Diakon Michael Weyers geht in Ruhestand in der Pfarrei St. Lioba Rheinhessen-Mitte bleibt Diözesanrichter; Pastoralauftrag nach Verrentung möglich
NEUES AUS ST. LIOBA RHEINHESSEN-MITTE: Diakon Michael Weyers sagt servus….
NEUES AUS ST. LIOBA RHEINHESSEN-MITTE : Diakon Michael Weyers sagt servus….
Mit dem Ruhegeld beginnt dann der neue Lebensabschnitt. Allerdings haben Diakone eine Weihe, die über das Rentendasein hinausgeht. Ich könnte also auf Grund der Weihe weiterhin auch Kasualien und Wortgottesfeiern halten. Aber mit dem Renteneinstieg ist zunächst Schluss. Es sei denn, Diakone erhalten nach ihrer Verrentung einen kleinen Pastoralauftrag. Also, ich biete mich im Bistum Mainz weiterhin für liturgische Dienste mit Pastoralauftrag an. Ich bleibe auch weiter Diözesanrichter, wobei dieses bischöfliche Amt, das ich seit 28 Jahren ausübe, im Bistum eher als Ehrenamt gilt. Dabei habe ich ein Dekret für dieses Amt, das nur der Bischof selbst ausstellen kann. Verrückte Welt! Nun ja, das sind jedenfalls neben meinen Hobbies die Tätigkeiten, die mich erwarten.
Ecclesia semper reformanda … In meinen 34 Dienstjahren, davon 30 als Diakon, habe ich die Kirche wandeln gesehen. Von einer Volkskirche hin zur jetzigen Gestalt der Kirche, die zwar immer noch gerne in Anspruch genommen wird, mit der man aber sonst als christliche Gemeinschaft nichts zu tun haben will. Ja, sie wird angegriffen, weil sie ihrem eigenen Moralanspruch nicht mehr genügte. Präventionsschulungen waren die Antwort auf die schrecklichen Missbrauchsvorfälle, die die Kirche bis heute erschüttern. Dabei ist es manchen Leuten im Bistum schwer begreiflich zu machen, dass nicht jeder Einzelne, sondern die Kirche als Gemeinschaft und Institution als Ganzes in die Pflicht genommen wird und diese Schulungen für jeden ehren- oder hauptamtlichen Mitarbeiter notwendig geworden sind. Manche katholische Christen sehnen sich zurück nach einer alten und frommen Kirche und wenden sich an die Piusbruderschaft oder in gemäßigter Form an die Petrusbruderschaft und sehen im alten Meßritus ihr Heil. Anderen gehen die Reformen innerhalb der Kirche nicht schnell genug und sie wenden sich „Maria 2.0“ oder der queeren Gemeinschaft innerhalb der Kirche zu. Auch das hat sich in der Kirche gewandelt. Ich denke aber auch an die Einrichtungen der Pfarrgruppen und neue Personalschlüssel, die in diesen Zeiten erst neu angeschaut werden sollten. Nun, die Zeit hat uns überholt und wir haben inzwischen keine Dekanate mehr. Dafür große Pfarreien, wobei St. Lioba Rheinhessen-Mitte zu den kleineren zählt. Ob sich diese Strukturreform in der Kirche durchsetzt, ist noch nicht klar. Mir hat einmal jemand gesagt, dass wir es schaffen würden, die Kirche an ihren Abgrund zu bringen, aber wir werden sie nicht zerstören können. Das ist doch tröstlich. Der Heilige Geist sorgt für immer neues Leben und auch – wenn auch nicht immer spürbar – für immer neues Wachstum. Die Kirche muss und kann viele Strömungen und Tenden- zen aushalten.
Tempora mutantur … et nos mutamur in illes. Ja, die Zeiten ändern sich. Ich konnte in meiner Zeit acht Pfarrer als meine Dienstvorgesetzten kennenlernen. Auch der Bischöfliche Offizial und der Generalvikar waren meine direkten Vorgesetzten. Von klerikaler Dienstkleidung bis zur lockeren Alltagskleidung für Geistliche und vom distanzierten „Sie“ bis zum freundschaftlichen „Du“ im pastoralen Umgang miteinander konnte ich alles in meinen Dienstjahren erleben. Heute hat die Kirche ihr Gesicht verändert, nicht allein wegen Papst Franziskus, der eine neue Prozessordnung herausgegeben hat, an der sich nun die bischöflichen Gerichte orientieren oder die Abschaffung der Prälatentitel in den Bistümern. Monsignore
wird nur noch ein Priester im hohen Alter und mit ebenso hohen Verdiensten. Aber die Menschen, für die wir in der Kirche da sind, haben sich auch verändert, wie sich die Gesellschaft insgesamt verändert hat. War früher z.B. das Brotbacken für Kommunionkinder ein echtes Highlight, so fällt heute dieser Punkt in der Kommunionvorbereitung aus. Viel- leicht kommt es ja wieder.
Quo vadis … Manches bleibt und Vieles ändert sich. So wird auch mein zukünftiges Leben aussehen. Sie aber bleiben in der Pfarrei, Sie, die mir in den letzten 18 Jahren, 16 Jahre davon in Saulheim, Gabsheim, Udenheim und Schornsheim, ans Herz gewachsen sind. Ich bin Gott und Ihnen dankbar, dass ich Sie kennenlernen durfte, und werde Sie auch weiter mit meinem Gebet begleiten.
Ich sage Ihnen Auf Wiedersehen in der Gewissheit, dass wir uns irgendwann einmal wiedersehen werden.
Gott behüte Sie auf Ihrem Weg durch die Zeit in Ihrem Leben und in der Pfarrei St. Lioba Rheinhessen-Mitte.