---
title: "Hans und Marina Seidl initiieren Radwegkirche Thalmässing; Interaktive Stele mit Meditationen"
sdDatePublished: "2026-08-25T11:21:00Z"
source: "https://www.bistum-eichstaett.de/news-details/news/geheimtipp-am-kirchplatz-die-radwegkirche/"
topics:
  - name: "religion"
    identifier: "medtop:12000000"
  - name: "culture"
    identifier: "medtop:20000038"
  - name: "travel and tourism"
    identifier: "medtop:20000563"
  - name: "road transport"
    identifier: "medtop:20000341"
  - name: "public transport"
    identifier: "medtop:20001362"
locations:
  - "Eichstätt"
  - "Nürnberg"
  - "Passau"
  - "Bavaria"
  - "Dresden"
  - "Germany"
---


Hans und Marina Seidl initiieren Radwegkirche Thalmässing; Interaktive Stele mit Meditationen

Bistum Eichstätt: Geheimtipp am Kirchplatz: Die Radwegkirche

Geheimtipp am Kirchplatz: Die Radwegkirche

Die Augustsonne brennt unbarmherzig auf den Platz vor der katholischen Kirche St. Peter und Paul in Thalmässing am Rand des fränkischen Seenlands. Aber am Rand der angrenzenden, von hohen Sträuchern gesäumten Rasenfläche ist wohltuender Schatten. Hölzerne Tische und Bänke laden zur Mittagsrast ein, darüber spannt sich ein großes, stabiles Sonnensegel, das bei einem Wetterumschwung auch einem Regenschauer standhalten würde. „So etwas würden wir uns auch oft wünschen“, sagen Hans und Marina Seidl, auf deren Initiative vor drei Jahren die Radwegkirche Thalmässing entstanden ist.

Die beiden, die als Pastoralreferentin und -referent im Dienst der Diözese Eichstätt standen und nun im Ruhestand sind, unternehmen seit Jahren mit Freunden mehrtägige Radtouren. „Da fährt man manchmal stundenlang und es kommt kein Schatten. Oder man findet eine schöne Bank, die aber in der prallen Sonne steht.“ Die Seidls haben viele Routen kennengelernt, seit sie ihre erste Fahrradreise von Passau nach Wien antraten. Sie radelten von Wien nach Budapest, von Prag nach Dresden oder auch auf dem Murradweg in der Steiermark. Wenn sie sich nicht gerade daheim ehrenamtlich in der Pfarrei Thalmässing und in deren Kulturzentrum „Bunker“ engagieren.

2022 hatte die Marktgemeinde bei der Pfarrei angefragt, ob sie ein Radweg-Teilstück durch das Kirchengelände von St. Peter und Paul führen dürfe. Es sollte an dieser Stelle gleich drei Routen bündeln: den Jakobs-Pilger-Radweg Nürnberg-Eichstätt, den fränkischen Wasserradweg und den Gredl-Radweg, benannt nach der ehemaligen Bahnlinie zwischen Hilpoltstein und Greding. Der Pfarrgemeinderat sei sofort dafür gewesen, berichtet Hans Seidl: „Wir sahen es überhaupt nicht als Störung, sondern als Bereicherung, wenn Leute bei uns durchkommen“.

Kaum war das Wegstück freigegeben, kam auch die Idee einer Radwegkirche ins Spiel. Während einer Tour auf dem Unstrut-Radweg in Ostdeutschland waren die Seidls diesem Begriff in einem Reiseführer begegnet. Sie nahmen die angegebene Abzweigung und waren am Ziel ein wenig enttäuscht: „Da gab’s nur eine Kirche, eine Bank und Prospekte“. In Thalmässing wollten sie das besser machen und überlegten gezielt: „Was braucht man?“ Neben geschützten Sitzgelegenheiten sollte es eine Toilette geben, etwas Werkzeug für kleine Reparaturen, einen Schlauch-Automaten „und vielleicht sogar eine Ladestation für E-Bikes“.

