Senat beantwortet Große Anfrage zur digitalen Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen im Land Bremen; Durchschnitt 5,2 Std Online-Nutzung rückläufig seit 2016

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Landtag 21. Wahlperiode Drucksache 21/1950 (zu Drs. 21/1870) 25. August 2026 Mitteilung des Senats Problematische digitale Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen im Land Bremen – Prävention, Gesundheitsfolgen, Schulregeln und Jugendmedienschutz

Große Anfrage der Fraktion BÜNDNIS DEUTSCHLAND vom 24. Juni 2026 und Mitteilung des Senats vom 25.08.2026 Kinder und Jugendliche wachsen heute selbstverständlich mit Smartphones, sozialen Medien, Videoplattformen, Online-Spielen und zunehmend auch KI-basierten Anwendungen auf. Digitale Medien eröffnen Bildungs-, Kommunikations- und Teilhabemöglichkeiten. Zugleich zeigen aktuelle Studien, dass ein erheblicher Teil der Kinder und Jugendlichen digitale Angebote in einem riskanten oder problematischen Ausmaß nutzt.

Nach aktuellen Studien verbringen Jugendliche täglich mehrere Stunden mit dem Smartphone. Untersuchungen weisen auf Zusammenhänge zwischen problematischer Mediennutzung und Schlafmangel, Konzentrationsproblemen, psychischer Belastung, sozialem Druck, Cybermobbing und exzessivem Gaming hin. Die Weltgesundheitsorganisation hat Gaming Disorder als Störungsbild in die ICD-11 aufgenommen. Für andere Formen problematischer Mediennutzung, insbesondere Social Media und Streaming, wird die fachliche und politische Debatte weitergeführt.

Auch im Land Bremen sind diese Fragen von erheblicher Bedeutung. Die für Kinder und Bildung zuständige senatorische Behörde hat mit Erlass Nr. 001/2025 die Handynutzung an Schulen der Stadtgemeinde Bremen neu geregelt. Danach müssen private Smartphones, Smartwatches und andere mobile digitale Endgeräte in der Grundschule und Sekundarstufe I während des Schultages ausgeschaltet und nicht sichtbar verstaut sein. Für Bremerhaven ist dieser Erlass nicht unmittelbar maßgeblich; dort gelten eigene Regelungswege. Zugleich bleiben Medienbildung, Prävention, Jugendmedienschutz und gesundheitliche Unterstützung zentrale Aufgaben.

Bereits in jüngerer Zeit wurden Fragen zur psychischen Gesundheit junger Menschen im digitalen Raum, zu Social-Media-Druck, Medienkompetenz und schulischen Regelungen parlamentarisch behandelt, insbesondere in der Kleinen Anfrage der CDU Drs. 21/1591 und der Senatsantwort Drs. 21/1720. Vor diesem Hintergrund fragt die Fraktion BÜNDNIS

Landtag der Freien Hansestadt Bremen Haus der Bürgerschaft | Am Markt 20 | 28195 Bremen Drucksache Land - Drucksache 21/1950 2 von 37 DEUTSCHLAND nach aktuellen Erkenntnissen, der Umsetzung bestehender Maßnahmen sowie möglichem weiteren Handlungsbedarf. Der Senat beantwortet die Große Anfrage wie folgt:

  1. Welche aktuellen Daten, Studien, Erhebungen oder sonstigen Erkenntnisse liegen dem Senat zum digitalen Mediennutzungsverhalten von Kindern und Jugendlichen im Land Bremen vor? Bitte darstellen, soweit möglich getrennt nach Altersgruppen, Geschlecht, Stadtgemeinde Bremen und Bremerhaven sowie nach Nutzungsarten wie Smartphone, soziale Medien, Videoplattformen, Online- Spiele, Streamingdienste und KI-Chatbots. Dem Senat dienen als primäre Datengrundlage zum digitalen Mediennutzungsverhalten von Jugendlichen im Land Bremen die Ergebnisse der SCHULBUS-Untersuchung. In dieser Studie werden regelmäßig 14- bis 17-jährige Jugendliche in den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven (parallel zum Stadtstaat Hamburg) zu verschiedenen verhaltensbezogenen Themenstellungen befragt, darunter der Konsum von Suchtmitteln, der Umgang mit Glücksspiel- und Internetangeboten, die selbstkritische Körperwahrnehmung sowie die Einschätzung ihrer Lebenssituation. Die Ergebnisse der Studie sind für das Bundesland Bremen repräsentativ.

