Lehrpersonen in der Schweiz unterstützen inklusive Schule; Ressourcenknappheit behindert Umsetzung

Umfrage: Knappe Mehrheit der Lehrpersonen unterstützt inklusive Schule - Diakonie Schweiz

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Umfrage: Knappe Mehrheit der Lehrpersonen unterstützt inklusive Schule

Die integrative Schule wird in der Schweiz kontrovers diskutiert. Eine repräsentative Umfrage des Dachverbands Lehrerinnen und Lehrer Schweiz LCH gibt nun Einblick in die Haltung jener Fachpersonen, die integrativen Unterricht im Alltag umsetzen. 51 Prozent der Befragten befürworten die Idee, 48 Prozent stehen ihr skeptisch gegenüber, ein Prozent äussert sich neutral.

An der Befragung nahmen 10’394 Lehrpersonen, schulische Heilpädagoginnen und -pädagogen sowie therapeutische Fachpersonen der Zyklen 1 bis 3 teil. Sie unterrichten durchschnittlich Klassen mit 18 Schülerinnen und Schülern; sieben davon weisen laut Mitteilung entweder eine formelle Diagnose oder einen weiteren Unterstützungsbedarf auf.

LCH-Präsidentin Dagmar Rösler ordnet die Skepsis der Befragten ein: «Diese Skepsis ist aber kein Ausdruck mangelnden Wollens, sondern das Resultat von zu wenig oder schlecht verteilten Ressourcen.» Die laufende politische Debatte sei bislang vielfach von Einzelfällen und unvollständigen Darstellungen geprägt, so die Mitteilung.

Zwar berichten die Befragten von vorhandener Unterstützung, doch 57 Prozent bewerten diese als nicht ausreichend. Besonders belastet fühlen sich Klassenlehrpersonen gegenüber Mitarbeitenden in spezialisierten Unterstützungsfunktionen. Urs Bieri vom Meinungsforschungsinstitut gfs.bern, das die Erhebung im Auftrag des LCH durchführte, betont: «Wer die Unterstützung als ausreichend erlebt, bewertet die integrative Schule besser.»

Strukturell sei die Umsetzung weit fortgeschritten: 84 Prozent der Befragten erachten die Integration in Regelklassen als erfüllt. Bei zeitnahen Diagnosen sowie bei finanziellen, personellen und zeitlichen Ressourcen bestehe jedoch weiterhin Handlungsbedarf. Auch erhoffte Wirkungen wie eine grössere Chancengerechtigkeit seien noch nicht durchgehend sichtbar.

Der LCH leitet aus der Umfrage fünf Ansatzpunkte ab: Verfahren zwischen Förderantrag und Massnahmen sollen beschleunigt, Ressourcen flexibler nach pädagogischem Bedarf verteilt und Klassen bei hohem Unterstützungsbedarf kleiner werden. Zudem fordert der Verband mehr Fachpersonal und Zeit für Zusammenarbeit sowie befristete, niedrigschwellige Entlastungsangebote wie Schulinseln.

«Die integrative Schule in der Schweiz ist kein gescheitertes Projekt, sondern eines, das sich weiterentwickeln muss», sagt Rösler. Entscheidend sei aus Sicht des LCH, dass die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen für eine wirksame Umsetzung schaffe und finanziere.

Eine Umfrage unter mehr als 10'000 Deutschschweizer Lehrpersonen zeigt ein gespaltenes Bild und fordert bessere Bedingungen für die Umsetzung.