All dies findet sich heute rund um die Kirche St. Peter und Paul, in deren Innenraum der technische Service durch ein geistliches Angebot ergänzt wird: Viele Radlerinnen und Radler „wollen sich nach dem Brotzeitmachen noch ein wenig die Füße vertreten und schauen ganz automatisch in die Kirche rein“, beobachtet Seidl. Dort finden sie gleich neben der Pforte eine interaktive Stele, an der sich per Knopfdruck kurze Meditationen für Erwachsene und auch für Kinder abrufen lassen. Für die Tonaufnahmen konnten die Seidls über private Kontakte Sprecherinnen und Sprecher des Bayerischen Rundfunks gewinnen. Auch zum modernen Altarbild in der Kirche gibt es eine kleine Betrachtung. Ein niederschwelliges Angebot, das man in Zeiten der Muße, Leichtigkeit und Freizeit gerne mitnimmt. An der Stele liegen auch Karten und Stifte bereit, um Sorgen, Bitten, Anliegen niederzuschreiben und in eine Art Briefkasten zu werfen. Hans Seidl öffnet ihn und findet prompt einige Notizen, die bei kommenden Wortgottesdiensten in die Fürbitten einfließen werden. Auch einen gespendeten Fünf-Euro-Schein nimmt er heraus. Vermutlich von einem dankbaren Gast, der auf der Stele den Zugangscode entdeckt hat, mit dem man die Tür des Pfarrhauskellers öffnen kann. Dieser hatte vor dem Bau des „Bunker“ als Versammlungsraum gedient und birgt eine kleine Teeküche mit Eckbank, eine Toilette und sogar eine Dusche. Anfangs hätten sie Bedenken gehabt wegen der Sauberkeit, räumen die Seidls ein, „aber es war bisher alles in Ordnung, wir sind nicht enttäuscht worden.“ Letztens habe ein durchreisender Radtourist auf der Wiese gezeltet, erzählt Hans Seidl: „Wir wollen natürlich keinen Campingplatz eröffnen, aber wenn ein Einzelner mal übernachtet, stört das niemanden“.

Noch bis Ende Oktober ist Saison, dann wird das Sonnensegel abgenommen und die Bänke werden verstaut, bis im Frühjahr die nächste Saison in der Radwegkirche beginnt. Froh sind die Verantwortlichen über die gute Verbindung zur Wallfahrts- und Tourismuspastoral der Diözese. „In deren Flyern wird immer fleißig auf die Radwegkirche hingewiesen“, berichtet Hans Seidl. Der Eichstätter Verantwortliche, Domkapitular Reinhard Kürzinger, lässt es sich nicht nehmen, jedes Jahr am 1. Mai zum Eröffnungsgottesdienst ins etwa 30 Kilometer entfernte Thalmässing zu kommen. „Und ich reise da normalerweise nicht im Dienstauto an“, lacht der Besitzer eines häufig genutzten E-Bikes. Solche Räder, so weiß er aus Erfahrung, „die brauchen natürlich immer Service. Und so wie die E-Bikes Service brauchen, brauchen wir Menschen immer wieder eine Zeit der Regeneration, in der wir uns aufs Wesentliche besinnen.“ Dabei könne Fahrradpilgern, das Kürzinger in Zusammenarbeit mit Pater Stefan Weig anbietet, hilfreich sein.

Dass das geistige Durchschnaufen auf dem Drahtesel auch eine nachhaltige Art des Urlaubs ist, klingt auf der Homepage der Thalmässinger Radwegkirche an. Der heiße Sommer 2026 hat den Blick auf künftige klimatische Herausforderungen gelenkt. Auch in Thalmässing blieben die Plätze unter dem luftigen Sonnensegel oft unbesetzt. Vielen war es zuletzt einfach zu warm für Ausflüge ins Freie. Da, ein Radler mit Rucksack kommt den Radweg zwischen Kirche und „Bunker“ herabgefahren. Aber er bleibt nicht. Er will nur auf kürzestem Weg ins Freibad.

Redakteurin in der Stabsstelle Kommunikation