebene allein nicht zu gewinnen gewesen wäre. Ein Grossteil der ausgewerteten Daten fliessen in neue Risikomodelle ein, die zur Weiterentwicklung militärischer und ziviler Schutzbauten genutzt werden. Aufgrund der in Älvdalen beobachteten Schäden wurden ausserdem die Cuira-Baupläne optimiert. Zukünftige Munitionsmagazine fangen damit – im unwahrscheinlichen Fall eines Ereignisses – Explosionen noch besser auf. Das kommt direkt der Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten und umliegenden Infrastrukturen zugute.