Dem Magistrat der Stadt Bremerhaven (Schulamt) liegen laut eigener Auskunft zwar keine eigenen behördlichen Erhebungen zum Mediennutzungsverhalten vor, die SCHULBUS-Studie weist jedoch spezifische und repräsentative Datenreihen explizit für die Stadtgemeinde Bremerhaven aus, sodass dem Senat ein differenziertes Bild für beide Stadtgemeinden vorliegt.

Aus der aktuellen SCHULBUS-Studie 2024/25¹ ergeben sich für die aktive Online-Zeit von 14- bis 17-Jährigen folgende zentrale Erkenntnisse:

Landtag der Freien Hansestadt Bremen Haus der Bürgerschaft | Am Markt 20 | 28195 Bremen Drucksache Land - Drucksache 21/1950 3 von 37 Die durchschnittliche Dauer der täglichen Internetnutzung, die zusätzlich zum schulischen Bedarf stattfindet, beträgt in den Stadtgemeinden Bremen und Bremerhaven im Jahr 2024 etwa 5,2 Stunden. Gegenüber der Erhebung aus dem Jahr 2016 sind diese Werte statistisch signifikant rückläufig (2016: Bremen 5,6 Stunden; Bremerhaven 6,8 Stunden). Hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung zeigt sich, dass weibliche Jugendliche (Bremen: 5,3 Std.; Bremerhaven: 5,5 Std.) im Durchschnitt etwas mehr aktive Online-Zeit aufweisen als männliche Jugendliche (Bremen: 5,0 Std.; Bremerhaven: 4,9 Std.). Ebenso verzeichnen die älteren Jugendlichen im Alter von 16 bis 17 Jahren (jeweils 5,5 Std. in beiden Stadtgemeinden) eine höhere Nutzungsdauer als die 14- bis 15-Jährigen (jeweils 4,9 Std. in beiden Stadtgemeinden).

Hinsichtlich der Nutzungsarten verteilen sich die Präferenzen wie folgt:

Bei den bevorzugten Internet-Anwendungen stehen Soziale Netzwerke deutlich im Vordergrund (Bremen: 90,3 %; Bremerhaven: 87,7 %), gefolgt vom Streamen von Videos und Musik (Bremen: 77,4 %; Bremerhaven: 79,8 %) sowie Online-Spielen (Bremen: 37,7 %; Bremerhaven: 39,5 %).

Über diese detaillierten Ergebnisse der SCHULBUS-Studie für die Gruppe der 14- bis 17- Jährigen hinaus liegen dem Senat derzeit keine weiteren belastbaren, landesspezifischen Erhebungen vor. Eine darüberhinausgehende Aufschlüsselung nach weiteren Altersgruppen (insbesondere Kinder unter 14 Jahren) oder spezifischen neueren Nutzungsarten wie der Anwendung von KI-Chatbots ist auf Basis der aktuellen Datenlage für das Land Bremen nicht möglich.

Landtag der Freien Hansestadt Bremen Haus der Bürgerschaft | Am Markt 20 | 28195 Bremen Drucksache Land - Drucksache 21/1950 4 von 37 2. Welche Erkenntnisse liegen dem Senat darüber vor, wie viele Kinder und Jugendliche im Land Bremen digitale Medien in einem riskanten, problematischen oder, soweit fachlich entsprechend definiert, pathologischen Ausmaß nutzen? Bitte darstellen, ob eigene Bremer Daten vorliegen oder ob der Senat auf bundesweite Studien zurückgreift und welche Kriterien dabei zugrunde gelegt werden. Zur Einschätzung der Situation von Kindern und Jugendlichen im Land Bremen stützt sich der Senat primär auf eigene, länderspezifische Daten. Hierbei ist insbesondere die regelmäßig durchgeführte SCHULBUS-Studie (Schulbezogene Umfragen zum Gesundheitsverhalten und zu Lebenslagen von Schülerinnen und Schülern) heranzuziehen, die gemeinsam von den Ländern Bremen und Hamburg durchgeführt wird. Die Erhebung erfolgt im schulischen Kontext anhand standardisierter wissenschaftlicher Befragungsinstrumente und erhebt in regelmäßigen Abständen repräsentative Daten, unter anderem zur Nutzung von Internet- und Social-Media-Angeboten sowie Computerspielen. Die Studie liefert damit eine belastbare Datengrundlage für die Einschätzung der Situation im Land Bremen.

Als Kriterium zur Unterscheidung zwischen unauffälliger und problematischer bzw. suchtgefährdender Nutzung kommt bei der freizeitorientierten Internetnutzung das wissenschaftlich etablierte Screeningverfahren der „Compulsive Internet Use Scale“ (CIUS) zur Anwendung. Eine problematische Internetnutzung wird bei einem Wert von mehr als 30 Punkten auf dieser Skala definiert.

