Annatina Graf verdecken Kunsthaus Grenchen, Grenchen; Iran-Proteste als Referenz
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Grenchen Kunsthaus Grenchen, bis 5.7, kunsthausgrenchen.ch
Annatina Graf
Weinende Manner, wiitende Frauen - eine Serie greller roter Acrylgemalde von Annatina Graf zeigt schemenhaft Figuren, etwa eine Frau mit erhobener Faust oder einen auf die Knie gesunkenen Mann. Graf kehrt Stereotypen um: Neben persén- lichen Vorlagen greift sie haufig auf Medienbilder zurtick, sodass sich Assozia- tionen zu Protesten im Iran oder einer be- kannten Niederlage in einem Fussballspiel nicht zufallig einstellen.
Die Werke der Soloschau insideout kreisen um Zustande: Graf interessiert es, wo sich Emotionen verstecken und wie sie nach aussen treten. Schon der Auftakt — ein weinender Mann in einer schwarz- weissen Videoprojektion, der einzigen Medienarbeit - zielt darauf ab. Darum herum gruppiert sich die zweite Werkreihe verdecken, die von Kinderspielen mit Tiichern oder Eimern tiber dem Kopf bis zur Darstellung von Melania Trumps ikoni- schem Hut oder Vorlagen aus Abu Ghraib reicht. Auch hier wahlt Graf eine be- stimmende Farbigkeit, indem sie Schichten der Grundfarben Magenta, Cyan und Gelb ubereinanderlegt, was eine flirrende, leicht unscharfe Asthetik erzeugt.
Portrats von Obdachlosen und Poli- zisten auf braunem Karton, die beim Atelieraufenthalt 2017 in Paris entstanden sind, erganzen die impliziten Bezlige zu Macht und Ohnmacht in der Gegenwart. Dennoch gerat Graf nicht in die Falle des explizit Politischen, sondern findet eine spezifische malerische Sprache fiir diese Ambivalenzen. AD
Annatina Graf, verdecken 10, 2025 Foto: Barbara Hess
Marcia Hafif, 123., August 1966 Sammlung MAMCO Geneve. Foto: Annik Wetter
Energies fossiles, Ausstellungsansicht Rehmann- Museum, Laufenburg, mit Werken von Maétte Lannuzel und Pauline Marx. Foto: Studio Stucky
La Chaux-de-Fonds . Musée des beaux-arts, bis 9.8.
“ mbac.ch
Marcia Hafif
Die von Direktor David Lemaire kuratierte Ausstellung La peinture est la méme pour tout le monde zur kalifornischen Malerin Marcia Hafif im Musée des beaux-arts
La Chaux-de-Fonds richtet den Blick zu- nachst auf ihre italienische Periode. Deren Wiederentdeckung hatte der Hauptleih- geber, das MAMCO Geneve, 1999 mit Peintures 1962-1969 eingeleitet. In diesen Hard-Edge-Werken entfaltet sich eine Malerei von seltener Lebendigkeit: Formen scheinen zu atmen, warme Farben durech- dringen die Leinwand, statt bloss auf ihr zu liegen. Hafif bringt Bildviereck und Wahr- nehmung in ein Gleichgewicht. Offene An- klinge an urbane Signaletik, Kirchen, Korper und Higel verleihen den Bildern eine schwebende Mehrdeutigkeit.
Der Bruch von 1969 bis 1971 - als Marcia Hafif in Kalifornien einen MFA ab- solvierte, Malerei als «verboten» empfand und sich Foto und Video zuwandte — er- scheint in der Ausstellung nur als Nachhall. Die spateren, auf Objektivitat zielenden Monochrome entstanden im Umfeld der mit Olivier Mosset gegriindeten Gruppe Radical Painting und wirken zunachst didaktisch. Doch verweilt man vor ihnen, wird deutlich, dass sich der kreative Elan von der Komposition in die Materialitat verlagert hat. Wahrend die rémischen Bilder mit Acryl freie Setzungen erlauben, kehrt Hafif in den Monochromen zu Pig- menten zurtick, die sie auf Glas verreibt und gestisch in mit Ol gebundenen Schich- ten auftragt. Diese «Kiiche» erzeugt dichte, vibrierende Oberflachen. So zeigt die Schau weniger einen Verlust als eine Ver- schiebung - vom Bildraum in die Farb- substanz. KHO
Laufenburg Rehmann-Museum, bis 5.7. rehmann-museum.ch
Energies fossiles
«Kin Hauch von Eisen auf der Zungen- spitze, Zugang zur Welt davor, ruhend, in den Gesteinsschichten, hailen noch immer Fragmente nach von Klangen», schreiben die Kiinstlersinnen als kollektives Gespann im Begleitheft zur Ausstellung Energies fossiles. Pauline Marx, auch bekannt als Musikerin Le diable dégotitant, zeigt zu- sammen mit fiinf weiteren internationalen Positionen eine installative Komposition aus Zeichnungen, Skulpturen, Textil- drucken und Sound. Fin Gesamtkunstwerk, das alle unsere Sinne ansprechen und uns das geheime Wesen der Natur naher- bringen soll. Dass wir selbst unmissver- standlich Teil davon sind, lasst sich in den Werken durch immer wieder an mensch- liche K6rper erinnernde Formen erahnen.
Der Ursprung der Welt im Urgestein vor unserer Zeit versus der Beginn allen Lebens durch den weiblichen Schossraum, Heilkrauter, gepresst zwischen Glas, neben einer Pyramide aus versteinerten Mu- scheln. Es werden immer wieder Analogien aufgemacht - zwischen Himmel und Erde, zwischen dem Irdischen und dem Unsterb- lichen. Doch stets ist die vergangliche Materie, Lehm, Holz, Knochen, Wurzeln und destillierte Sdfte, Ausgangspunkt fiir eine alchemistische Belebung: etwa mit Duft, Luft, Licht.
Fossilien speichern Energien, und wie setzen wir sie wieder frei? Zwischen Natur- wesen und -wissen geht die Kunst mit uns auf Reisen in die Vergangenheit zu den Dinosauriern und von dort weiter bis in eine Zukunft voller Hoffnung auf einen respektvollen Umgang mit den Ressourcen unserer Umwelt. VS
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Grenchen/…/Laufenburg
KURZKRITIK
— AAI sie FUND LUXUSINDUSTRIE/ FABRICE HYBER/