Grundsätzlich verdeutlichen die Erhebungen, dass sich die Probleme im Kontext der freizeitorientierten Nutzung verschiedener Internetanwendungen verschärfen. Zwar nimmt die durchschnittliche Dauer der täglichen Internetnutzung tendenziell eher ab, der Anteil der Kinder und Jugendlichen, der nach der CIUS-Skala eine problematische Nutzung aufweist, steigt jedoch signifikant an.

Die aktuellen Ergebnisse der SCHULBUS-Studie 2024/25 zeigen, dass 23,8 Prozent der befragten Schülerinnen und Schüler in der Stadtgemeinde Bremen und 19,8 Prozent der Schülerinnen und Schüler in der Stadtgemeinde Bremerhaven eine problematische Internetnutzung aufweisen. Dabei werden geschlechtsspezifische Unterschiede sichtbar: Während Mädchen häufiger problematische Nutzungsmuster bei sozialen Medien aufweisen, sind Jungen häufiger im Bereich der Computerspiele auffällig.

Auf Basis der amtlichen Bevölkerungsstatistik (Stand 31.12.2024) lassen sich diese relativen Anteile auf die Kohorte der 14- bis 17-jährigen Jugendlichen in den Stadtgemeinden hochrechnen. Die folgende Tabelle stellt die absoluten Zahlen der betroffenen Jugendlichen im Land Bremen (sowie im Vergleich dazu in Hamburg) dar:

Hochrechnung auf die jeweilige Bevölkerungskohorte (Angaben in Absolutzahlen)

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Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass dem Senat mit der SCHULBUS-Studie valide, regional differenzierte und aktuelle Erkenntnisse über das Ausmaß der problematischen Mediennutzung im Land Bremen vorliegen, die eine fundierte Grundlage für präventive und pädagogische Maßnahmen bilden. 3. Welche Schlussfolgerungen zieht der Senat aus aktuellen Studien zur problematischen Nutzung von Social Media, Online-Spielen, Streamingdiensten und KI-Chatbots durch Kinder und Jugendliche für die Präventions-, Gesundheits-, Jugend- und Bildungspolitik im Land Bremen? Der Senat bewertet die problematische Nutzung digitaler Medien – insbesondere von Social Media und Online-Spielen, aber auch problematische Nutzungszeiten insgesamt – nicht als Randphänomen, sondern als eine ernstzunehmende, relevante gesundheitsbezogene Entwicklung, die strategisch und behördenübergreifend berücksichtigt werden muss. Aus den aktuellen Studien und den Rückmeldungen der Fachpraxis zieht der Senat folgende zentrale Schlussfolgerungen für die Ausrichtung der Präventions-, Gesundheits-, Jugend- und Bildungspolitik im Land Bremen:

Fokus auf Nutzungsformen und geschlechtsspezifische Bedarfe Die vorliegenden Ergebnisse verdeutlichen, dass nicht die Nutzung digitaler Medien per se problematisch ist, sondern vielmehr spezifische Nutzungsformen und -intensitäten. Hohe tägliche Online-Zeiten, intensive Social-Media-Nutzung, exzessives Gaming und die unerlaubte Teilnahme an Glücksspielen sind signifikant mit psychosozialen Belastungen assoziiert. Zudem zeigen die Studien deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede auf: Während bei Mädchen eine stärkere Betroffenheit durch problematische Social-Media-Nutzung, sozialen Vergleichsdruck und Hinweise auf Essstörungen festzustellen ist, dominieren bei Jungen exzessives Computerspielen und Glücksspiel. Der Senat folgert hieraus zwingend, dass Präventions- und Unterstützungsangebote zielgruppenspezifisch und differenziert ausgestaltet werden müssen, um wirksam zu sein.

Ganzheitliche Ausrichtung der Sucht- und Gesundheitsprävention Moderne Suchtprävention im Land Bremen richtet sich nicht isoliert auf die Verhinderung einzelner Verhaltensweisen aus. Im Mittelpunkt steht stattdessen der Aufbau von Schutzfaktoren durch die Förderung von Resilienz, sozialer Kompetenz, Selbstregulationsfähigkeit und Stressbewältigung. Das Landesinstitut für Schule (LIS) setzt hierbei bereits zahlreiche erfolgreiche Angebote um, die das Bewusstsein für suchtfördernde Mechanismen digitaler Medien schärfen und von Schulen sowie pädagogischen Fachkräften sehr positiv bewertet werden.

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